FAZ 26.03.2026
13:04 Uhr

Im Alter von 94 Jahren: Alexander Kluge ist tot


Er gehörte zum Kreis um die Gruppe 47, war ein Vertreter des Neuen Deutschen Films und umtriebiger Autor. Nun ist Alexander Kluge im Alter von 94 Jahren gestorben.

Im Alter von 94 Jahren: Alexander Kluge ist tot

Der Schriftsteller, Filmemacher und Unternehmer Alexander Kluge ist tot. Wie der Suhrkamp Verlag unter Berufung auf seine Familie mitteilte, starb er am Mittwoch im Alter von 94 Jahren in München. Kluge gehörte zum Kreis um die Gruppe 47 und war ein Vertreter des Neuen Deutschen Films. Er ist Autor zahlreicher Schriften, darunter philosophische, literarische und kulturtheoretische. Im Jahr 1987 gründete er die Produktionsfirma dctp, mit der er sich beim Aufkommen des Privatfernsehens in Deutschland Sendefenster bei RTL und Sat.1 sicherte. Zu später Stunde redete er dort genauso über Ameisen wie über den Ersten Weltkrieg. Das Magazin „Spiegel TV“ stammt aus seinem Haus. Zu seinen Filmen zählen „Brutalität in Stein“ (1961), „Die Artisten in der Zirkuskuppel: ratlos“ (1968), „Deutschland im Herbst“ (1978, mit Volker Schlöndorff, Rainer Werner Fassbinder, Edgar Reitz) und „Der Angriff der Gegenwart auf die übrige Zeit“ (1985). 1962 war er einer der Filmemacher, die mit dem „Oberhausener Manifest“ ein Kino der Autoren forderten. „Ich bin und bleibe in erster Linie ein Buchautor“ Schreibend machte er sich vor allem durch Kurzgeschichten einen Namen. In seinen Büchern berichtet er unter anderem von deutschen Lebensläufen und seinem Geburtsort. Von großen Erzählungen hielt er gerne Abstand, lieber arbeitete er mit der Montagetechnik, um Fakten, Ideen, Erdachtes zusammenzubinden. In seiner Rede zum Heinrich-Böll-Preis sagte Kluge im Jahr 1993: „Ich bin und bleibe in erster Linie ein Buchautor, auch wenn ich Filme hergestellt habe oder Fernsehmagazine.“ Für seine Bücher und Filme erhielt Kluge unter anderem den Adolf-Grimme-Preis, den Georg-Büchner-Preis, den Heinrich-Heine-Preis sowie den Klopstock-Preis. In einem Interview anlässlich seines neunzigsten Geburtstags im Jahr 2022 blickte Kluge auf seine Kindheit zurück: Als Dreizehnjähriger war er bei einem Bombenangriff verschüttet worden. Nach einer Weile habe er einen Ausgang zum Nachbarhaus gefunden, und von da aus ging es zum nächsten und zum übernächsten Haus, bis sich schließlich ein Weg nach draußen fand, erzählte er. „Es gibt immer einen Ausweg“, habe er daraus gelernt. „Um ihn zu finden, muss man locker lassen, oder man muss dafür sorgen, dass der Notausgang zu einem kommt. Man muss ihn zulassen.“ Mit dem fast gleichaltrigen Maler Gerhard Richter verbanden Kluge neben einem gemeinsamen Urlaubsziel in der Schweiz auch zwei Bücher. Er steuerte zu Richters Fotos die Texte bei. „Was er kann, kann ich nicht, wir ergänzen uns“, sagte er. Dabei sei der Maler gelegentlich recht radikal mit seinen Texten umgegangen, berichtet Kluge. „Er zerschnitt manchmal aus ästhetischen Gründen meine Texte.“ Umgekehrt wäre das wohl eher nicht anzuraten: „Seine Werke sind generell etwas teurer.“ Kluge wurde 1932 in Halberstadt geboren, studierte Jura, Geschichte und Kirchenmusik. Er promovierte und arbeitete zunächst als Rechtsanwalt. 1958 volontierte er bei dem Regisseur Fritz Lang („Metropolis“) und fing bald darauf an, selbst Regie zu führen. Von 1963 an lehrte er als Professor an der Hochschule für Gestaltung Ulm. Außerdem gründete er seine eigene Produktionsfirma Kairos-Film. Zehn Jahr später wurde er Honorarprofessor an der Universität Frankfurt am Main.