Bundeskanzler Friedrich Merz und fünf weitere europäische Regierungschefs warnen in den laufenden EU-Finanzverhandlungen, dass der Etatansatz der EU-Kommission nicht zustimmungsfähig ist. In einem Schreiben an die irische EU-Ratspräsidentschaft, welches auch der F.A.Z. vorliegt, heißt es: „Nahezu jeder EU-Mitgliedstaat unternimmt schmerzhafte Anstrengungen, um seine öffentlichen Finanzen zu konsolidieren. Ohne solide öffentliche Finanzen wird es keine europäische Souveränität geben.“ Die unterzeichnenden Regierungschefs kommen aus Deutschland, Österreich, Schweden, Finnland, den Niederlanden und Dänemark. Sie betonen in dem Brief vom 28. September, dass sie keine Kürzung des siebenjährigen EU-Finanzrahmens (MFR) ab 2028 im Vergleich zum bestehenden MFR wollen. „Aber wir müssen auch realistisch sein“, heißt es weiter. Die von der EU-Kommission vorgeschlagene nominale Aufstockung um rund 60 Prozent sei „schlichtweg nicht realistisch, weder wirtschaftlich noch politisch“. Es wird darauf verwiesen, dass es in vielen EU-Ländern bereits jetzt ernsthafte Sorgen wegen der hohen Schulden in den nationalen Haushalten gebe. „Eine Aufstockung des Personalbestands in den EU-Institutionen zu einer Zeit, in der wir in unseren eigenen Verwaltungen Personal abbauen, ist ebenfalls nicht zeitgemäß“, heißt es zudem. Die irische Präsidentschaft wird deshalb dringend aufgefordert, einen „um mehrere hundert Milliarden Euro“ reduzierten Ansatz vorzulegen, über den auf dem EU-Gipfel im Oktober geredet werden soll. Kanzler Merz strebt einen Abschluss möglichst noch in diesem Jahr an. Der Brief unterstreicht die harte Haltung, die die sechs Staaten in der Finanzdiskussion verabredet hatten. „Wenn das irische Verhandlungspapier als Grundlage für weitere Gespräche dienen soll, muss darin ein Gesamtvolumen festgelegt werden, das realistisch gesehen von denjenigen finanziert werden kann, die die Hauptlast tragen. Diese Frage darf nicht aufgeschoben werden.“
