Diesen Fragebogen hat Marcel Proust nie ausgefüllt. Denn er ist eine auf den Fußball zugespitze Variante eines zu Zeiten des französischen Schriftstellers beliebten Gesellschaftsspiels. Wir spielen es weiter mit Menschen aus dem Fußball, die bereit sind, die Herausforderung an Geist und Charme anzunehmen: diesmal mit Rocco Reitz. Was ist für Sie das größte Glück als Fußballer? Das, was man als kleiner Junge geliebt und gelebt hat, als seinen Beruf ausüben zu können. Was ist für Sie das größte Unglück als Fußballer? Der übertriebene Hype sowohl im Sieg als auch in der Niederlage und damit einhergehend, dass Beständigkeit oftmals zu kurz kommt. Woran erkennen Sie einen guten Spieler? Sehr häufig erkennt man einen guten Spieler an seinem ersten Kontakt und seiner Positionierung auf dem Feld. Und was für mich auch immer ein Faktor ist, unabhängig von der Qualität mit dem Ball, ist die Körpersprache. Wer ist der beste Spieler, gegen den Sie gespielt haben? Die schwierigsten Spiele waren gegen Kimmich und Goretzka. Welcher Spieler ist besser, als die Allgemeinheit glaubt? Mein Bruder Tony Reitz – ich bin ein großer Fan seiner fußballerischen Qualitäten. Wer ist der wichtigste Trainer in Ihrer Karriere? Alle Trainer haben mich natürlich geprägt. Gerardo Seoane hat mich dann zum gestandenen Bundesligaspieler entwickelt. Aber den größten Dank muss ich Bernd Hollerbach aussprechen. Ohne ihn hätte ich es physisch und mental nicht dahin geschafft, wo ich jetzt bin. Über was möchten Sie in der Kabine nicht sprechen? Über Status und irgendwelche Allüren. Jeder ist gleich viel wert und sollte jedem anderen im Klub gegenüber Respekt zeigen. Wen bewundern Sie? Spieler und Persönlichkeiten, die über Jahre hinweg konstant erfolgreich gearbeitet und dabei immer die richtigen Werte nicht aus den Augen verloren haben. Was bewundern Sie? Die Disziplin, die die ganz großen Spieler über Jahre hinweg an den Tag gelegt haben. Was fürchten Sie in einem Spiel? Hört sich zwar komisch an, aber so richtig fürchte ich mich vor nichts in einem Spiel. Ich versuche, mir immer vor Augen zu führen, was es für ein Privileg ist und wie viel Spaß es macht, sich am Wochenende mit den Besten vor zahlreichen Fans zu messen. Ein Gedanke, der Sie während eines Spiels überrascht hat? Wie lustig es doch zum Teil während eines Spiels sein kann. Welche Fußballregeln würden Sie ändern? Dass Zeitspiel härter bestraft wird. Wer führt Ihre Gehaltsverhandlungen? Mein Berater. Was ist der Sinn des Spiels? Zu gewinnen steht an erster Stelle. Und wenn man dazu noch Spaß hatte und der Plan aufgegangen ist, umso besser. Ihr Lieblingsspieler? Jetzt Kimmich, als Kind Messi. Ihr Lieblingstrainer? Von denen, die ich persönlich erlebt habe, möchte ich niemanden hervorheben. Ansonsten würde ich Jürgen Klopp sagen. Welches Buch haben Sie zuletzt gelesen? Ein Finanzbuch. Welche Eigenschaften schätzen Sie bei einem Mitspieler am meisten? Auf dem Platz: die Bereitschaft, sich zu opfern und fürs Team zu spielen. Und neben dem Platz: ehrliche und offene Kommunikation. Welche Eigenschaften schätzen Sie bei einem Freund, einer Freundin am meisten? Da wäre es dann wieder die Ehrlichkeit und vor allem blindes Vertrauen. Ihr größter Fehler? Der größte Fehler ist, Angst vor ihm zu haben. Fehler haben oft auch etwas Gutes, solange man daraus lernt. Ihre Helden der Gegenwart? Meine Frau und meine Tochter. Ihre Heldinnen der Geschichte? Menschen, die sich bedingungslos für schwächere Menschen und für Tiere einsetzen. Was ist der größte Irrtum über das Leben als Fußballprofi? Dass Fußballer ausschließlich ein lockeres und privilegiertes Leben führen. Um erfolgreich zu sein, muss man regelmäßig über seine Grenzen gehen, maximal viel investieren und ständig den Fokus auf den Sport haben. Und man darf keineswegs unterschätzen, was man schon in jungen Jahren – auch als Kind – dafür opfern muss. Messi oder Ronaldo? Messi. Guardiola oder Klopp? Klopp. Was lieben Sie am meisten am modernen Fußball? Die Intensität des heutigen Fußballs. Was verabscheuen Sie am meisten am modernen Fußball? Die Sozialen Medien und alles, was damit kommt – seien es Kommentare, Berichte und so weiter. Der schnelle und anonyme Weg, auf Menschen einzutreten, teils auch unter der Gürtellinie. Ihre Lieblingsbeschäftigung an einem spiel- und trainingsfreien Tag? Zeit mit meiner Familie und eine Runde Golf.
