Manchen Beobachter mag es überraschen, dass Niklas Süle, dieser furchtlose Verteidiger, sein frühes Karriereende mit seiner Verletzlichkeit erklärt. Er habe einfach zu viel Angst, sich zum dritten Mal am Kreuzband zu verletzen und abermals monatelang an der Genesung arbeiten zu müssen, lautet der Hauptgrund für seinen Rückzug aus dem Profifußball im Alter von nur 30 Jahren. Süle, der fünf Deutsche Meisterschaften, die Champions League und zweimal den DFB-Pokal gewonnen hat, will ab sofort Zeit mit seiner Familie haben. Die kleinen Kinder des 49-maligen Nationalspielers können sich ab der kommenden Woche über einen Vater freuen, der schöne Reisen machen kann und viel für sie da sein wird. Nach allem, was zu hören ist, werden etliche Spieler den beliebten Süle in der Kabine des BVB vermissen, in der Klubführung ist das nicht unbedingt der Fall. Der Topverdiener verschwindet von der Gehaltsliste, was pro Jahr einen zweistelligen Millionenbetrag einspart. Und auch ein unerfülltes Versprechen werden sie los. Einen Spieler, der selten die optimale körperliche Verfassung hatte, der mit seiner Lust am Essen kämpfte und diesen Kampf oft verlor. „Ich habe es mental einfach nicht geschafft, die richtigen Dinge zu tun. Ich habe es selbst nicht mehr hinbekommen, mich zu motivieren“, hat er einmal bei Sport1 gesagt. Offener Umgang mit Ernährungsproblemen Das ist menschlich, und Süle ist einer der ganz wenigen Fußballprofis, die über in anderen Sportarten weitverbreitete Ernährungsprobleme sprechen. Aber in Dortmund hinterlässt Süle eben auch den schmerzlichen Gedanken, was in den vier gemeinsamen Jahren möglich gewesen wäre. Es fehlten ja nur Winzigkeiten zum Gewinn der Meisterschaft 2023 und der Champions League 2024. Kleinigkeiten, die ein topfitter Süle eventuell hätte einbringen können. Denn es gab im vergangenen Jahrzehnt keinen begabteren Verteidiger in Deutschland. Auch mit starkem Übergewicht ist er noch fast allen davongesprintet, er war technisch stark, verlor nie die Nerven und fand manchmal sensationelle fußballerische Lösungen. Nun sagt er, dass ihm manches vielleicht zu leichtgefallen sei. Dass er nie gezwungen war, alles zu investieren, um der Beste zu sein. Schön, dass er nun seinen Frieden gefunden hat. Und schade, dass der bestmögliche Süle gerade in den BVB-Jahren nur so selten zu sehen war.
