Wenn es noch eines Nachweises bedarf, warum das von der vorherigen Bundesregierung eingeführte Cannabiskonsumgesetz nicht funktioniert, dann reicht ein Blick nach Frankfurt. Dort ist noch immer Cannabis die Droge, die am häufigsten auf der Straße verkauft wird, zumindest nach den Erhebungen, die die Kontrollen und Ermittlungen der Frankfurter Polizei für das Jahr 2025 ergeben haben. 63,9 Prozent beträgt der Anteil der Droge am Gesamtaufkommen aller festgestellten Rauschgifte, gefolgt von Crack mit 17,4 Prozent und Kokain mit 6,2 Prozent. Und so gibt der Frankfurter Polizeipräsident Stefan Müller auf die Frage, ob anhand dieser Zahlen herauszulesen sei, dass das Cannabiskonsumgesetz das Ziel der Eindämmung des Schwarzmarktes verfehlt habe, eine eindeutige Antwort: Das Cannabiskonsumgesetz sei „handwerklich schlecht gemacht“. Gerade für eine Stadt wie Frankfurt sei es völlig ungeeignet. 25 Gramm dürfen laut dem Gesetz straffrei in der Öffentlichkeit mitgeführt werden. „Bei Kontrollen stellen wir regelmäßig fest, dass die Beschuldigten immer exakt 24,8 Gramm dabei haben“, führt Müller weiter aus. Unter gewerbsmäßigen Handel falle das dann nicht. „Das Gesetz hat den Dealern und somit den kriminellen Strukturen in die Hände gespielt. Mit allen Gefahren, die die Droge für die Gesundheit junger Menschen hat.“ Doch Rauschgifthandel und -konsum waren nicht die einzigen Themen, die die Frankfurter Polizei im vergangenen Jahr beschäftigt haben. Insgesamt 113.603 Straftaten wurden in der Statistik erfasst, entweder weil sie angezeigt wurden oder aber weil die Polizei sie über Kontrollen selbst aufgebracht hat. Die Aufklärungsquote lag bei 62,5 Prozent. Der Leiter der Kriminaldirektion, Viktor Lekic, sprach über das Phänomen „Violence as a service“ als „neue Form der organisierten Kriminalität“. Neun Fälle würden derzeit von seiner Dienststelle bearbeitet, darunter Sprengstoffexplosionen, Brandstiftungen und versuchter Mord. Die Tatorte erstreckten sich über Frankfurt, Taunusstein, Neu-Isenburg und Offenbach. Auch deutsche Jugendliche werden für Auftragstaten rekrutiert Neu sei die Beobachtung, dass nicht nur Jugendliche aus den Niederlanden als Täter angeworben würden, um im Auftrag der organisierten Kriminalität schwerste Straftaten zu begehen, sondern inzwischen auch Täter aus der Region. Lekic verwies auf Ermittlungserfolge: So habe es einige Festnahmen in Deutschland und in den Niederlanden gegeben. Vor einigen Tagen erst sei ein 15 Jahre alter Jugendlicher, der einen Brandsatz in ein Frankfurter Café geworfen habe, zu mehr als vier Jahren Haft verurteilt worden. Erstmals wurde ein Video gezeigt, das das Ausmaß einer solchen Tat dokumentiert. Man sieht ein brennendes Lokal. Der Täter hatte es gefilmt, zum Beleg für seinen Auftraggeber. Zudem wurden Bilder gezeigt von einer weiteren Tat. Der Täter zündet einen Sprengsatz und wirft diesen im Vorbeigehen in einen Raum. Der Betreiber bemerkt den Gegenstand und versucht ihn noch, mit einem gezielten Tritt nach draußen zu befördern. Fast in derselben Sekunde explodiert der Sprengsatz. Kurz darauf steht das Lokal in Flammen. Wie Polizeipräsident Müller sagte, wird die Polizei immer nur auf bestimmte Entwicklungen reagieren können. So etwa auf Straßenraub oder Taschendiebstahl, jenen Delikten, „bei denen man mit guten Konzepten gegensteuern kann“. Bei beiden Delikten seien die Zahlen im vergangenen Jahr gesunken. Deutlich schwerer fallen solche Erfolge bei den sogenannten Rohheitsdelikten, die mit verbalen Streitereien anfangen und sich bis hin zu Körperverletzungen hochschaukeln. Dieses Phänomen führte der Erste Polizeihauptkommissar Thomas Hollerbach aus. So seien Körperverletzungen, Bedrohungen und Beleidigungen auf 16.005 Fälle im vergangenen Jahr gestiegen – eine Zunahme von zehn Prozent. Hollerbach spricht von einer „gesellschaftlichen Verrohung“, die zu beobachten sei. Es gebe einen „klaren Zusammenhang zwischen diesen Delikten“. Im persönlichen Zusammentreffen werde aus einer Beleidigung schnell eine Bedrohung und daraus schließlich ein körperlicher Übergriff. Hollerbach macht das an „Stressfaktoren“ fest, die die Menschen in ihrem Alltag offenbar beschäftigen. Als Beispiel nannte er einen Streit zwischen einem älteren Mann und einem Jugendlichen am Faschingsdienstag. Ein Wort habe das andere ergeben. Am Ende habe der Jugendliche im Gleisbett gelegen. Der Mann habe ihn, als ihm die Argumente ausgingen, einfach geschubst.
