Nach den extrem schlechten Ergebnissen der jüngsten PISA-Studie streitet die Politik im Hessischen Landtag über den richtigen Weg, um Hessens Schüler fit für die Zukunft zu machen. Die Grünen-Fraktion forderte die Landesregierung am Mittwoch auf, die Kürzungen bei den Sprach-Kitas und beim Sozialindex vollständig zurückzunehmen. Dies begründeten die Grünen auch damit, dass das deutsche Bildungssystem so ungerecht sei wie in kaum einem anderen Land. Auch die FDP und die AfD kritisierten Kultusminister Armin Schwarz (CDU), der allerdings deutlich machte, dass er mit seiner Schulpolitik sehr zufrieden ist. „Die gute Bildungspolitik der schwarz-roten Landesregierung kommt an unseren Schulen an“, sagte Schwarz und nannte als Beleg das gute Abschneiden hessischer Schulen beim Deutschen Schulpreis. Auf die PISA-Ergebnisse reagiere Hessen bereits mit dem Bildungschancenpaket und investiere mit 6,2 Milliarden Euro so viel Geld wie nie zuvor. Zudem gebe es so viele Lehrer wie noch nie. „Jeder dritte Landesbeschäftigte ist eine Lehrkraft“, sagte Schwarz. Hessen weite die täglichen Lesezeiten in der dritten und vierten Klasse aus, und es werde in Mathematik ab dem nächsten Schuljahr zusätzliche Förderstunden geben. „Wir setzen exakt das um, was PISA von uns fordert“, fasste der Kultusminister zusammen. Das sah der Fraktionschef der Grünen, Mathias Wagner, anders. „Die Schulen haben in der jüngsten PISA-Studie so schlecht abgeschnitten wie nie. Doch statt entschlossen zu handeln, kürzt die Landesregierung sogar an unseren Schulen“, sagte er. Es würden 500 Stellen bei den Sprachkitas und weitere 300 Stellen bei den Brennpunktschulen wegfallen. Diese Kürzungen müssten sofort und vollständig zurückgenommen werden. Bildungserfolg hängt vom Einkommen der Eltern ab Der Bildungserfolg in Hessen hänge vom Einkommen der Eltern ab, das könne nicht sein. Die soziale Ungleichheit im Bildungswesen sei größer und nicht kleiner geworden. Laut Wagner habe die Landesregierung erstmals seit Jahrzehnten an der Bildung drastisch gekürzt. Notwendig wäre angesichts der neuen PISA-Studie das genaue Gegenteil. „So eine Bildungspolitik können wir uns nicht leisten“, konstatierte Wagner. Dass die Landesregierung an der Bildung kürze, wies die bildungspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, Nina Heidt-Sommer, indes zurück. „Alle auf Unterricht und Förderung bezogenen Kürzungen im hessischen Bildungssystem wurden zurückgenommen“, sagte sie. So stünden 100 Lehrerstellen für eine zusätzliche Deutschstunde in der ersten Klasse bereit, und 200 Stellen seien für den neuen Sozialindex vorgesehen. Für das Fach „KI und digitale Welt“ seien weitere 280 Stellen im Haushalt eingeplant. Heiko Scholz (AfD) erinnerte daran, dass die Grünen über Jahre Teil der Landesregierung waren und daher auch Verantwortung für die Bildung tragen würden. Die AfD fordert transparente und flächendeckende Lernstandserhebungen in den Fächern Deutsch, Englisch, Mathematik und den Naturwissenschaften. Sie sollen mit verpflichtenden Nachhol- und Nachhilfeangeboten verknüpft werden. „Hessen hat den Anschluss zur bildungspolitischen Spitze in Deutschland verloren“, sagte Scholz und erinnerte an die erheblich besseren PISA-Ergebnisse in Sachsen. Wer ernsthaft bestreite, dass eine massive Zuwanderung von Kindern und Jugendlichen mit fehlenden Deutschkenntnissen das hessische Schulsystem belaste, ignoriere die Realität. „Schüler ohne Migrationshintergrund erreichen bei PISA in den Naturwissenschaften 521 Punkte, wohingegen Schüler mit Migrationshintergrund nur auf 438 Punkte kommen“, sagte Scholz. Das seien beim Leistungsstand mehr als zwei Schuljahre Differenz. Aufgrund von Schwierigkeiten bei der Beschulung von Migranten würden Ressourcen für den Unterricht fehlen. Damit sei aber niemandem geholfen, weder den Schülern mit noch ohne Migrationshintergrund, sagte Scholz. Auch Moritz Promny, bildungspolitischer Sprecher der FDP-Fraktion, forderte die vollständige Rücknahme der Stellenkürzungen beim Sozialindex, die die Probleme der Kinder in Brennpunkten noch verschärfen würden. Migration stelle die Schulen vor erhebliche Herausforderungen, sagte auch er. Sprache sei der Schlüssel zur Bildung, und daher müsse die frühkindliche Sprachförderung intensiviert werden. „Wir wollen die Leistung nicht nur messen, wir wollen sie auch ermöglichen“, sagte Promny zu dem Vorschlag der AfD, der ihm zu kurz greift. Die Liberalen kritisieren zudem die digitale Ausstattung von Hessens Schulen als mangelhaft und fordern mehr digitale Inhalte im Unterricht.
