Ist die CDU in Sachsen-Anhalt noch zu retten? Diese Frage drängt sich nach dem Auftritt von Dieter „Didi“ Hallervorden auf einer CDU-Wahlkampfveranstaltung mit deren Spitzenkandidaten Sven Schulze auf. Man sah Hallervorden dort nicht in der harmlosen Rolle eines gelangweilten Gefangenen, der mit seinem Zellengenossen Kaufmannsladen spielt und – „Palim Palim“ – eine Flasche Pommes frites bestellt, wie früher in einem seiner Sketche in der Serie „Nonstop Nonsens“. Stattdessen stellte er die Verteidigungspolitik und den Israelkurs der Bundesregierung infrage. Verteidigungsminister Boris Pistorius beschimpfte Hallervorden in seinem Lied als „Kriegsminister“, ihm und Bundeskanzler Friedrich Merz empfahl er: „Wenn ihr glaubt, dass Krieg sich lohnt, kämpft doch da, wo keiner wohnt – kämpft gefälligst auf dem Mond!“ So einen Aufruf würde man auf Veranstaltungen von Parteien weit rechts und links außen erwarten. Schulze sieht eine diskursive Errungenschaft darin, dass das so möglich war. Die Episode zeigt, wie verzweifelt seine Partei darum ringt, sich vor allem gegen die erstarkte AfD zu behaupten. Irgendwie muss Schulze, eingezwängt von Unvereinbarkeitsbeschlüssen mit AfD und Linkspartei, die Wähler erreichen und in beiden Richtungen um Stimmen werben. Man muss anerkennen, dass diese Herausforderung einen Wahlkämpfer leicht überfordern kann. Aber wer überzeugen will, sollte für seine Überzeugungen einstehen und nicht dem Nonsens eine Bühne geben.
