Die Helfer in der Lübecker Bucht sind weiter im Einsatz, um den gestrandeten Buckelwal zu retten. Am Dienstagnachmittag wurde mit einer Art Bagger Sand unter dem rund zehn Meter langen Tier weggesaugt. Ein Kanal entstand. Doch der Wal bewegte sich über Nacht nicht fort. An diesem Mittwoch soll der Versuch laut dem NDR mit einem größeren Bagger fortgesetzt werden. Viel Zeit bleibt nicht mehr. Wenn man zu lange wartet, erdrückt sich das gestrandete Tier irgendwann selbst, Lunge und Herz werden aufgrund des Gewichts des Tieres zerquetscht. Den Wal wegzuziehen, kommt nach Angaben von Forschern aufgrund der Verletzungsgefahr nicht infrage. Könnte man ihn weglocken? Theoretisch ja, sagt dazu Boris Culik. Der Meeresbiologe war einst beim Geomar Institut für Meereskunde tätig. Später hat er sich selbständig gemacht mit einer Firma, die Geräte entwickelt, die Schweinswale mit Signalen in ihrer eigenen Sprache von Fischernetzen in der Ostsee abhalten. Auch stellt sie Geräte her, die Schwertwale mit akustischen Signalen daran hindern sollen, Ruder von Segelbooten vor der Iberischen Halbinsel zu attackieren. „Ein Buckelwal ließe sich mit einem Geräusch eventuell anlocken“, sagt Culik. Allerdings müsse man dafür die Sprache der Buckelwale kennen. Diese kommunizierten aufgrund ihrer Größe in einem sehr tieffrequenten Bereich bis über 5000 Hertz. „Die Isländer sprechen ja auch eine andere Sprache als die Dänen“ Culik verfügt eigenen Angaben zufolge über eine ganze Bibliothek von Walsignalen. Wichtig sei, dass sie von der jeweiligen Population der Wale stammten. Andernfalls verstünden diese die Signale nicht. Versuche hätten etwa gezeigt, dass Schweinswale vor Island die Signale von Schweinswalen aus der Ostsee teils nicht verstünden, diese sprächen vermutlich eine andere Sprache. „Die Isländer sprechen ja auch eine andere Sprache als die Dänen“, sagt Culik dazu. Derzeit werden die Geräte von Culiks Firma seinen Angaben nach durch das „Ostsee-Infocenter“ in Eckernförde an Ostseefischer ausgegeben, die sie an ihren Stellnetzen befestigen sollen, um so Wale abzuschrecken. Laut Culik stammen die Signale – es handelt sich um Alarmsignale der Tiere – von Schweinswalen aus einem Aquarium in Dänemark und damit von der gleichen Population, die in der Ostsee vorkommt. Culik vermutet, dass der Buckelwal den Heringsschwärmen, die zum Laichen kommen, über das Skagerrak und das Kattegat gefolgt sei und so versehentlich in die Ostsee gelangte – durch eines der drei Nadelöhre, sprich den Kleinen oder den Großen Belt oder den Öresund. In der Sackgasse Ostsee dürfte er sich dann in einem Fischernetz verfangen haben. Teile davon hatten Einsatzkräfte in diesen Tagen von ihm entfernt, doch befinden sich weitere Netzteile an seinem Maul – insofern ist fraglich, wie überlebensfähig das Tier wäre, selbst wenn es freikäme. Buckelwale sind Bartenwale, die mit ihrem Maul große Mengen kleine Meerestiere auf einmal aufnehmen und dann gegen die Barten wie eine Art Sieb pressen. In der Ostsee sind derart große Meeressäuger nur sehr selten zu finden. Salzwassergehalt sowie Nahrungsangebot sind dort für sie zu gering. Aufgrund der weiterhin hohen Nährstoffeinträge, der anhaltenden Überfischung und der Erwärmung hat sich der Zustand der Ostsee zuletzt massiv verschlechtert.
