Das ging zügig: Die Kommunalwahl ist noch keine zwei Monate vergangen, aber in Offenbach sind die Verhältnisse schon klar. Nach nur vier Wochen Verhandlungen haben sich SPD und CDU auf eine Koalition in der Stadtverordnetenversammlung geeinigt. Folgt man ihren Spitzenvertretern, dann sind diese Gespräche ziemlich reibungslos verlaufen. Denn in den grundlegenden Einschätzungen zur Stadtpolitik sind sich die beiden Seiten einig. Offenbach hat in den vergangenen Jahren eine positive Entwicklung genommen, die Zahl der Arbeitsplätze steigt. Das aber darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Stadt noch immer mit den Folgen des Strukturwandels der vergangenen Jahrzehnte zu kämpfen hat. Aus dieser Analyse folgt die Einsicht, dass Wirtschaftspolitik eine entscheidende Rolle für die Stadt spielt und weiter spielen wird. Darüber herrscht in der Kommunalpolitik auch über die Parteien der beiden Koalitionäre hinaus Einigkeit. Aus drei werden zwei Dass nun ein rot-schwarzes Bündnis die Ampelkoalition ablöst, sollte und wird wohl nicht viel daran ändern, dass es in wichtigen Fragen einen großen Konsens in der Stadt geben wird. Dass sich der Wahlsieger SPD für einen neuen Partner entschieden hat, kann man dabei nachvollziehen: Zum einen arbeitet es sich im Duo vielleicht leichter als zu dritt, außerdem gewinnt die SPD eine Stelle im hauptamtlichen Magistrat, auch das ist ein nachvollziehbares Kalkül. Das Tempo der Einigung in Offenbach begründet sich auch in der Überzeugung der Beteiligten, dass es vor allem um eine gute Stadtpolitik gehen muss. Mögen sich die Granden der Parteien in Berlin über Steuern und Renten streiten – für Offenbach ist solcher Zwist nicht maßgeblich. Immerhin gibt es einen Passus ziemlich am Ende des Koalitionsvertrags: Man erkenne unterschiedliche Positionen in der Landes- und Bundespolitik an, und es stehe den Parteien frei, sie öffentlich zu vertreten, falls sie in Offenbach Thema werden. So einfach ist das. Der schon erwähnte kommunalpolitische Konsens begründet sich auch darin, dass Offenbach noch immer eine arme Stadt ist. Das schärft den Blick für das Maßgebliche – wo wenig ist, da bleibt kaum Raum für Verteilungskämpfe. Vielleicht tun sich deswegen die Parteien am anderen Ufer des Mains in Frankfurt so viel schwerer.
