FAZ 29.03.2026
09:33 Uhr

Fußball für Reiche: WM und Wucher


Harte Zeiten werden zur Fußball-WM an der Kasse noch härter. Wer soll das bezahlen, wenn für die Stadionfahrt bis zu 75 Dollar im Gespräch sind und Hotels mehr als 300 Prozent aufschlagen?

Fußball für Reiche: WM und Wucher

„Yeah, them hard times are going around/Bringing hard luck on New York town“ sang Justin Townes Earle in seiner Eisenbahnerballade „Workin’ for the MTA“, die aus dem Leben eines New Yorker Schienenbahnfahrers erzählt: Linie 6, Brooklyn Bridge nach Pelham Bay. Harte Zeiten? Earle wurde bezwungen von seiner Sucht, eines von Hunderttausenden Opfern der amerikanischen Opioidepidemie, einer Welle, die nicht zuletzt vom Gewinnstreben eines Pharmakonzerns ausgelöst worden war. Und damit zum Fußball: Die Massachusetts Bay Transit Authority MBTA, deren Schienenbahnfahrer im Sommer Fußballfans aus Bostons Innenstadt zum WM-Stadion nach Foxboro bringen sollen, plant die Vervierfachung des Fahrpreises, schreiben die Kollegen von „The Athletic“. Für gut 40 Kilometer Bahnfahrt ein Weg, hin und zurück sollen mehr als 75 Dollar aufgerufen werden, Ermäßigungen, etwa für Kinder: nicht geplant. Hotels in den amerikanischen WM-Städten schlagen im WM-Monat Juni im Vergleich zum Nicht-WM-Monat Mai mehr als 300 Prozent auf. Fazit: Die WM sei etwas für „finanziell Unverantwortliche“ oder die „Top-Ein-Prozent“ der Geldrangliste. Eine WM für die Speerspitze der Besserverdiener auf dem Rasen? Alt. Eine WM für die Speerspitze der Besserverdiener auf den Rängen? Knallt.