FAZ 25.03.2026
12:12 Uhr

Fotografie von Bryan Adams: Amy, Cindy und die anderen


Bryan Adams zeigt in Darmstadt seine Fotografien

Fotografie von Bryan Adams: Amy, Cindy und die anderen

Am Ende ist er, wenig überraschend, nicht gekommen. Auch wenn sich das womöglich mancher gewünscht haben mochte, denn zu anderen Eröffnungen war Bryan Adams zur Stelle. Nun sind nur Amy Winehouse und Robbie Williams, Mick Jagger und Kate Moss und wie die Prominenten alle heißen, die Bryan Adams in den vergangenen 20 Jahren fotografiert hat, in Darmstadt. In stattlichen Formaten und in Farbe oder in Schwarz-Weiß. Der  in London lebende Kanadier verleiht also nur indirekt seiner Ausstellung höchstpersönlich nachhaltigen Glanz. Denn der mittlerweile 66 Jahre alte Popstar ist gerade auf Tournee – und steht immerhin ab Herbst zwar nicht in Hessen, aber doch in Rostock, Mannheim oder München auf der Bühne. Indes, als Musiker längst weltbekannt, bleibt Bryan Adams als Fotokünstler trotz einiger Präsentationen erst noch zu entdecken. Dabei ist auch die aktuelle, „#ShotbyAdams“ überschriebene Schau im Hessischen Landesmuseum so etwas wie ein schon vor ein paar Jahren angeschobener Tourneebetrieb, den eine Hamburger Agentur für Adams organisiert und der nun, nach stets eigens für den Ort kuratierten Ausstellungen in Lübeck, Göttingen oder Amberg, mit rund 100 vorwiegend großformatigen Arbeiten im Hessischen Landesmuseum Station macht. Adams aber, daran lässt die von Anke Degenhard und Mat Humphrey eingerichtete Schau keinen Zweifel, ist nicht bloß ein weiterer der vielen Stars und Prominenten, die ihren Ruhm als Label nutzen, um im Kunstbetrieb zu reüssieren. Adams ist vielmehr seit Jahrzehnten passionierter Fotograf. Und fügt sich als solcher nun in die vor fünf Jahren vom scheidenden Direktor Martin Faass initiierte Reihe von Fotoausstellungen ein, die mit Peter Lindbergh, Walter Schels und Candida Höfer durchaus Maßstäbe gesetzt hat im Landesmuseum. Mag sein, am Ende sind es trotzdem vor allem seine zahlreichen, meist in Zeitschriften wie „Vanity Fair“, „Vogue“ oder „Esquire“ erschienenen Porträts von Stars wie Cindy Crawford, Pink und Willem Dafoe, die seine Fans nach Darmstadt locken werden. Adams liegt die Fotografie am Herzen Doch für Adams, so zeigen eine Serie wie „Wounded: The Legacy of War“ oder die zuerst im Londoner Obdachlosenmagazin „The Big Issue“ erschienenen Fotos von wohnungslosen Verkäufern der Zeitung, ist die Fotografie offensichtlich mehr als bloß ein nettes Hobby. Dabei handelt es sich auch hier, bei „Homeless“ wie bei den Bildern von aus Afghanistan oder Irak zurückgekehrten versehrten Veteranen, vornehmlich um vor neutralem Hintergrund aufgenommene Porträts. Hier aber geht es nicht zuvörderst um die Inszenierung, nicht um Glanz und Glamour oder ein Produkt. Nicht um Mode und Kampagnen, wie sie Adams immer wieder auch etwa für Hugo Boss, für Opel oder Converse fotografierte. Hier geht es um den Menschen. Um Scham und Voyeurismus, vielleicht auch und wesentlich um Würde und Respekt, wenn die Serie nun, nach den britischen Soldaten, deren Porträts in Darmstadt zu sehen sind, mit deutschen Veteranen eine Fortsetzung finden soll. Und doch sind es am Ende nicht die sich den Blicken der Kamera und des Besuchers aussetzenden Soldaten, die ein Bein verloren haben, einen Arm oder vielleicht verheerende Verbrennungen erlitten haben; sind es nicht Bryan Ferry, Tina Turner oder gar Saweetie, die Adams für den Pirelli-Kalender fotografiert hat, die am Ende den nachhaltigsten Eindruck hinterlassen in dieser Ausstellung. Dabei sind auch die Porträts Sam Woodlocks und Paul Bartons, Amy Stevens' oder Roger Philip Morrissons vor neutralem Hintergrund in Adams' Londoner Studio entstanden. Doch anders als beim Shooting mit Victoria Beckham, Ben Kingsley oder Iggy Pop gibt es hier kein Drehbuch, keine Maske, und es spielt mithin auch niemand der Kamera vor allem etwas vor. Und doch scheint es, als begegne hier der Künstler seinem wohnungslosen Gegenüber nicht als Popstar und nicht als Fotograf, sondern auf Augenhöhe. Näher als in „Homeless“ kommt Bryan Adams den Menschen hinter seinen Bildern womöglich nie. Bryan Adams, „#ShotbyAdams“, Hessisches Landesmuseum Darmstadt, Friedensplatz 1. Die Schau ist bis 21. Juni zu sehen.