Das ist maximal blamabel für eine deutsche Landeshauptstadt. Die Wahlvorstände in vielen Wiesbadener Wahllokalen waren vor der Kommunalwahl offenbar so unzureichend und fehlerhaft instruiert worden, dass sie eine Vielzahl gültiger Stimmen für ungültig erklärt haben. Eine nachvollziehbare Erklärung, wie es dazu kommen konnte, hat die Stadt bislang nicht gegeben. Das sollte sie schleunigst nachholen. So geringfügig die Änderungen in der Summe offenbar auch waren, so gravierend sind die politischen Konsequenzen. Die Erleichterung in der Wirtschaft über die Abwahl des Linksbündnisses wird nun Ernüchterung weichen. Noch vor der offiziellen Bekanntgabe des Wahldesasters durch die Verwaltung jubelte die Linke voller Häme: Die Bürger wollten eben keine reaktionäre Politik, sondern Fortschritt, soziale Gerechtigkeit und Klimaschutz. Für die Linke sollte es so weitergehen wie bisher. Für Wiesbaden wäre das allerdings nach den Erfahrungen der zurückliegenden vier Jahre eine denkbar schlechte Option. Ob die SPD an einem fragileren Linksbündnis mit nur noch einer Stimme Mehrheit festhalten will, ist allerdings keineswegs ausgemacht. Eine stabile politische Mehrheit für Wiesbaden wäre nur mit der CDU zu bilden. Das allerdings um den Preis, Juniorpartner zu sein. Dennoch ist die SPD die Gewinnerin der Wahlkorrektur: Wenn ihr das Linksbündnis zu heikel sein sollte, dann wird sie den Preis für die CDU maximal hoch ansetzen können und vermutlich auch darüber bestimmen dürfen, wer als Dritter in das Bündnis eintritt. Das können die Grünen, das kann aber auch Volt oder sogar die FDP sein.
