FAZ 30.09.2026
12:13 Uhr

Konzernumbau: Wie Apple schneller und schlanker werden soll


Der neue Apple-Chef John Ternus will den Bereich der Produkte breiter aufstellen und die Organisation verschlanken.

Konzernumbau: Wie Apple schneller und schlanker werden soll

Nach einer unbestätigten Meldung der Nachrichtenagentur Bloomberg will Apple unter dem neuen Vorstandsvorsitzenden John Ternus künftig Produkte schneller entwickeln und häufiger auf den Markt bringen. Auch soll das Produktportfolio gespreizt werden, es sollen also mehr unterschiedliche Geräte angeboten werden. Apple müsse experimentierfreudiger werden, hieß es. Das erste iPhone gab es im Jahr 2007 in genau zwei Modellversionen, mit vier und mit acht Gigabyte Speicher. Das war eine Kampfansage an den damaligen Marktführer Nokia, der jedes Jahr mindestens ein Dutzend neuer Geräte vorstellte und rund 60 verschiedene Modelle gleichzeitig im Handel hatte. Derzeit hat Apple vier ältere iPhones als Einstiegsmodelle am Markt und zwei neue Pro-Geräte. Ende Oktober kommt zudem das erste faltbare iPhone, das Duo. Bei den Tablets bietet der Hersteller vier Produkte an, sie unterscheiden sich hinsichtlich Größe, Speicher und Prozessorleistung. Eine weitere Idee besteht laut Bloomberg darin, dass Apple seine neuen Geräte nicht mehr zu festen Terminen im Frühjahr und Herbst vorstelle, sondern über das gesamte Jahr verteilt. In den vergangenen Jahren bestand ein typisches Muster. Es begann mit der sommerlichen Entwicklerkonferenz, auf der die neuen Betriebssysteme vorgestellt wurden. Am Rande wurden bisweilen neue Rechner präsentiert. Das wichtigste Apple-Event des Jahres ist seit langem die September-Keynote mit der Vorstellung der jeweils neuen iPhone-Generation. Dazu kommen Pressemitteilungen für kleinere Ankündigungen. Reduzierte Hierarchien Das September-Event hat für die Freunde des Hauses geradezu Kultcharakter. Am 9. September 2014 kündigte Apple die erste Apple Watch an, eine neue Produktkategorie für den Hersteller. Im Jahr 2017 wurde das iPhone X ohne Home-Button mit Rand-zu-Rand-Display und Face ID vorgestellt. 2022 folgte die erste Apple Watch Ultra. Im vergangenen Jahr präsentierte man in Cupertino das sehr dünne iPhone Air und in diesem Jahr das iPhone Duo. Wie Bloomberg weiterhin meldet, sollen einige Posten im mittleren Management wegfallen, um die Hierarchieebenen zu reduzieren. Ternus wolle weniger Personal einstellen und von den Ingenieuren mehr verlangen. Es ginge darum, mit weniger Mitarbeitern mehr zu erreichen. Laut Meldung gab es in den vergangenen Wochen Kürzungen für die Teams, die für Siri, die Vision Pro, Fitness+ und die KI-Softwareentwicklung zuständig sind. Mehr Umsatz mit bestehenden Produkten Ternus suche ferner nach Möglichkeiten, mit bestehenden Produkten mehr Umsatz zu erzielen. Apple hat schon angedeutet, dass die Nutzung der hauseigenen Siri AI, der Künstlichen Intelligenz, vom kommenden Jahr an bei Überschreiten bestimmter Limits zusätzlich bepreist wird. Siri AI steht in der EU nicht zur Verfügung. Für die KI-Auswertung von Homekit-Sicherheitskameras verlangt Apple in den Vereinigten Staaten ein Zwei-Terabyte-Abonnement von iCloud Plus für zehn Dollar im Monat. Darin ist die Auswertung der Videos einer Kamera inkludiert. Für fünf Kameras muss man ein Zwölf-Terabyte-Abonnement für 60 Dollar monatlich abschließen. So in etwa könnte die Suche nach neuen Erlösquellen für bestehende Produkte aussehen. Bloomberg berichtet sodann, der Plan 5000 Stellen beim Apple-Care-Support zu streichen und die Personen durch KI-Agenten zu ersetzen, sei im Sommer gestoppt worden. Gegenüber dieser Zeitung erklärte Apple, dass die Gerüchte von Bloomberg grundsätzlich nicht kommentiert würden.