Tom Cruise, der im Bademantel vor einer Villa tanzt. Eine gefälschte Predigt von Papst Leo XIV. Jerry Seinfeld in „Pulp Fiction“. Tom Hanks, der kuriose Diabetesmittelchen anpreist. Der Astrophysiker Brian Cox, der Kometen als Alienraumschiffe enttarnt: Schon seit Jahren tummeln sich bei Instagram, Tiktok oder auf der Plattform X KI-Klone von Prominenten. Das Phänomen prägt die Plattformen weltweit, die organisierte Kriminalität hat KI-Fakes für sich entdeckt, die KI-Konzerne selbst sind in der Lage, alles und jeden digital zu klonen. Der rechtliche Schutz vor derartigen Übergriffen auf Identität und geistiges Eigentum ist unzureichend, vor allem in den USA. Mit der Gründung der gemeinnützigen Registratur RSL Media hat sich die Schauspielerin und Oscarpreisträgerin Cate Blanchett jetzt an die Spitze einer Initiative gesetzt, mit der sich Schauspieler und Kreative gegen die Selbstbedienung an ihrer Erscheinung, Stimme und ihren Werken durch KI-Konzerne wenden. RSL steht für „Right to Self-Likeness“, etwa: das Recht an der eigenen Erscheinung, und die Idee ist simpel: Hier kann jeder in maschinenlesbarer Form die Bedingungen für die Nutzung seiner eigenen Identität, seiner Werke, seiner Figuren und Marken festlegen, um KI-Bots Einhalt zu gebieten. Man kann die Nutzung genehmigen, sie gegen Vergütung erlauben oder verbieten. Es geht nicht mehr um Spezialeffekte Um die Besitzansprüche von Kreativen auf das eigene digitale Image wurde in Hollywood zuerst während des Streiks von 2023 zwischen Gewerkschaften und Studios gestritten. Aber längst geht es nicht mehr um Spezialeffekte, mit denen Schauspieler geklont, verjüngt, neu zusammengesetzt werden. Die KI-Konzerne lassen ihre Programme schlicht die gesamte Welt im Netz abgrasen und nach Wunsch neu zusammensetzen. Rücksicht auf Rechte anderer, auf das Recht am eigenen Bild oder das Recht auf geistiges Eigentum nehmen die Konzerne nicht. Die Gesetzgebung hält nicht Schritt, im US-Kongress ist seit April 2025 mit dem „NO FAKES Act“ eine Gesetzesvorlage anhängig, die die unautorisierte Produktion und Verbreitung von KI-Deepfakes strafbar macht. „Ein menschliches Grundrecht“ „KI-Technologien entwickeln sich rasend schnell“, sagte Blanchett zur Gründung von RSL Media, „ohne jede Überprüfung oder Regulierung. Damit Menschen dieser Technologie voraus sein können, muss Zustimmung der erste Schritt sein.“ Die Musikerin und RSL-Vorstandschefin Nikki Hexum, die die Organisation gemeinsam mit Blanchett ins Leben rief, sagte, KI respektiere Rechte allein schon deshalb nicht, weil sie nicht „sichtbar“ seien. RSL Media wolle ein zentrales Register schaffen, das KI-Machern signalisiert, welche urheberrechtlichen Schranken existieren. „Das Recht über die Entscheidung, ob KI die Werke oder die Identität eines Menschen nutzen darf, sollte nicht denen vorbehalten sein, die sich hochkarätige Anwälte leisten können oder enorme Plattformen haben“, so Hexum. „Es ist ein menschliches Grundrecht.“ Das einzufordern, gelingt auch Prominenten nur mit Mühe. Bereits 2024 musste Scarlett Johansson drohen, den Konzern Open AI zu verklagen, nachdem dieser seinen Kunden eine Stimme für seine KI ChatGPT verfügbar gemacht hatte, die wie Johansson in dem Film „Her“ klang (darin spielt sie eine KI, in die sich ein einsamer Kerl verliebt). Zunächst hatte der Konzern Johansson selbst umworben, um ChatGPT ihre Stimme zu leihen, erfolglos. Erst nach ihrer Drohung „pausierte“ Open AI „aus Respekt für Ms. Johansson“ die Stimme, wie es in einer Stellungnahme hieß. Tom Hanks sah sich in den vergangenen Jahren mehrfach gehalten, auf Instagram Statements zu veröffentlichen, in denen er Nutzer davor warnte, auf Werbespots „mit KI-Versionen von mir“ hereinzufallen. In Deutschland kämpft der Arzt und Moderator Eckart von Hirschhausen in vorderster Reihe gegen den millionenschweren Betrug mit KI-Fakes. Allein von ihm existieren reihenweise Falschversionen, mit denen Betrüger Menschen dazu verleiten, Geld für Schrottmedikamente auszugeben. Tom Hanks zählt zu den Förderern der Initiative von Blanchett und Hexum, hinter der unter anderem George Clooney, Meryl Streep, Steven Soderbergh, Kristen Stewart und Helen Mirren, die Talentagentur CAA und die Music Artists Coalition stehen. Ob die Initiative Erfolg hat, hängt davon ab, ob sich die KI-Konzerne den Regeln unterwerfen. Die KI-Macher berufen sich gern auf die Freiheit der Rede und des kreativen Ausdrucks.
