Durch seine lange Amtszeit als Vorstandsvorsitzender von Vonovia hat Rolf Buch ein umfangreiches Aktienpaket des größten deutschen Immobilienkonzerns aufgebaut. Auf der Hauptversammlung des Dax-Konzerns am Donnerstag in Bochum war der frühere Chef allerdings nicht zugegen. Gleichwohl war Buch präsent, und zwar in gleich mehreren Fragen von Aktionärsvertretern, die seine millionenschwere Abfindung kritisierten. Als „nicht angemessen“ und „übermäßig großzügig“ bezeichnete etwa Hendrik Schmidt von der Fondsgesellschaft DWS das Paket, das der Aufsichtsrat seinem früheren Vorstandsvorsitzenden zugestanden hat. „Der Aufsichtsrat hat sein Mandat an dieser Stelle ausgereizt und hätte der Hauptversammlung ein solches Paket zur Abstimmung vorlegen sollen“, sagte Schmidt. Neben einer klassischen Abfindung bekommt Buch nämlich ein Aktienpaket und eine Entschädigungszahlung für die Zeit, die er nicht bei einem Wettbewerber arbeiten darf. Dadurch könnten insgesamt mehr als 15 Millionen Euro zusammenkommen. Buch, der das Unternehmen zum Jahreswechsel verließ, hat inzwischen unter anderem als Berater bei der Private-Equity-Gesellschaft KKR angeheuert. Abfindung sorgt für Diskussionen Auch Andreas Thomae, der sich bei der Fondsgesellschaft Deka Investment um Nachhaltigkeit und Corporate Governance kümmert, also gute Unternehmensführung, wollte von der Aufsichtsratsvorsitzenden Clara Streit wissen, wie diese Summe zustande kam. „Warum konnte die Karenzentschädigung für das Wettbewerbsverbot von 3,8 Millionen Euro nicht auf die hohe Abfindungszahlung angerechnet werden?“, fragte Thomae. Die Vorsitzende des Kontrollgremiums verteidigte die Zahlungen. „Die Abfindung für Herrn Buch folgt drei Vorgaben: unserem Vergütungssystem, dem Deutschen Corporate Governance Kodex und seinem Vertrag“, sagte Streit, die auch Vorsitzende der Regierungskommission Deutscher Corporate Governance Kodex (DCGK) ist. „Die Vereinbarungen sind unserer Ansicht nach marktüblich“, sagte Streit. Die Fondsgesellschaft DWS kündigte an, den Aufsichtsrat nicht entlasten zu wollen, weil das Kontrollgremium an wichtigen Stellen mit Mitgliedern besetzt sei, die schon mehr als zehn Jahre im Aufsichtsrat sitzen. Damit sind sie nach den Kriterien der Gesellschaft nicht mehr unabhängig, der DCGK setzt die Grenze bei zwölf Jahren an. Neben Clara Streit sitzt auch der Sartorius-Finanzchef Florian Funck schon länger als eine Dekade im Vonovia-Aufsichtsrat. Gerade die Verbindung der Aufsichtsratsmitglieder zum Corporate-Governance-Kodex kritisierten die Aktionärsschützer, neben Streit kontrollierten schließlich noch zwei weitere Kommissionsmitglieder den Immobilienkonzern. Das sei aus Kapitalmarktsicht „höchst beunruhigend“, kritisierte DWS-Vertreter Schmidt. „Es lässt große Zweifel an der Bereitschaft aufkommen, diese selbst gesetzten Regeln einzuhalten.“ Neuer Vorstandsvorsitzender freundlich begrüßt Die Aufsichtsratsvorsitzende Streit verteidigte die Besetzung und verwies auf die Richtlinien des DCGK: Demnach sei sie selbst unabhängig, ebenso Florian Funck und Ariane Reinhardt, die im Vorstand des Autozulieferers Continental sitzt. Funck gebe seine Rolle als Vorsitzender des Prüfungsausschusses zudem ab. Den neuen Vorstandsvorsitzenden Luka Mucic begrüßten die Aktionäre überwiegend freundlich. „Die Verschuldung und Bilanz sollen wieder in solides Fahrwasser überführt werden. Sie sind mutig und ehrlich, und wir schätzen den neuen Kommunikationsstil“, sagte Thomae von Deka Investment. Mucic peilt Verkäufe von bis zu fünf Milliarden Euro an, um die Verschuldung zu senken. Der Verschuldungsgrad (Loan to Value, LTV) soll von heute 45,4 Prozent bis Ende 2028 auf rund 40 Prozent sinken. Mittelfristig peilt Vonovia ein „hohes einstelliges Wachstum“ an, bis 2028 soll der bereinigte operative Gewinn (Ebitda) auf 3,2 bis 3,5 Milliarden Euro steigen. Im abgelaufenen Geschäftsjahr stieg dieser Wert um sechs Prozent auf rund 2,8 Milliarden Euro. Den Strategiewechsel begrüßten die Aktionäre am Donnerstag zwar überwiegend, merkten aber auch kritisch an, dass das frühere Wachstumsmodell zu hohen Risiken geführt habe. „War die Kapitalallokationsstrategie der vergangenen Jahre zu aggressiv – und wurde das Zinsänderungsrisiko systematisch unterschätzt?“, fragte etwa der DWS-Vertreter Schmidt. Neben dem Schuldenberg und der Refinanzierung äußerten die Aktionäre vor allem Unmut über den schwachen Aktienkurs. Seit einem Jahr hat der Kurs abermals rund 18 Prozent an Wert verloren. „Der Kurs der Aktie ist alles andere als erfreulich. Es kann nicht sein, dass unsere Aktie ein Derivat auf den Leitzins ist. Das ist zu wenig“, sagte Marc Tüngler, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz DSW.
