Herzlichen Glückwunsch und hier, bitte schön, die Blumen! Unsere Regierungskoalition hatte am Mittwoch Jahrestag, und da gratulieren wir doch nachträglich gern mit einem verbal bunten Strauß an Pointen. Denn unser tatsächliches Geschenk steckt leider seit Wochen auf einem Containerschiff in der Straße von Hormus fest. So sad! „Sto lat!“ wünscht man sich übrigens in Polen zu selbigem Anlass, was „Hundert Jahre!“ heißt und bei persönlicher Gratulation weniger übertrieben optimistisch als viel mehr nett gemeint gilt. Im Fall der Bundesregierung, die ja erst ihren ersten Geburtstag hatte, könnte der Hundertjahre-Wunsch allerdings je nach Perspektive vom Volk als Drohung oder von der Regierung selbst als Satire aufgefasst werden. Noch 99 Jahre lang mit so irre viel Geld nichts hinzukriegen, müsste man ja auch erst mal schaffen. Noch unbeliebter als Trump in den USA Wobei „nichts hinkriegen“ von uns Systemschreiberlingen aus dem Medienhauptstrom ja gnadenlos untertrieben ist. Schließlich ist Friedrich Merz der unbeliebteste Bundeskanzler aller Zeiten. Nur noch 16 Prozent der Deutschen sind mit ihm zufrieden. Und das wohl auch nur, weil die Koalition noch nicht das Cannabisgesetz gekippt hat. 83 Prozent sind dagegen pappsatt. Das hat vor ihm noch keiner geschafft, und das muss man mal anerkennen. Merz ist in Deutschland sogar noch unbeliebter als Trump in den USA. Was dieser umgehend bestreiten wird, denn es gibt schließlich AUF DER GANZEN WELT nur einen einzigen Politiker, der alle Ranglisten anführt, und das ist DONALD TRUMP. Thank you for your attention to this matter. Merz ist so unbeliebt, dass man in Frankreich schon vom Merzfeind spricht. Gut, ein solcher Gag ist weit unter dem, was Sie als Leser hier zu Recht erwarten dürfen. Bevor wir ganz auf Kanzlerniveau abrutschen, schnell ein Blick ins östliche Ausland, wo Merz weiterhin wer ist. Das litauische Parlament verlieh unserem Kanzler just am Mittwoch den Aleksandras-Stulginskis-Stern. Fast einstimmig, bei nur einer Enthaltung. Die Medaille ist quasi das Bundesverdienstkreuz Litauens und wurde Merz aus Dank für die Stärkung der Verteidigungsfähigkeit des Landes umgehängt. Subtext: An der deutschen Bundeswehrbrigade für Litauen wird nicht gerüttelt, Fritz! Und weg die Post Immerhin hat die Regierung auf die Bundeswehr noch Einfluss. Auf die Deutsche Post hat sie keinen mehr, da hat sie vor mehr als 30 Jahren aufgegeben, was ungefähr der durchschnittlichen Zeit entspricht, die ein Brief braucht, den das damals privatisierte Unternehmen heute befördern soll. Damit dieses unqualifizierte Genöle darüber aber mal aufhört, hat der Konzern diese Woche beschlossen, den Namen Deutsche Post endgültig abzulegen, sich endlich ehrlich zu machen und nur noch DHL zu nennen. DHL: Das Heißt Langsam? Denkste Haste Lieferung? Du meine Güte, jetzt meckern wir hier schon rum wie auf jeder korrekten deutschen Geburtstagsparty nach dem ersten Faber-Sekt. Deshalb machen wir jetzt ohne Wenn und Aber Schluss mit dem kollektiven „Dagegen!“ und gehen die Dinge konstruktiv an. So wie der Präsident in Polen. Karol Nawrocki hat diese Woche eine Volksabstimmung über folgende Frage angekündigt: „Sind Sie dafür, die Klimapolitik der EU umzusetzen, die zu höheren Kosten für Bürger und Unternehmen geführt hat?“ So unvoreingenommen und neutral wurde selten formuliert, und wir sind schon jetzt gespannt, wie diese Abstimmung wohl ausgehen wird. Von Polen lernen heißt Siegen lernen Nawrocki ist eben ein Mann des Volkes, der weiß, wie man selbiges lenkt. Mensch, Bundesregierung, das könnt ihr doch auch! Mal weniger Bordeaux und stattdessen ein, zwei Bisongras-Wodka, und schon kommt ihr auf Ideen für Referenden, die eure Beliebtheitswerte höher schnellen lassen werden als die Umfragewerte der AfD. Das ist uns schon nach dem dritten Glas eingefallen: Sind Sie dafür, weiter Mineralölsteuer zu zahlen, die zu Mordspreisen an den Zapfsäulen führt? Oder: Sind Sie dafür, weiter Biersteuer zu entrichten, die irre Kosten an den Zapfhähnen verursacht? Und schließlich: Sind Sie für narkosefreie Wurzelbehandlungen, damit die Kassenbeiträge stabil bleiben? Wer dreimal wutentbrannt „NEIN!!!“ in den Stimmzettel gehämmert hat, dürfte kaum noch Kraft haben, um auch noch die Regierung abzulehnen. Friedrich Merz könnte dann durchregieren. Aber bitte nicht bis 2125.
