Jedes Jahr haben sich der Rheingau-Taunus-Kreis und der Odenwaldkreis ein Kopf-an-Kopf-Rennen um das Attribut „sicherster Landkreis in Hessen“ geliefert. Doch das ist vorerst vorbei: Der Rheingau-Taunus-Kreis schneidet laut Kriminalitätsstatistik erstmals seit vielen Jahren schlechter ab. Die Häufigkeitszahl, anhand der sich unterschiedliche Kreise und Städte im Hinblick auf die Kriminalität vergleichen lassen, übersprang mit 3036 Straftaten je 100.000 Einwohner eine bislang unbekannte Marke. Damit reicht es nicht mehr für die Top 3 der sichersten Kreise in Hessen. Nach Angaben der Polizeidirektion Rheingau-Taunus ist der 811 Quadratkilometer große Flächenkreis mit seinen 17 Städten und Gemeinden aber keineswegs unsicherer geworden. Die erstmals in diesem Jahrzehnt auf mehr als 3000 gestiegene Häufigkeitszahl ist vielmehr die statistische Konsequenz einer leicht rückläufigen Bevölkerungszahl nach der neuen Datenbasis des Zensus 2022 und einer Nacherfassung von Straftaten für die polizeiliche Kriminalitätsstatistik. In der Zuständigkeit des Polizeipräsidiums Westhessen liegt der Rheingau-Taunus-Kreis weiter deutlich vor den Kreisen Main-Taunus (Häufigkeitszahl 5039), Limburg-Weilburg (4865) und Hochtaunus (3686). Der Durchschnitt für ganz Hessen liegt sogar knapp über 6000 Straftaten je 100.000 Einwohner. Weniger Kriminalität auf den Straßen Von besonderen Auffälligkeiten im Kriminalitätsgeschehen kann Polizeidirektor Henning Schwethelm nicht berichten. Die Gesamtkriminalität stieg leicht von 5423 auf 5636 Straftaten. Die Aufklärungsquote legte auf 59,1 Prozent zu. Ein Wert, der schon 2016 erreicht worden war, zwischenzeitlich aber sogar knapp 70 Prozent erreicht hatte. Die Straßenkriminalität ging deutlich von 1159 auf 898 Fälle zurück. Allerdings wurde nur jeder vierte Vorfall aufgeklärt und der Täter ermittelt. Die Fälle häuslicher Gewalt verharrten bei einem Wert von rund 200, die Aufklärungsquote bei Delikten innerhalb der Familie liegt naturgemäß bei 100 Prozent. Auffällig in der Statistik für den Landkreis ist vor allem die stark gestiegene Aufklärungsquote für die 187 erfassten Wohnungseinbrüche (Vorjahr 206) auf beachtliche 27,3 Prozent. Das ist die Folge eines Fahndungserfolgs: Eine überregional agierende, professionell organisierte Einbrecherbande konnte ermittelt werden. Laut Polizei handelte es sich um eine Gruppe von sieben Tätern, denen im Zeitraum zwischen November 2024 und Juli 2025 insgesamt 75 Einbrüche zur Last gelegt werden – nicht nur in Hessen, sondern auch in Bayern und in Rheinland-Pfalz. Die Polizei lobt sich selbst für ein „herausragendes Ermittlungsverfahren“, in dem auch Videoaufnahmen und ein markanter Rucksack eines der Diebe eine Rolle spielten. Inzwischen sitzen laut Polizei drei Täter im Gefängnis und drei weitere in Untersuchungshaft. Nur ein Täter sei noch auf der Flucht. Sexualstraftäter nach acht Jahren gefasst Die zunehmende Gewalt gegen Einsatzkräfte ist auch im ländlich strukturierten Rheingau-Taunus-Kreis zu beobachten. Laut Polizeidirektion stieg die Zahl im vergangenen Jahr auf 31. Vor fünf Jahren waren es 23. Bei der Vorstellung der Statistiken für das gesamte Westhessen hatte Polizeipräsident Björn Gutzeit einen zunehmenden Mangel an Respekt gegenüber den Einsatzkräften beklagt und Gewalt als „gesellschaftliches Phänomen“ bezeichnet. Zu den besonderen Erfolgen zählt die Polizeidirektion Rheingau-Taunus zudem die Festnahme eines 42 Jahren alten Mannes, der 2017 bei Hünstetten-Limbach ein elf Jahre altes Mädchen vergewaltigt hatte. Die damals sichergestellte DNA konnte nun dem Täter zugeordnet werden, der festgenommen und in Untersuchungshaft gebracht wurde. „Der Rheingau-Taunus-Kreis bleibt einer der sichersten Landkreise in Hessen“, fasst Schwethelm die Lage zusammen. Er lobt vor allem die Präventionserfolge in enger Kooperation mit Kommunen und Bürgern. In Westhessen sei der Rheingau-Taunus der Landkreis mit den meisten Kommunen, die sich am Präventionsprogramm Kompass beteiligten. Unter den 17 Kommunen ist die Kriminalitätsbelastung in Geisenheim, Idstein, Rüdesheim und Taunusstein am höchsten. Dass auch die Kreisstadt Bad Schwalbach zu diesem Kreis zählt, begründet Schwethelm mit der intensiven Aufklärungs- und Präventionsarbeit in Bad Schwalbach und an der Nikolaus-August-Otto-Schule. Das habe die Bereitschaft erhöht, Straftaten der Polizei zu melden.
