Die Inszenierung der Speerspitze der Besserverdiener als Speerspitze der proletarischen Revolution hat bedauerlicherweise stark nachgelassen, seit der Profifußballspieler Paul Breitner seine Mao-Bibel aus der Hand gelegt hat. Im 21. Jahrhundert extrahiert die Elite der Fußballarbeiterklasse aus den Produktionsmitteln so viel Gewinn, dass mancher kaum weiß, wohin mit dem Schotter, wenn der Lamborghini-Katalog nichts mehr zu bieten hat. Erst wenn der letzte AMG bestellt, das letzte Goldsteak gegessen und der letzte Dubai-Flug gecancelt ist, werden sie feststellen, dass man Geld nicht essen kann. Wohin also damit? Nicht zur Bank. Sondern in die Bücherei. Dort, also in der städtischen Time Bibliotek in Bryne wird künftig die Mattis-Størssøn-Ausgabe der Kongesagaer, der Sagen der Wikingerkönige zu sehen sein, die Erling Haaland und sein Vater Alf-Inge jüngst für 1,3 Millionen norwegische Kronen (118.000 Euro) ersteigert haben. Damit haben sie das Werk von 1594 zum teuersten norwegischen Buch gemacht – und wollen Kinder zum Lesen anregen. „Ich war nie der große Leser“, sagt Erling Haaland. Macht nichts. Paul Breitner war ja auch nicht Maoist.
