FAZ 26.03.2026
16:37 Uhr

Für kranke Kinder: Britischer Veteran zieht Land Rover mehr als 100 Kilometer


Seit fünf Jahren sammelt der britische Veteran Darren Hardy Gelder für die Erforschung einer seltenen Erkrankung. Dabei geht er weit über das eigentlich Menschenmögliche hinaus – und nimmt auch eigene Verletzungen in Kauf.

Für kranke Kinder: Britischer Veteran zieht Land Rover mehr als 100 Kilometer

Das erste Paar Turnschuhe war nach 65 Kilometern kaputt, nach 98 Stunden waren es auch Darren Hardys Füße. Der Veteran erlitt Ermüdungsbrüche, was ihm weniger Kummer bereitete als seine geschwollenen Waden, die höllisch weh taten, wie er britischen Medien berichtete. Der 40 Jahre alte Nordire stellte in dieser Woche einen neuen Rekord im Fahrzeugziehen auf – ein weiteres Mal für einen guten Zweck. Darren Hardy zog an einem Seil einen 1,5 Tonnen schweren Land Rover aus dem Jahr 1981. Und das immer und immer wieder über dieselbe Betonpiste auf dem Flughafen Blackbushe unweit seiner Heimatstadt Fleet in Hampshire etwa 70 Kilometer westlich von London. Den seltenen Oldtimer zog der frühere Soldat, um Geld für H‐ABC (Hypomyelinisierung mit Atrophie der Basalganglien und des Kleinhirns) zu sammeln, eine extrem seltene und unheilbare degenerative Gehirnerkrankung. Die genetisch bedingte neurologische Erkrankung, die hauptsächlich Kinder betrifft, wird durch Mutationen verursacht und führt zu einer gestörten Myelinbildung im Gehirn. Sie äußert sich durch fortschreitende Bewegungsstörungen, Spastik und kognitive Defizite. Nur etwa 200 Fälle sind bekannt, fast immer betrifft es Kleinkinder, die selten das Erwachsenenalter erreichen. Fünf Marathons in 50 Stunden Hardy hatte die Armee 2017 nach 15 Jahren verlassen müssen, weil er nach mehreren Einsätzen unter anderem in Nordirland und im Irak unter posttraumatischen Belastungsstörungen (PTBS) und einer schwer geschädigten Schulter litt. Seither verschrieb er sich dem Extremsport als Ausgleich. 2021 hörte er von der damals zwölf Jahre alten Aggie Candy-Waters, die seit ihrem fünften Lebensjahr an H-ABC erkrankt ist und vor fünf Jahren schon länger im Rollstuhl saß. Nur drei Wochen später lief er schon fünf Marathons (211 Kilometer) in fünf Stunden und sammelte so 17.700 Pfund (rund 20.000 Euro), Geld, das in die Erforschung einer neuen Gentherapie floss. Seither hat Hardy, selbst Vater von zwei kleinen Mädchen, rund 120.000 Pfund zugunsten der H-ABC-Stiftung mit weiteren Spendenaktionen gesammelt. Seinen aktuellen Rekordversuch begann er am vergangenen Freitag. „Körperlich war Tag drei der härteste“, sagte er nach seinem Zieleinlauf. Am letzten Tag hingegen habe er sich „wegen des Adrenalins und des Finishs irgendwie großartig gefühlt“. Der Vierzigjährige schlief jeden Tag nur wenige Stunden in einem Zelt und ernährte sich fast ausschließlich von Proteingels und Elektrolyten, um die geschätzten 50.000 Kalorien auszugleichen, die er in knapp fünf Tagen bis zum Dienstag verbrauchte. Besonders zermürbend sei die Monotonie gewesen, den immer gleichen Betonstreifen ablaufen zu müssen. Und das auch nachts, als das Thermometer zeitweise auf Temperaturen nahe dem Gefrierpunkt gefallen sei. Zwischendurch habe er nicht mehr gewusst, wohin er gehe, sagt Hardy. Doch sein Ziel, 100 Kilometer in 100 Stunden, hat er am Ende nicht nur erreicht, sondern mit 98 Stunden sogar noch unterbieten können.