FAZ 27.09.2026
15:00 Uhr

Geprüft: Kia EV2: Dosirak auf Zack


Was dem Japaner die Bentobox, ist dem Koreaner das Dosirak. Praktisch für unterwegs und durchaus wohlschmeckend. Fast so wie der elektrische Kleinwagen EV2 von Kia.

Geprüft: Kia EV2: Dosirak auf Zack

Was „tolle Kiste“ auf Koreanisch heißt, entzieht sich unserer Kenntnis. Sicher ist, dass in der Heimat von Kia das Essen auf der metallischen Lunchbox, Dosirak genannt, hohen Stellenwert genießt. Schon nach wenigen Metern mit dem Kia EV2 mussten wir an die landestypische Kombination aus Praktischem und Wohlschmeckendem denken. Hinter dem maximal unpoetischen Namen verbirgt sich nämlich ein ziemlich zackig gezeichnetes, vier Meter langes Elektroauto, das mit einigen pfiffigen Ideen nicht nur zweckmäßige Mobilität, sondern auch Spaß an derselben bietet. Etwa dadurch, dass man vorn Sitzflächen ausreichender Länge vorfindet und auch längere Strecken passabel zurücklegt. Hinten schafften im Testwagen zwei einzeln verschiebbare Sitze zusätzliche Beinfreiheit, eine durchgehende Rückbank ist auch zu ordern. Das Infotainment ist, wie andere Technikkomponenten auch, den größeren Modellen EV3 und EV4 desselben Herstellers entlehnt. Dass Bedienung, Konnektivität und Reaktionsgeschwindigkeit für den bislang kleinsten Elektriker einer Abmagerungskur unterzogen worden wären, war nicht zu erkennen. Das gilt leider aber für den Akku, der nur 42,2 kWh fasst. Es gäbe auch 61 kWh, allerdings nur für Ausstattungsvarianten ab 37.000 Euro. Der Grundpreis für die getestete Version „Earth“ mit 108 kW (146 PS) ist mit 31.740 Euro ohnehin schon recht hoch, dafür stimmen aber Materialanmutung und gefühlte Qualität. Für den Durchschnittspendler mit 40 Kilometer täglicher Strecke dürfte die kleine Batterie die bessere Wahl sein. Zur großen Fahrt passt er jedoch nicht, wir haben 28 Minuten Ladezeit von 10 auf 80 Prozent gemessen. Mit den dann zu verstromernden knapp 30 kWh kamen wir angesichts eines Durchschnittsverbrauchs von 15,8 kWh auf 100 Kilometer (inklusive Ladeverluste) nicht allzu weit. Es geht auch mit weniger Strom, abhängig von der Neigung, sich selbst zu kasteien. An sich bereitet der spritzige Antrieb Freude, selbst im Eco-Modus reagiert er nicht tranfunzelig, anders als mancher seiner Klassenkameraden. Für ein Auto seiner Größe geht der EV2 souverän mit dem bedauerlichen Zustand öffentlicher Straßen um. Die Dämpfung ist zwar straff, dafür schaukelt nichts. Schade nur, dass immer irgendetwas piepst, etwa weil man zwei km/h zu schnell ist, dann versucht, das Piepsen über den Bildschirm abzustellen, wobei jeder einzelne Bedienschritt mit einem Piepsen quittiert wird. Aber das können weitaus größere Autos auch.