FAZ 04.06.2026
23:40 Uhr

Hellmann bleibt bis 2031: „Nie wieder Slapstick“


Eintracht-Vorstandssprecher Axel Hellmann kündigt mehr Führungsstärke an. Markus Krösche genießt weiter das Vertrauen im Klub. Und im Umgang mit den Ultras soll es einen Kurswechsel geben.

Hellmann bleibt bis 2031: „Nie wieder Slapstick“

Blass und mit ernsten Blicken saßen sie auf dem Podium, ein krasser Unterschied zum Auftritt des neuen Trainers Adi Hütter, der zwei Tage zuvor braungebrannt und strahlend seinen Antrittsbesuch in Frankfurt vor den Medien absolviert hatte. Dabei war der Anlass ursprünglich positiv für den Eintracht-Präsidenten und Aufsichtsratsvorsitzenden Mathias Beck sowie Vorstandssprecher Axel Hellmann, im Proficamp das Wort zu ergreifen. Sie verkündeten nach der gerade beendeten Aufsichtsratssitzung der Eintracht-Fußball AG, was schon vor Tagen als beschlossene Sache beschrieben worden war: dass Hellmann seinen Vertrag mit dem Bundesligaklub um fünf Jahre bis zum 1. Juli 2031 verlängert. Weil die Abstimmung über den Kontrakt tatsächlich nur noch eine Formalie war, nahm die Aussprache über die verkorkste Saison den allergrößten Raum in dieser Aufsichtsratssitzung ein. Und die Konfrontation mit den Versäumnissen und Fehlern der vergangenen Monate konnte Beck und Hellmann durchaus auf das Gemüt schlagen. Der Vorstandssprecher formulierte in aller Deutlichkeit: „Wir haben in der Diskussion Themen schonungslos angepackt, die einer schonungslosen Aufarbeitung verlangen. Man kann die Saison als sportlich prekär bezeichnen. Man kann das Verhältnis des Trainers Riera zu Medien, Umfeld, Staff und Spielern als im Nachhinein pikant bezeichnen. Gerade am Ende war das ein Jahr mit einem gewissen Slapstick-Charakter, den wir im Vorstand und im Aufsichtsrat so nicht mehr erleben wollen.“ Deshalb gehe es darum, „wieder Klarheit, eine gewisse Schärfe, Intensität und Disziplin ins System zu bekommen“. Axel Hellmann mit neuer Lernkurve Sportvorstand Markus Krösche hatte in der Aufsichtsratssitzung wie schon zuvor vor den Medien die volle Verantwortung dafür übernommen, dass die Mannschaft alle Saisonziele verpasst hat, nachdem er Cheftrainer Dino Toppmöller im Januar zunächst durch die Interimslösung Dennis Schmitt/Alex Meier und im Februar mit Albert Riera ersetzt hatte. Hellmann hielt aber fest: „Die vergangene Saison ist nicht an einer Person festzumachen, es geht um Gesamtverantwortung.“  Der 55 Jahre alte Jurist nahm sich von der Kritik nicht aus. „Ich selbst habe eine Lernkurve gehabt, von der ich nicht gedacht hätte, sie zu erleben. Unser Erfolg ist zulasten von Schärfe und Disziplin gegangen.“ Ein Schlüsselthema sei für ihn: Griffigkeit. „Eine solche hatten wir in der vergangenen Saison und vielleicht auch zum Ende der Saison zuvor nicht mehr in dem Maße, wie wir sie hätten haben müssen.“ Hellmann meint mit Griffigkeit, schleichende Fehlentwicklungen, beginnende Bequemlichkeit konsequent anzusprechen und Veränderungen anzumahnen. „Wir haben eine Schwelle erreicht, an der viele Vereine, die uns in den vergangenen Jahren verfolgt haben, uns mit großem Unverständnis begegnet sind nach unserer vorbildlichen Gesamtpräsentation in den Vorjahren. Das wird die kommenden Jahre prägen.“ Die Schlussfolgerungen müsse in erster Linie Sportvorstand Markus Krösche ziehen, so Hellmann. „Wir sind zu 100 Prozent sicher, dass Markus den Weg korrigieren wird“, betont er. Mit der Verpflichtung von Trainer Adi Hütter wurde auf der wichtigsten Position bereits reagiert, am Donnerstag gab die Eintracht zudem  bekannt, dass der frühere Stürmer Alexander Meier als Assistenzcoach Teil des Trainerteams wird. Hütter soll die verlorengegangene Eintracht-DNA wiederherstellen. „Wir müssen uns darüber im Klaren sein: In diesem Stadion wird es ohne intensiven Fußball nicht gehen. Es ist nicht schwer, die Leute aus dem Sattel zu heben. Wir brauchen in diesem Stadion, mit diesem Publikum und den Möglichkeiten, die das bei uns entfacht, einfach mehr Vollgas“, so Hellmann. Hütter gilt als Disziplinfanatiker und als Verfechter eines intensiven proaktiven Fußballs. Als erste Maßnahme zog der 56 Jahre alte Österreicher den Start der Saisonvorbereitung um eine Woche auf den 11. Juli vor. Zudem werde es weitere personelle Veränderungen geben, kündigte Hellmann an. Assistenztrainer Jan Fießer und Athletiktrainer Markus Spohrer sind schon freigestellt worden. Sportliche Krise, keine Unternehmenskrise Aus Hellmanns Sicht erlebte die Eintracht eine sportliche Krise, keine Unternehmenskrise. „Wenn ich mir das Zusammenspiel zwischen Aufsichtsrat und Vorstand und innerhalb des Vorstands anschaue, haben wir schon ganz andere Zeiten erlebt, in denen Dinge implodierten oder Schwierigkeiten auftraten, die wir in dieser Situation nicht hatten. Das ist auch ein Wert, den man berücksichtigen sollte. Es gibt das Vertrauen in handelnde Personen, Fehler zu korrigieren oder Wege zu verändern.\" Dieser Satz bezieht sich auch auf den für Stadionsicherheit und Rechtswesen zuständigen Vorstand Philip Reschke. Hellmann und Beck verknüpften ihren Handlungsauftrag mit einem Vertrauensvorschuss. Nachdem im letzten Bundesligaspiel der Saison gegen den VfB Stuttgart drei Zuschauer durch Pyrotechnik verletzt worden sind, „kann und wird es so nicht weitergehen“, sagte Beck. Konkrete Maßnahmen würden gerade in Absprache mit den Behörden, Polizei und Feuerwehr entwickelt. Hellmann stellte die juristische Lage heraus: „Für uns hat sich eine Welt verändert. Denn es haben sich konkrete Gefahren mit Verletzten manifestiert. Wir sitzen im Vorstand auch haftungsrechtlich auf dem Präsentierteller. Es muss verstanden werden, dass es nicht so weitergehen kann, wenn wir nicht alle auf Vorstandseite am Ende dem Risiko einer Klage oder eines strafrechtlichen Verfahrens ausgesetzt sein wollen.“ Die Eintracht steht vor vielen wichtigen Entscheidungen in diesem Sommer. Hellmann, den Beck als Architekten der Eintracht bezeichnet, wird wie im vergangenen Jahrzehnt maßgeblich die Richtung mitbestimmen, nachdem er sich vor seiner Vertragsunterschrift davon überzeugt hat, dass die Mitentscheider in den Führungsgremien seinen Weg mitgehen werden. Hätte die Eintracht auf die Krise mit der Reduzierung ihrer Ambitionen reagiert, der Vorstandssprecher und Kapitän wäre wohl von Bord gegangen. So aber gilt: Volle Kraft voraus. „Der Aufsichtsrat hat ganz klar gesagt: Wir wollen auf dem Gas bleiben, Tempo machen, wettbewerbsfähig bleiben und in Wachstumschancen denken. Das ist ein starkes Commitment für die Zukunft. Danke an Mathias, den Hauptausschuss und den Aufsichtsrat für die Bereitschaft, mit mir in die kommenden Jahre zu gehen.“