FAZ 25.03.2026
10:18 Uhr

Ifo-Index sinkt deutlich: „Irankrieg beendet vorerst Hoffnung auf einen Aufschwung“


Die Stimmung der deutschen Unternehmen hat sich im März als Folge des Irankriegs deutlich verschlechtert. Das Ifo-Institut sieht vorerst die Hoffnung auf einen Aufschwung schwinden.

Ifo-Index sinkt deutlich: „Irankrieg beendet vorerst Hoffnung auf einen Aufschwung“

Mit der Dauer des Irankriegs und der Unsicherheit über die Energiepreise schwinden die Hoffnungen auf eine konjunkturelle Erholung der deutschen Wirtschaft in diesem Jahr. Die Stimmung der deutschen Unternehmen hat sich darob im März deutlich verschlechtert. Der Geschäftsklimaindex des Ifo-Instituts in München sank im März von 88,4 auf 86,4 Punkte. Das ist der tiefste Stand seit Februar 2025. „Der Krieg im Iran beendet vorerst die Hoffnung auf einen Aufschwung“, kommentierte Clemens Fuest, der Präsident des Ifo-Instituts. Verschlechtert haben sich nach der Umfrage unter rund 9000 Unternehmen vor allem die Erwartungen über die künftige Geschäftsentwicklung. Der entsprechende Teilindex fiel von 90,2 auf 86 Punkte. Die aktuelle Geschäftslage schätzen die Unternehmen dagegen unverändert gegenüber dem Februar ein. Die Umfrage spiegelt die Sorgen angesichts der amerikanischen und israelischen Angriffe auf Iran und Irans Angriffe auf Öl- und Gasanlagen anderer Golfstaaten. Vor allem die faktische Sperrung der Straße von Hormus für Öl- und Gastransporte hat die Öl- und Gaspreise unter großen Schwankungen stark steigen lassen. Energieintensive Industrien betroffen Dabei hat das Geschäftsklima sich im März als Reaktion auf den Irankrieg weit weniger verschlechtert als nach Russlands Angriff auf die Ukraine im Jahr 2022 oder nach Ausbruch der Covid-Pandemie im Jahr 2020. Auch während der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise 2008 sackte der Geschäftsklimaindex schneller ab. Klaus Wohlrabe, der Umfrageleiter des Ifo-Instituts, schloss gegenüber der F.A.Z. nicht aus, dass die Stimmung sich weiter eintrüben könne, wenn der Konflikt andauert. Die Unternehmen hätten „wie im Lehrbuch“ auf die größere Unsicherheit reagiert und auch schon Zweitrundeneffekte vorweggenommen, sagte Wohlrabe. Im verarbeitenden Gewerbe waren im März gerade energieintensive Industrien wie die Chemie negativ getroffen. Unter den Dienstleistern blickten vor allem Tourismus- und Logistikunternehmen erheblich negativer in die Zukunft als zuvor. Darüber hinaus führte die Sorge der Bürger vor steigender Inflation dazu, dass die Geschäftsaussichten im Groß- und Einzelhandel sich spürbar eintrübten. Die deutliche Verschlechterung der Geschäftsaussichten im Bauhauptgewerbe begründete Wohlrabe damit, dass die Europäische Zentralbank auf eine höhere Inflation mit Zinserhöhungen reagieren könne, was die Kreditzinsen auch für Hausbauer verteuern würde. Im Gegensatz zu den Erwartungen hat die Geschäftslage sich in vielen Branchen im März verbessert, so im Dienstleistungssektor, im Handel und im Bauhauptgewerbe. Die gewichtige Ausnahme ist das verarbeitende Gewerbe, in dem die Unternehmen Lage und Erwartungen schlechter einschätzten. Schäden hängen von der Dauer des Kriegs ab Die Schäden des Kriegs am Persischen Golf für die deutsche Wirtschaft hängen weitgehend davon ab, wie lange die Auseinandersetzungen dort andauern werden. „Wenn der Krieg und die Sperrung der Straße von Hormus noch ein, zwei Monate anhielten, wäre der wirtschaftliche Schaden für Deutschland deutlich spürbar“, erklärte der Chefvolkswirt der Commerzbank, Jörg Krämer. Er verwies darauf, dass ein Aufschwung ein Deutschland auch vor dem Irankrieg nicht gesichert gewesen sei, weil die Regierung strukturelle Reform habe missen lassen. Die Erwartung einer konjunkturellen Belebung in Deutschland stützt sich weitgehend darauf, dass die Regierung schuldenfinanziert mehr Geld für Verteidigung und für Investitionen in Infrastruktur ausgibt. Die großen Wirtschaftsforschungsinstitute haben ihre Wachstumserwartungen für dieses Jahr bislang nur moderat zurückgenommen. Das Ifo-Institut senkte in diesem Monat seine Prognose für Deutschland als Folge des Irankriegs von ein auf 0,8 Prozent. In ähnlichem Ausmaß erwarten auch die anderen Institute geringeres Wachstum. Dabei ist unterstellt, dass der Konflikt relativ schnell ein Ende findet. In anderen Szenarien, in dem der Krieg länger andauert, erwartet Ifo für dieses Jahr ein Wachstum von nur 0,6 Prozent und das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung in Berlin von 0,5 Prozent. Die Konjunkturprognosen unterliegen einer höheren Unsicherheit als gewöhnlich.