Wie viel kann in einem Jahr schon passieren, wenn man etwas in Bewegung setzen will, das bis dahin, wenn überhaupt, schleppend vorankam? Man kann nicht alles bereits mit Hochgeschwindigkeit in die richtige Richtung katapultiert haben, was es so zu katapultieren gibt. Wohl aber Impulse setzen, umsteuern, nachjustieren. Das ist der Start-up-Factory Futury ausweislich der Zahlen gelungen, die in diesen Tagen das einjährige Bestehen des Start-up-Spaces am Bertramshof in Frankfurt feiert. Dem Ort in der Stadt und (seit der jüngst vorgestellten Start-up-Strategie des Landes Hessen) auch dem in der Region, an dem dafür gearbeitet wird, im nationalen Vergleich der Start-ups näher an die großen Vorbilder heranzukommen, vor allem München respektive Bayern. Dafür hat man verschiedene Ziele formuliert, das markanteste: 1000 neue Start-ups aus der Region bis 2030. Nach dem ersten Jahr sehen sich die Verantwortlichen auf einem guten Weg. Denn sie sehen die Zahlen auf ihrer Seite. In Hessen wurden im ersten Halbjahr dieses Jahres 270 Start-ups neu gegründet, das sind 82 Prozent oder 122 mehr als im Vorjahreszeitraum. Ein Wachstum, das kaum ein anderes Bundesland erreicht hat, wie man bei Futury stolz verlautbart. Von den 346 Neugründungen in Hessen und Rheinland-Pfalz entfielen demnach 252 auf die Rhein-Main-Region (73 Prozent). Mit mehr als 300 Start-ups (nicht nur Neugründungen) habe man zusammengearbeitet. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass Hessen nach wie vor weit hinter Bundesländern wie Bayern, aber auch Nordrhein-Westfalen oder Berlin zurückliegt. Bayern hat in absoluten Zahlen mit 626 neuen Start-ups 202 mehr neu gegründete Unternehmen als im Vorjahreszeitraum. Bei den Finanzierungssummen ist der Unterschied zwischen Hessen und Bayern oder Baden-Württemberg oder Berlin nach wie vor noch weitaus eklatanter. Allerdings gibt es noch andere Akzeleratoren und Gründungszentren in der Region, in Frankfurt vor allem das Techquartier, die zu dem Anstieg auch ihren Beitrag geleistet haben. Aber zurück zu Futury. Um national aufzuholen, wurde dort in einem Jahr einiges auf die Beine gestellt. So seien mittlerweile 34 Unternehmen und drei Stiftungen als Partner bei Futury dabei. Und man habe, zusammen mit fleißigen Menschen an der Schnittstelle zur Politik wie etwa Holger Follmann im hessischen Digitalministerium, zentrale Akteure des regionalen Ökosystems unter einem Dach zusammengeführt. Vor allem aber haben die Verantwortlichen bei Futury, allen voran die Geschäftsführer Melissa Ott und Charlie Müller, Communitys und Programme aufgebaut, die Gründer unterstützen und mit Unternehmen und Investoren verbinden. Aber auch die einzelnen Gruppen untereinander konnten sich durch Futury vernetzen. So gibt es „eine Investoren-, eine Corporate-, eine Startup-, eine Female-Founder-, eine Mentoren- und eine Cofounder-Community“, wie Futury mitteilt. Dadurch entsteht ein großes und weiter wachsendes Netzwerk aus mittlerweile mehr als 70 Investoren, 150 Mentoren, 800 Start-ups aus Rhein-Main (3000 im Netzwerk insgesamt) und 50 Ökosystempartnern, die die Grundlage bilden für die entwickelten Matchingformate, Investmentcamps und weitere Programme. Diese sollen Gründer – so das Ziel – auf der ganzen Reise von der Gründung bis zur Skalierung unterstützen. Um, auch entsprechend der Start-up-Strategie des Landes, die Bemühungen einzelner Akteure zu bündeln, wird die Einrichtung Station in Futury integriert, wie jetzt bekannt wurde. Deren Geschäftsführerin und Mitgründerin, Caro Wagner, wird bei Futury den Ausbau der Community der Gründerinnen verantworten. Auch der Green- und Deep-Tech-Accelerator Ryon aus Gernsheim wird in Futury integriert, damit Doppelstrukturen in diesen Clustern abgebaut werden können. Labore und Werkräume in Mainz und Darmstadt geplant Der Frühphaseninvestor Futury Capital investiert zudem in vielversprechende Jungunternehmen und verbessert so deren Zugang zu Risikokapital. Mit einem Fondsvolumen von rund 47 Millionen Euro werden Start-ups mit Liquidität zwischen 250.000 und drei Millionen Euro von der ersten Runde bis zur Series-A-Finanzierung versorgt. Außerdem arbeitet man daran, die Start-ups überregional für Investoren bekannter zu machen. Dafür hat die Factory gemeinsam mit dem Bundeswirtschaftsministerium und dem Münchener Pendant „UnternehmerTUM“ den „Capital for Innovation Summit“ ausgerichtet, bei dem Family-Offices, Stiftungen, Fonds, Unternehmen, Politiker, Wissenschaftler und Vertreter aller zehn nationalen Start-up-Factorys zusammenkamen, um Venture-Capital in Deutschland als „strategische Assetklasse zu etablieren“, wie es bei Futury heißt. International hat Futury erste Kooperationen geschmiedet, etwa mit La French Tech Frankfurt, dem lokalen Ableger der von der französischen Regierung ins Leben gerufenen Initiative, die die hessische und französische Wirtschaft enger miteinander verbinden will, oder mit Restart IL, einer Veranstaltungsreihe, die die israelische Wirtschaft und ihren Hochtechnologiesektor stärken soll. Damit sollen Investitionen zwischen der Rhein-Main-Region und Israel erhöht werden. Als Nächstes wird Futury vor allem mehr Platz brauchen. Das bisher genutzte Gelände am Bertramshof ist voll vermietet. Ziel ist nun, in den nächsten Jahren Platz in anderen Hubs zu schaffen, wo Jungunternehmen sich entwickeln können. Dazu gehört ein Maker Space in Darmstadt und ein Labor in Mainz, damit Gründer, die 3D-Drucker, Labore oder auch Maschinen wie Schweißgeräte oder Fräsen brauchen, einen Platz bekommen können. Bislang bietet Futury vor allem Büroarbeitsplätze an. Es gibt also viele Pläne, und es bleibt weiter viel zu tun. Dem ist man sich bei Futury bewusst. Erste Schritte aber sind getan.
