FAZ 06.08.2026
10:14 Uhr

Hitze-Liveblog: 261 Menschen sind in diesem Jahr laut DLRG in deutschen Gewässern ertrunken


9600 Hitzetote in Deutschland in heißer Juniwoche +++ 40,8 Grad Celsius: Temperaturrekord in Österreich +++ Hitze-Warnstufe für Warschau +++ alle Entwicklungen im Liveblog

Hitze-Liveblog: 261 Menschen sind in diesem Jahr laut DLRG in deutschen Gewässern ertrunken

Feuerwehr kämpft gegen Waldbrände auf dem BalkanAuch auf dem Balkan kämpft die Feuerwehr gegen Waldbrände. In Serbien wütet im Banater Dünenland östlich der Hauptstadt Belgrad ein Vegetationsbrand. Die Flammen zerstörten bereits eine Fläche von 300 Hektar, berichteten serbische Medien unter Berufung auf das Innenministerium. Zur Brandbekämpfung seien 80 Einsatzkräfte und drei Helikopter des Innenministeriums aufgeboten worden. Deren Arbeit würden nicht nur Trockenheit und Hitze erschweren, sondern auch Winde, die das Feuer immer wieder weitertragen. Das Banater Dünenland, auch „Banater Sandwüste“ genannt (serbisch: Deliblatska pescara), ist ein rund 300 Quadratkilometer großes Dünen- und Waldgebiet in der serbischen Nordprovinz Vojvodina, das sich nördlich der Donau erstreckt. Es besteht aus Wäldern, Grasland und offenen Sandflächen und gilt als das größte zusammenhängende Sandgebiet in Europa. Es steht unter Naturschutz und beherbergt rund 900 Pflanzenarten. Wegen seines außergewöhnlichen Vogelbestands zählt es außerdem zu den bedeutendsten Vogelschutzgebieten Europas. 

Hitze in Europa: Ärzte fordern verbindliche MaßnahmenAngesichts der jüngsten Hitzewellen mit Tausenden Toten fordern die Bundesärztekammer und rund 80 weitere europäische Gesundheitsorganisationen deutlich mehr Anstrengung von der EU. So müsse die Erklärung des Klimanotstands in verbindliche Verpflichtungen und extreme Hitze als ernsthafte grenzüberschreitende Gesundheitsgefahr anerkannt werden, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung.Weiter fordern die Unterzeichner unter anderem einen Europäischen Hitzeschutzplan, unterstützt durch einen Notfall-Anpassungsfonds. Damit sollen beispielsweise die Hitzeüberwachung und Gesundheitseinrichtungen, Pflegeeinrichtungen, Kindertagesstätten und Schulen klimafest gemacht werden. Die Lücke im europäischen Arbeitsschutz bei Hitze müsse durch verbindliche, regional angepasste Temperaturschwellenwerte geschlossen werden. Außerdem sollen etwa sichere Innentemperaturen für vulnerable Menschen im Bestandswohnraum gewährleistet werden. Trotz bestehender nationaler Hitze-Gesundheits-Aktionspläne, Frühwarnsysteme und einer EU-Anpassungsstrategie steige die hitzebedingte Sterblichkeit weiter, kritisieren die Autoren. Die Opfer seien überwiegend ältere Menschen, überproportional Frauen.Auch im Freien arbeitende Menschen sowie Menschen in Armut und in schlecht angepassten Wohnungen als auch in Pflege- und Gesundheitseinrichtungen seien von gesundheitlichen Folgen betroffen, zudem förderten Waldbrände weitere Todesopfer und hüllten Städte in Rauch. „Dessen Feinstaubpartikel werden noch lange nach dem Erlöschen der Flammen weitere Todesfälle verursachen“, warnen die Unterzeichner, zu denen auch der deutsche Hausärztinnen- und Hausärzteverband sowie Klug, die deutsche Allianz Klimawandel und Gesundheit, gehören.

Elbe in Magdeburg erreicht niedrigsten WasserstandDie Elbe in Magdeburg hat den niedrigsten Wasserstand seit Beginn der Messungen im Jahre 1727 erreicht. Laut Elwis-Vorhersagesystem der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes wurden am Pegel Strombrücke am Donnerstagvormittag 44 Zentimeter gemessen. Der bisher niedrigste gemessene Wasserstand der Elbe in Magdeburg datiert vom 31. Juli 2019, als am Pegel Strombrücke 45 Zentimeter gemessen wurden. Am Montag könnte der Wert gar auf 40 Zentimeter fallen. „Insgesamt lässt sich feststellen, dass wir uns in einer lang anhaltenden Niedrigwasserperiode befinden“, sagte Pavel Knotek von der Internationalen Kommission zum Schutz der Elbe in Magdeburg. So habe die Elbe seit dem Jahr 2015 fast in jedem Sommer für mehrere Wochen extremes Niedrigwasser. Trockenheit und niedrige Wasserstände haben dazu geführt, dass seit April kaum noch Frachtschiffe auf der Elbe zwischen Magdeburg, Dresden und der tschechischen Grenze verkehren.

Italien: Alarmstufe Rot wegen Hitze in 27 GroßstädtenWegen der anhaltenden Hitzewelle gilt in Italien in allen 27 Großstädten, die unter Beobachtung des Gesundheitsministeriums stehen, die höchste Warnstufe für Hitzealarm. Alarmstufe Rot wird von der Regierung in Rom erlassen, wenn es extreme Hitze verbunden mit hoher Luftfeuchtigkeit gibt. Das bedeutet akute Gesundheitsgefahren nicht nur für ältere Menschen und andere Risikogruppen, sondern auch für Gesunde und sportlich Aktive.Die höchste Alarmstufe Rot gilt nun von Nord bis Süd, von Bozen in Südtirol bis Palermo auf der Mittelmeerinsel Sizilien. Vielerorts werden am Donnerstag Temperaturen von mehr als 35 Grad erwartet. Für Städte wie Florenz in der Toskana und die Hauptstadt Rom, die auch von vielen Touristen besucht werden, stellen Meteorologen Spitzenwerte von mehr als 40 Grad in Aussicht. An Trinkwasserbrunnen bilden sich dort lange Schlangen.  Die Hitzewelle wird nach Vorhersagen bis Mitte August dauern.

Wetter beruhigt sich am Donnerstag – leichte AbkühlungNach den schweren Unwettern in den vergangenen Tagen entspannt sich die Wetterlage. Die Temperaturen erreichen laut den Wetterexperten in der Nordwesthälfte maximal 21 bis 26 Grad, wie der Deutsche Wetterdienst (DWD) mitteilt. In den anderen Landesteilen kann es bei 25 bis 31 Grad deutlich wärmer werden. Dabei ist es weitestgehend heiter bis sonnig. Nur noch vereinzelt ist nach DWD-Angaben an den Alpen mit Starkregen und Gewittern zu rechnen. Bei Starkregen könnten den Angaben zufolge bis zu 25 Liter pro Quadratmeter innerhalb kurzer Zeit fallen. An der Nord- und Ostsee kann es zudem stürmisch werden. Den Angaben zufolge sei mit Böen mit Geschwindigkeiten zwischen 55 und 70 Kilometern pro Stunde aus westlicher Richtung zu rechnen. Von der Nordsee her ziehen einige Wolken in Richtung Binnenland. Dabei kann es auch vereinzelte leichte Schauer geben. In der Nacht zum Freitag kann es dann im Südosten kräftiger regnen. Dazu seien auch einzelne Gewitter möglich. Der Freitag selbst wird meist heiter. Am meisten Sonne soll im Süden scheinen. Im Norden werden dichte Wolkenfelder zum Teil mit Regen erwartet.

Wieder Temperaturrekord in Österreich und Slowakei Österreich wie auch die Slowakei haben am Mittwoch erneut den heißesten Tag seit Beginn der Messgeschichte erlebt. Im niederösterreichischen Bad Deutsch-Altenburg kletterte das Thermometer laut Geosphere Austria am Nachmittag auf 41,2 Grad. Die südslowakische Gemeinde Kamenice nad Hronom an der Grenze zu Ungarn verzeichnete 41,4 Grad. Schon am Dienstag hatte Wien mit 41 Grad den Allzeitrekord für Österreich geknackt. Der nationale Wetterdienst warnte auch am Mittwoch vor „extremer Hitzebelastung“.

Hitze in Polen – höchste Warnstufe für WarschauInmitten einer anhaltenden Hitzewelle hat Polens Wetterdienst für die Hauptstadt Warschau und große Teile des Landes die höchste Alarmstufe ausgerufen. Am heißesten soll es im Südosten werden – dort wurden örtlich bis zu 40 Grad erwartet. Für Warschau liegt die vorhergesagte Höchsttemperatur bei 38 Grad. „Hitze kann die Gesundheit und das Leben gefährden“, warnte der Wetterdienst IMGW auf der Plattform X. Die Bevölkerung wurde angewiesen, viel Wasser zu trinken, in den heißesten Stunden des Tages die Sonne zu meiden und die Wohnung nachts oder in den frühen Morgenstunden zu lüften. „Auch die Nacht von Mittwoch auf Donnerstag wird tropisch, die Temperaturen werden nicht unter 20 Grad sinken, das erschwert dem Körper die Regeneration“, erklärte eine Sprecherin dem Radiosender Tok.fm.Ministerpräsident appelliert: „Auch mal Pause machen“Im Zentrum von Warschau wurden an mehreren Stellen Sprühdüsen aufgestellt. Die polnische Hauptstadt hat 1,9 Millionen Einwohner, in der Metropolregion Warschau leben rund drei Millionen Menschen. Regierungschef Donald Tusk wandte sich mit einem Appell an Firmen und Arbeitgeber. „Kümmern Sie sich um Ihre Mitarbeiter, Kollegen und sich selbst. Wenn Sie eine Klimaanlage haben, sparen Sie heute nicht daran“, sagte er in einer auf X verbreiteten Videobotschaft. Auch Homeoffice sollte ermöglicht werden. „Und wenn es gar nicht mehr geht, sollten Sie unbedingt eine Pause einlegen.“Anders als in Ungarn, wo das Atomkraftwerk Paks infolge des niedrigen Wasserstands der Donau knapp der Totalabschaltung entgangen ist, gibt es in Polen bislang keine Probleme mit der Stromerzeugung. Polen hat keine AKW, es greift bei Verbrauchsspitzen hauptsächlich auf seine Kohlekraftwerke zurück. Für Mittwochabend sagen die Meteorologen für den Westen des Landes Sturm mit Starkregen und Hagel vorher. Eine merkliche Abkühlung wird erst am Freitag erwartet.

Waldbrände bei Athen: Die Schadenserhebung beginntDie großen Waldbrände westlich von Athen sind unter Kontrolle, aber längst noch nicht vollständig gelöscht. Weiterhin bekämpft die Feuerwehr sowohl am Boden als auch aus der Luft rauchende Glutherde und neu entflammende Kleinbrände, wie der Sender ERTNews zeigte. Hilfreich ist das Wetter – es gibt kaum Wind. Derweil können die Menschen in manche Orte zurückkehren. Die Schäden an Besitz und Natur sind bislang kaum zu überblicken.Der konservative Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis hat schnelle Hilfe zugesagt und für den späten Vormittag eine Krisensitzung einberufen. Dort sollen verschiedene Maßnahmen beraten und auf den Weg gebracht werden, unter anderem die zügige Begutachtung der rund 100 verbrannten Häuser. Diese befinden sich vor allem im Küstenort Porto Germeno. Es geht um Vorbereitungen für den Beginn des Wiederaufbaus. Diskutiert wird auch ein Zuschuss für eine vorübergehende Unterkunft zur Unterstützung der Menschen, die ihr Heim verloren haben. Für Landwirte, Betriebe und Anlagen gibt es gesonderte Hilfen. Umweltschäden sind kaum abzusehenKaum abzusehen sind hingegen die Umweltschäden. Es sind nicht nur die rund 80 Quadratkilometer Wald, Buschland sowie landwirtschaftliche Flächen, die den aktuellen Bränden zum Opfer fielen. In den vergangenen zehn Jahren verbrannten in der Region Attika rund um die Hauptstadt Athen rund 200 Quadratkilometer Wald – das entspricht 42 Prozent der vorhandenen Waldfläche der Region, wie die Zeitung „Naftemporiki“ schreibt. 

So setzt die Hitze Ungarn unter DruckDie Extremhitze legt den Donauverkehr lahm und droht Ungarns Stromnetz zu überlasten. Ingenieure halten das AKW Paks dank gesenktem Kühlwasserbedarf vorerst am Netz, berichtet unsere Korrespondentin Michaela Seiser: 

Temperaturrekord in ÖsterreichMit 40,8 Grad Celsius in Wien ist in Österreich am Dienstag ein Hitzerekord gemessen worden. Diese Temperatur wurde im Stadtteil Stammersdorf im Osten der Hauptstadt gemessen, wie der nationale Wetterdienst mitteilte. Der bisherige Rekord stammte vom August 2013, damals war das Thermometer in Bad Deutsch-Altenburg im Osten des Landes bis auf 40.5 Grad geklettert.Der gesamte Juli war in Österreich – wie auch in Deutschland und weiteren Ländern Europas – ungewöhnlich heiß und trocken. Örtlich regnete es bis zu 90 Prozent weniger als üblich, wie der Wetterdienst erklärte. Nach Erkenntnissen von Wissenschaftlern führt die menschengemachte Erderwärmung zu häufigeren und heftigeren Wetterextremen wie Hitze, Dürre und Unwettern.Wien leidet mehr als andere Großstädte unter der Hitze. Doch noch Not macht erfinderisch, berichtet unser Korrespondent Alexander Haneke: 

„Angespannte Stunden“ für Feuerwehrleute in den NiederlandenDer Waldbrand in einem niederländischen Naturschutzgebiet nahe der deutschen Grenze hat sich über ein Gebiet von rund hundert Hektar ausgebreitet. Hunderte Feuerwehrleute kämpften am Dienstag unterstützt von Löschhubschraubern gegen die Flammen im Naturschutzgebiet Boschhuizerbergen nahe Oostrum im Südosten der Niederlande. Bis zum frühen Nachmittag war der Brand weiterhin außer Kontrolle, dichte Rauchwolken hingen über dem Gebiet in der Provinz Limburg. Ein nahegelegener Campingplatz wurde geräumt, mehrere Straßen waren gesperrt. Den Löschmannschaften stünden „angespannte“ Stunden bevor, zitierte die Nachrichtenagentur ANP einen Sprecher der Verwaltung von Limburg. Wegen wechselnder Windböen müssten sie ihren Einsatz „ständig anpassen“. ANP zufolge breiteten sich die Rauchwolken mit dem Wind Richtung Norden bis in die Nachbarprovinzen Gelderland, Overijssel und Friesland aus, auch Deutschland könne betroffen sein.Ausgebrochen war das Feuer am Montagnachmittag aus zunächst ungeklärter Ursache. Zahlreiche europäische Länder sind derzeit mit Hitze, Dürre und Waldbränden konfrontiert.

„Wir sind dabei, das Äquivalent einer Eiszeit zu schaffen, nur mit Feuer\"Flammen fressen sich durch Südeuropa: Der Historiker Stephen Pyne sieht darin die Quittung für die fossile Hybris der Moderne. Er erklärt im Gespräch, weshalb das reflexhafte Rufen nach mehr Löschflugzeugen in die Irre führt:

Nabu fordert mehr natürliche WasserspeicherMit Blick auf das Niedrigwasser in vielen deutschen Flüssen fordert der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) mehr natürliche Wasserspeicher. „Unsere Flüsse trocknen nicht nur aus, weil es zu wenig regnet. Wir haben über Jahrzehnte die natürlichen Wasserspeicher unserer Landschaft zerstört“, erklärte der Leiter des Nabu-Instituts für Fluss- und Auenökologie, Rocco Buchta, am Dienstag in Berlin: „Moore wurden entwässert, Wälder verloren ihre Speicherfähigkeit und viele Auen wurden von den Flüssen abgeschnitten.“Früher hätten diese Ökosysteme wie ein riesiger Schwamm gewirkt, der Wasser zurückhält und langsam wieder abgibt. Heute rausche Wasser nach Starkregen schneller ab und fehle den Flüssen in langen Trockenphasen, fügte Buchta hinzu: „Wenn wir unsere Gewässer widerstandsfähiger machen wollen, müssen wir deshalb nicht nur über Wasserverbrauch sprechen, sondern unsere Landschaft wieder in die Lage versetzen, Wasser zu speichern“. Dies schütze nicht nur gegen Dürre, sondern auch gegen Hochwassergefahren.