Pluto kreist jenseits des Planeten Neptun am Rande des Sonnensystems, aber dort ist er längst nicht mehr allein. Dies war einer der Gründe, warum er 2006 seinen Status als neunter Planet der Sonne verlor. Aktuell sind mehr als tausend weitere Trans-Neptun-Objekte (TNO) so weit untersucht, dass man ihnen eine Nummer gab, einige haben schon richtige Namen. So weit hat es (612533) 2002 XV93 noch nicht gebracht, allerdings wurde auf dem nur 550 Kilometer großen Objekt nun etwas entdeckt, was Pluto als Alleinstellungsmerkmal unter den TNOs bisher noch geblieben war: eine Atmosphäre. Den Beleg dafür fanden japanische Astronomen, als sie Anfang 2024 mehrere Teleskope auf einen Stern richteten, von dem sie wussten, dass (612533) 2002 XV93 vor ihm vorbeiziehen würde. Zu ihrer Überraschung beobachteten sie dabei kein schlagartiges Verschwinden und Wiederauftauchen des Sterns, sondern einen zwar schnellen, aber kontinuierlichen Übergang, wie er typischerweise vom Gas in einer Hülle um das TNO verursacht wird – allerdings von einer sehr dünnen. In ihrer Veröffentlichung in Nature Astronomy berechnen die japanischen Forscher einen Oberflächendruck von 100 bis 200 Nanobar. Das entspricht dem Druck der Erdatmosphäre in 125 bis 140 Kilometer Höhe und einem Hundertstel des Drucks der hauptsächlich aus Kohlenmonoxid bestehenden Atmosphäre des Pluto. Der ist mit einem Durchmesser von rund 2374 Kilometern allerdings viel größer. So bleibt rätselhaft, wie (612533) 2002 XV93 seine Gashülle halten kann. Auf einem Körper mit derart geringer Schwerkraft kann sich eine solche Atmosphäre keine tausend Jahre halten – es sei denn, sie wird durch Gas aus dem Inneren des Kleinplaneten wiederaufgefüllt. Dann gäbe es auf dieser Welt so etwas wie Vulkanismus.
