Jetzt also auch Heidi Klum. „Ich habe eine Form von ADHS“, hat sie in einem Interview mit „Glamour“ bekannt, aus dem wiederum „Gala“ zitiert. „Das ist aber nichts Negatives“, so Klum, sondern ihre „Superpower“ – sie könne „tausend Sachen auf einmal machen“, oder, wie „Gala“ konstatiert: „Multitasking liegt ihr im Blut.“ Uns hingegen hat noch niemand eine Superkraft diagnostiziert, weshalb wir schon mit dem Monotasking kämpfen, so gerade mit dieser Kolumne. 999 weitere Aufgaben kämen wirklich ungelegen. Wir könnten auch, zumal in diesen Zeiten, niemals Bundeskanzler sein. Gut, dass bei Friedrich Merz wenigstens privat alles harmonisch ist. „Die Wahrheit über seine Traum-Ehe“, verspricht „Die Aktuelle“ zu enthüllen und beschreibt die Merzens als unzertrennlich: „Das Paar umarmt sich stets innig, hält Händchen, küsst und liebkost sich unentwegt.“ Okay, dann ist es kein Wunder, dass so manches Wahlversprechen unerfüllt blieb. „Vertraut haucht sie ihn an“, schreibt „Die Aktuelle“ neben ein Foto, und man fragt sich: anhauchen? Will er prüfen, ob sie getrunken hat? Auch eine weitere Bildbeschreibung gibt zu denken: „Er lässt seinen Kopf vertraut an ihrer Taille ruhen und badet schließlich förmlich in ihren Armen.“ Ein seltsames Bild. Kann ein Mensch in jemandes Armen baden? Würden sich da nicht, wenn überhaupt, andere Körperpartien anbieten, etwa das Becken oder – Pardon – die Blase? Seine Julia im Schmuckhimmel Auch eine Parteifreundin Merzens ist glücklich. „So schön funkelt ihre Liebe – Jörg Pilawa & seine Julia – Beim Juwelier erwischt!“, titelt „Das Neue“. Man beachte, dass die Regenbogenpresse-Hierarchie die Bundestagspräsidentin an zweite Stelle verweist und auf ihren Vornamen reduziert. Dabei spielt im Text gar nicht Pilawa, sondern „seine Julia“ die Hauptrolle: „Julia Klöckner (53) ist im siebten Schmuckhimmel, kann gar nicht genug von dem Geschmeide in all seinen Farben und Formen bekommen. Sucht sie hier schon den Stein für ihren Ring aus?“ Nein, denn tatsächlich hat Klöckner eine Edelsteinmanufaktur in ihrem Wahlkreis besucht. Auf der Website der Ortsgemeinde steht, was Klöckner dabei gesagt hat, zum Beispiel: „Dass die Energiepreise jetzt sinken und Unternehmen hier bei ihren Strom- und Gaskosten entlastet werden, ist ein wichtiges Signal für den Industriestandort Deutschland.“ Romantisch! So ist das nur der übliche Unfug „Woche der Frau“ titelt mit Sängerin Beatrice Egli und einer Schlagzeile mit drei Fragezeichen: „Total verliebt??? Jetzt zeigt sie ihren Neuen!“ Das Foto von Egli Stirn an Stirn mit einen jungen Herrn stammt aber nur aus ihrem neuen Musikvideo, weshalb die Frage von „Woche der Frau“ beantwortet werden muss mit: Nein!!! Um die Ehe von Andy Borg bangt „Frau aktuell“ mit der Zeile: „Trauriges Ende einer großen Liebe?“ Passend dazu taucht die Frau, welche die Leser als „seine Birgit“ kennen, diesmal sachlich als „Ehefrau Birgit“ auf. „Er kann sich kaum retten vor attraktiven Frauen!“, lesen wir, etwa vor der Kollegin Simone Stelzer, die gerade bei ihm aufgetreten ist. „Und dann erfüllst du mir jetzt auch noch einen Wunsch – du singst mit mir!“, hat Borg da gesagt, und: „Mir ist aufgefallen, das haben wir noch nie gemacht – miteinander gesungen. Das sollten wir öfter machen!“ Hör mal, „Frau aktuell“: Hätte Borg „miteinander geschlafen“ gesagt, dann hätte Deine Schlagzeile ausnahmsweise Sinn ergeben. So ist es nur der übliche Unfug. Andy Borg in Entenhausen Weitere Worte Borgs werden im „Echo der Frau“ zitiert: „,Mein Bruder und ich sind so behütet aufgewachsen wie in Entenhausen‘, spielt er in der ,Apotheken Umschau‘ auf die fröhliche Comic-Welt von Donald Duck an.“ Wie in Entenhausen, also ohne Eltern, nur beim Onkel? Und in ständiger Furcht vor den Panzerknackern? Einen anderen Ort schätzt laut dem „Goldenen Blatt“ Schauspieler Jaecki Schwarz: „Ich habe schon mein Plätzchen im Dorotheenstädtischen Friedhof in Berlin gefunden. Ich wohne ja im Dorotheenviertel, von daher ist das ganz praktisch.“ Stimmt, da hat er es gar nicht weit, wenn er sich später mal besuchen möchte. Spannendes aus der Tierwelt hat „Das goldene Blatt“ auch parat. „Fast schon ein Vegetarier“ sei der Schwarzbär, er ernähre sich nämlich „zu 75 Prozent von Pflanzen, Insekten und Kleintieren wie Mäusen und Eidechsen“. Und zu 25 Prozent dann von Großtieren? Gut zu wissen jedenfalls, dass man fast schon Vegetarier ist, wenn man nur Kleintiere verspeist wie Hähnchen, Kaninchen oder Kälbchen. Wir bleiben in der Wissenschaft: „Paare im Homeoffice bekommen mehr Kinder“, meldet „Bild“ unter Berufung auf eine Studie des Ifo-Instituts. Nun, wir wussten ja, dass Menschen im Homeoffice Wäsche waschen, mit dem Hund rausgehen oder ein Nickerchen machen, aber dass sie da auch noch das tun – interessant. Wir lesen weiter: „,Wenn beide Partner im Homeoffice arbeiten, ist der Effekt am größten‘, sagte Ifo-Forscher Mathias Dolls“ – und dass erwähnter Effekt am größten ist, wenn beide Partner beteiligt sind: Das, lieber Herr Forscher, hätten wir Ihnen ganz ohne aufwendige Studie sagen können.
