FAZ 15.05.2026
17:16 Uhr

Frühere Ministerin: Stark-Watzinger berät Focused Energy


Das Darmstädter Unternehmen Focused Energy hat die frühere Bundesforschungsministerin verpflichtet. Sie will dazu beitragen, dass das erste Laserfusionskraftwerk der Welt in Biblis entsteht.

Frühere Ministerin: Stark-Watzinger berät Focused Energy

Die frühere Bundesforschungsministerin Bettina Stark-Watzinger (FDP) geht zu Focused Energy. Wie das Laserfusionsunternehmen mitteilte, hat es die 58 Jahre alte Volkswirtin als „Senior Strategic Advisor – Global Energy & Innovation Policy“ verpflichtet. Mit ihrer Erfahrung im Wissenschaftsmanagement und ihrer internationalen Vernetzung werde sie Focused Energy „bei der Industrialisierung der Fusionsenergie unterstützen“, heißt es in einer Pressemitteilung des Unternehmens. Die Verantwortung für Bildung und Forschung im Kabinett Scholz hatte die Politikerin aus Bad Soden am Taunus drei Jahre lang ausgeübt. Sie legte das Amt beim Bruch der Ampelkoalition im November 2024 nieder. Als die Liberalen bei der Bundestagswahl an der Fünfprozenthürde scheiterten, trat sie nach vier Jahren an der Spitze ihres hessischen Landesverbandes für dieses Amt nicht noch einmal an. Auch ihre Position als eine der stellvertretenden Bundesvorsitzenden der FDP wollte sie nicht länger bekleiden. Ambitioniertes Ziel Mit Stark-Watzinger unterstreicht das Unternehmen nach eigenen Angaben seine führende Rolle im wachsenden „Fusionsindustrie-Ökosystem in Deutschland“. Focused Energy hat seinen Hauptsitz in Darmstadt sowie Niederlassungen in Berlin, Austin und San Francisco. Das 2021 aus dem Umfeld der TU Darmstadt gegründete Unternehmen entwickelt eine laserbasierte Fusionstechnologie, um saubere, sichere und nahezu unerschöpfliche Energie industriell nutzbar zu machen. Gemeinsam mit Partnern aus Industrie und Wissenschaft will das Unternehmen in Biblis bis Mitte der 2030er-Jahre das erste Laserfusionskraftwerk der Welt errichten. Das Start-up hat Förderungen des Bundes und des Landes eingeworben. Außerdem gibt es private Beteiligungen. Konkurrenz aus Bayern Aber die Konkurrenz ist groß. So setzt sich der Freistaat Bayern nicht für die Laser-, sondern für die Magnetfusion ein. Die Bundesregierung fördert bisher beide Varianten der Kernfusion. „Viele Jahre habe ich politische Rahmenbedingungen für Forschung und Entwicklung mitgestaltet“, äußerte Stark-Watzinger. „Jetzt freue ich mich darauf, Innovation auch ganz konkret zu begleiten und voranzubringen.“ Hessen liege ihr dabei besonders am Herzen. Biblis sei ein starker Standort für das große Ziel, zügig und mit viel Weitblick das Fusions-Ökosystem in diesem Land zu verankern. „Gemeinsam mit starken Partnern in Deutschland und Europa können hier neue Innovations-Achsen entstehen.“ Stark-Watzinger tritt ihre Aufgabe gut 18 Monate nach ihrem Ausscheiden aus dem Ministeramt an. Damit hält sie die für solche Fälle gesetzlich festgelegte Karenzzeit ein. Sie soll den Anschein verhindern, dass Politiker ihre Entscheidungen im Hinblick auf Karriereaussichten treffen. Außerdem sollen potentielle Interessenkonflikte nach dem Wechsel in die Wirtschaft verhindert werden.