Die Zahl der Angriffe auf Polizisten, Feuerwehrleute und Sanitäter steigt – auch im Hochtaunuskreis. Besorgniserregend nennt die Polizeidirektion in Bad Homburg die Zunahme jener Fälle, die in der Kriminalstatistik unter der Überschrift „Widerstand gegen und tätlicher Angriff auf Vollstreckungsbeamte“ zusammengefasst sind. Im Landkreis waren es im vergangenen Jahr 47 solcher Straftaten, neun mehr als im Jahr davor. Die Opferzahlen liegen deutlich höher. Eine Tat kann sich schließlich gegen mehrere Einsatzkräfte richten. Von den 87 Opfern im Jahr 2025 waren 61 Männer und 26 Frauen. Bei den allermeisten, 82 an der Zahl, handelt es sich um Polizisten. Auch drei Rettungskräfte weist die Statistik als Opfer aus, außerdem zwei Amtsträgerinnen, deren genauer Beruf nicht angegeben ist. Der Landkreis gehört zum Einsatzgebiet des Polizeipräsidiums Westhessen, genauso wie die Stadt Wiesbaden, der Main-Taunus-Kreis, der Rheingau-Taunus-Kreis und der Kreis Limburg-Weilburg. Insgesamt verzeichnet die aktuelle Kriminalstatistik bei der Gewalt gegen Einsatzkräfte sogar einen historischen Höchststand der Opferzahlen. Im Jahr 2024 waren es noch knapp 580 Geschädigte, im Jahr darauf sogar fast 660. Davon sind 630 Polizisten, die meisten übrigen Rettungskräfte und Feuerwehrleute. Sie alle seien „immer häufiger Beleidigungen, Bedrohungen und körperlichen Angriffen ausgesetzt“, heißt es von der Polizei in Westhessen. Deshalb will sie nach eigenen Angaben konsequent gegen Täter vorgehen. Sie setzt aber auch auf die Unterstützung derer, die in der Gegend leben. So fordert die Direktionsleiterin der Polizeidirektion Hochtaunus, Iris Müller, mehr Wertschätzung: „Angriffe auf Menschen, welche sich in den Dienst der Gesellschaft stellen, sind in keinster Weise akzeptabel“, sagt sie. „Hinter jeder Uniform steht ein Mensch, aber auch Eltern, Kinder oder Freunde.“ Um das schon Jugendlichen deutlich zu machen, beteiligt sich die Polizei auch im Taunus am Programm „Cops im Dialog“ des hessischen Innenministeriums. Mit den Veranstaltungen in Schulen „fördern wir schon früh die Grundlage für ein respektvolles Miteinander“, sagt Müller. Auch mehr häusliche Gewalt Die Reihe mit dem amerikanisch-deutschen Namen gehört zu einer Respektkampagne der Landesregierung. Sie soll dem Austausch von Polizisten und Jugendlichen dienen – und damit der Prävention. Zum Auftakt im Kreis besuchten Beamte im vorigen Juni das Kaiserin-Friedrich-Gymnasium in Bad Homburg: Fast 100 Schüler der neunten Klassen sollten lernen, dass Sicherheit nicht nur durch Regeln entsteht, sondern auch durch Vertrauen und gegenseitigen Respekt. So ließen sich Konflikte besser lösen. Auch insgesamt zeigt die Statistik mehr Gewaltdelikte in Westhessen. Das Präsidium in Wiesbaden sieht dahinter sogar ein „gesellschaftliches Phänomen“. So ist die häusliche Gewalt deutlich gestiegen. Im Hochtaunuskreis gab es knapp 390 Fälle, fast 70 mehr als im Vorjahr. Auch die Zahl der Körperverletzungen stieg um gut 200 auf deutlich mehr als 1200. Insgesamt machen Gewalttaten mehr als ein Fünftel aller Fälle aus. Dazu gehören etwa mehr als 60 Raub- und fünf Tötungsdelikte. Bei alledem bleibt der Hochtaunuskreis aber einer der sichersten hessischen Kreise. Das wird über die Häufigkeitszahl bestimmt: Sie zeigt an, wie viele Fälle die Polizei je 100.000 Einwohner erfasst hat. Im Hochtaunuskreis liegt sie bei 3686, sogar noch etwas niedriger als 2024. Für ganz Westhessen gibt die Statistik 5037 Straftaten auf 100.000 Einwohner an, also anteilig deutlich mehr. Diese Zahl liegt auch über dem Schnitt der vergangenen Jahre. Zu beachten ist dabei allerdings, dass in die Statistik erstmals Zahlen des Zensus von 2022 in Deutschland eingeflossen sind. Die Volkszählung hatte einen Bevölkerungsrückgang im Präsidiumsgebiet von mehr als 7000 Personen ergeben. Das wirkt sich auch auf die Fälle je Einwohner aus, die jetzt für Westhessen höher ausfallen. Die Polizeidirektion Hochtaunus sieht den Rückgang im eigenen Landkreis als Beweis, „dass unsere präventiven Maßnahmen und Sicherheitsstrategien greifen“. Darauf ausruhen wollen sich die Polizisten im Taunus aber nicht. So ist zum Beispiel auch schon der nächste Besuch der hessischen Cops geplant: Am 13. Mai kommen Beamte zum Austausch mit Jugendlichen an eine Schule in Neu-Anspach.
