FAZ 30.05.2026
10:22 Uhr

Geheimnis gelüftet: Wer dem Haus der Geschichte Schabowskis Zettel verkaufte


Nun ist das Geheimnis, wie das Haus der Geschichte in Bonn an den berühmten Zettel Günter Schabowskis zur Maueröffnung kam, endgültig gelüftet. Die „Bild“-Zeitung veröffentlicht zwei Kaufverträge

Geheimnis gelüftet: Wer dem Haus der Geschichte Schabowskis Zettel verkaufte

Hans-Wilhelm Saure hat es geschafft. Der Chefreporter der „Bild“-Zeitung hat den Nachwendeweg des berühmten Zettels von Günter Schabowski rekonstruiert. Zunächst klagte Saure jahrelang gegen die „Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland“, um zu erfahren, wer dem Museum das Schriftstück verkauft hatte. Saure gewann und hat nun zwei Kaufverträge veröffentlicht. „Das tritt nach meiner Kenntnis ... ist das sofort, unverzüglich“ Sie zeigen, was mit dem Zettel passierte, der dem DDR-Politiker Schabowski als Fahrplan durch die Pressekonferenz am 9. November 1989 diente. Dabei fielen die berühmten Worte „Das tritt nach meiner Kenntnis … ist das sofort, unverzüglich“, was ostdeutsche Bürger und westdeutsche Medien als Maueröffnung verstanden. Erstverkäufer des Zettels 2006 war Thomas Schalck-Golodkowski (69), Sohn des DDR-Devisenbeschaffers Alexander Schalck-Golodkowski. Käufer war Uwe Krüger, Schwiegersohn des SED-Wirtschaftspolitikers Günter Mittag. Es wurde ein Preis von 12.650 Euro vereinbart: „Beide Parteien sind sich einig über den historischen Wert dieses Dokuments. […] Damit besteht auch Einigkeit darüber, dass der Kaufpreis für das Dokument in jedem Fall unter dem tatsächlich erzielbaren Preis (z.B. Auktionspreis) liegt.“ Außerdem wurde vereinbart: „Th. Schalck versichert, Eigentümer des Dokuments zu sein. Rechte Dritter bestehen nicht.“ Das ist eine Behauptung, der die Familie des vor elf Jahren verstorbenen Günter Schabowski laut „Bild“ widerspricht. Im Jahr 2014 verkaufte Krüger den Zettel für 25.000 Euro weiter an das Haus der Geschichte. Laut „Bild“ kannte die Stiftung Haus der Geschichte dabei Krügers Familienhintergrund nicht. Der Zettel ist inzwischen prominent im Bonner Museum ausgestellt. Im Gespräch mit der F.A.Z. sagte Saure: „Mit der Herausgabe der beiden Kaufverträge zum Schabowski-Zettel setzt das Haus der Geschichte endlich das Urteil um, das wir 2023 vor dem Verwaltungsgericht Köln erstritten haben. Der Vertrag über den Erstverkauf des Dokuments durch den ehemaligen Stasi-Hauptmann und Sohn von SED-Devisenbeschaffer Alexander Schalck-Golodkowski zeigt, dass dieser auch vom Weiterverkauf des Zettels an das Haus der Geschichte finanziell profitierte. Um dies und andere Details des Deals geheim zu halten, gab die steuerfinanzierte Stiftung Haus der Geschichte mehr als 120.000 Euro für Anwälte aus.“