FAZ 29.03.2026
08:50 Uhr

Formel-1-Sieg in Japan: „Das fühlt sich ziemlich gut an“


Kimi Antonelli gewinnt nicht nur sein nächstes Formel-1-Rennen. Nun ist der 19-Jährige auch der jüngste WM-Spitzenreiter. Eine Safety-Car-Phase nach einem Crash hilft auf dem Weg zum Sieg in Japan.

Formel-1-Sieg in Japan: „Das fühlt sich ziemlich gut an“

Einmal ist keinmal, zweimal ist noch mal. Mit seinem Triumph beim Großen Preis von Japan hat Kimi Antonelli nicht nur sein nächstes Formel-1-Rennen gewonnen, sondern auch wieder Grand-Prix-Geschichte geschrieben. Der Mercedes-Pilot ist im Alter von 19 Jahren und 216 Tagen jetzt auch der jüngste WM-Spitzenreiter. „Fühlt sich ziemlich gut an“, sagt er mit einem Lachen. Wer nur auf den Abstand im Ziel von 13,7 Sekunden auf den zweitplatzierten Oscar Piastri im McLaren schaut, erfährt nicht die ganze Renngeschichte. Denn am Anfang lief alles gegen den Schnellsten des Samstags, er war nur Sechster. Kimi Antonelli: „Wir sind auf einem guten Weg“ Ein Kämpfer ist er also auch, aber vor allem hat eine Safety-Car-Phase sein Leben leichter gemacht. Antonellis interner Rivale George Russell wird nur Vierter, aufs Podium schafft es noch Charles Leclerc im Ferrari. „Auch wenn es noch früh im Rennjahr ist, sind wir auf einem guten Weg“, sagt Antonelli, was der Blick auf die Gesamtwertung bestätigt: Da führt er mit 72 Punkten vor Russell (63) und Leclerc (49). Mit zehn Minuten Verspätung startet das Rennen auf dem Suzuka International Circuit, eine im Porsche-Cup beschädigte Barriere muss erst repariert werden. Die verlängerte Ruhepause scheint vor allem die beiden Mercedes-Piloten in der komplett silbernen ersten Startreihe einzuschläfern. Als es endlich losgeht, schießen der McLaren von Piastri und Leclerc im Ferrari an den eigentlich überlegenen deutsch-britischen Rennwagen vorbei, auch Weltmeister Lando Norris lässt sich mitziehen. Antonelli verliert seine zweite Pole-Position hintereinander mit durchdrehenden Rädern, auch WM-Spitzenreiter Russell muss die Konkurrenz ziehen lassen. Die Anfangsphase, in der es auf die richtige Größe des Turbos ankommt, ist einer der wenigen Schwachpunkte am Mercedes. Bergab und auf der Bremse geht es in die erste Kurve, es ist ein buntes Bild. Auch ein Stück weiter hinten, wo sich der Regelkritiker Max Verstappen im Red-Bull-Rennwagen gegen seine jungen Konzernkollegen wehren muss, verschieben sich die Dinge munter, leider vor allem zu Ungunsten der Audi-Piloten Gabriel Bortoleto und Nico Hülkenberg, die nach hinten durchgereicht werden und außerhalb der Punkte bleiben. Der Emmericher landet auf dem elften Platz, der Brasilianer wird auf Rang 13 abgewunken. Oscar Piastri und George Russell spielen Jo-Jo Der Suzuka International Circuit ist eine erklärte Fahrerstrecke, und die Topographie der Asphalt-Acht bleibt ihrer Faszination auch mit der umständlichen und erklärungsbedürftigen Ladetechnik nicht schuldig. Für alle Puristen ist es eine gute Nachricht, dass die entscheidende Software der Formel 1 immer noch der Fahrer ist. Schnell beginnt Russell mit der Aufholjagd, hat sich hinter Piastri geklemmt. Der Australier dreht überhaupt erst seine ersten Rennrunden in diesem Jahr, und das Team des Konstrukteurs-Weltmeisters McLaren versteht die neue Elektronik offenbar zunehmend besser. Piastri und Russell spielen Jo-Jo, einem erfolgreichen Überholmanöver folgt der direkte Konter. Den Zuschauern kann nichts Besseres passieren. Das Quartett der Verfolger, in dem Antonelli mit Norris und den beiden Ferrari steckt, ist mehr mit sich selbst als dem Blick nach vorn beschäftigt. Selbst für einen Russell mit dem Mercedes-Werksmotor ist es nicht ganz einfach, einen Piastri mit dem Mercedes-Kundenaggregat einzuholen. Überholen in Suzuka ist auch unter den veränderten Bedingungen nicht ganz so einfach, es braucht mehr Kraft, mehr Mut und den richtigen Moment. Antonelli bei seiner Aufholjagd und Leclerc mit seiner Verteidigungsschlacht exerzieren das vor, der Italiener verliert einmal fast das Heck, und der Monegasse holt sich den dritten Rang zurück. Nach einem Renndrittel folgt, was aus der alten Formel 1 bekannt ist: ein Reifenpoker, der zunächst die silberne Doppelspitze zurückbringt. Das Kopfrechnen bleibt weder den Ingenieuren noch den Zuschauern erspart. Als Russell reingeholt wird, übernimmt Antonelli den Platz an der milchigen Sonne, und dem Italiener ist das Rennglück hold, weil das bislang so starke Talent Oliver Bearman nach einem missglückten Ausweichmanöver im Duell mit Franco Colapinto seinen Haas-Ferrari in den Barrieren seitlich versenkt – mit einer Verzögerung von 50 g. Als er es nach dem harten Aufprall aus dem Wrack geschafft hat, muss der Brite gestützt werden, hat sich stark das rechte Knie geprellt. Natürlich muss das Safety-Car ausrücken, und damit verlieren Antonelli, Hamilton und Verstappen keine Zeit bei ihrem Reifenwechsel. Russell, dem das zum wiederholten Mal passiert ist, flucht über Funk, Mercedes-Teamchef Toto Wolff versucht, ihn zu beruhigen. Es geht bereits im dritten WM-Lauf um die interne Vormachtstellung bei Mercedes. Neustart zur Rennmitte, Antonelli macht es besser als beim ersten Mal und bleibt erst vorn, dann macht er sich schnell Luft und zieht davon. Aber Hamilton geht mit schlauer Taktik am alten Kollegen Russell vorbei. Die beiden Briten jagen nicht nur sich, sondern auch den vorausfahrenden Piastri, alle im Abstand von unter einer Sekunde. Eine Hochgeschwindigkeitsprozession, die natürlich Chefkritiker Verstappen in die Karten spielt. Max Verstappen: „Ich bin nicht einmal mehr frustriert“ Wobei der Frust des Niederländers sicher auch eng mit der mangelnden technischen Form seines Red-Bull-Autos zu tun hat, das seiner Meinung nach mehr oder weniger das macht, was es will. Allen Fragen nach der eigenen Motivation versucht er auszuweichen: „Ich bin nicht einmal mehr frustriert, ich bin darüber hinaus.“ Die jetzt anstehende vierwöchige Zwangspause durch die beiden gestrichenen Rennen im Mittleren Osten hilft zumindest den Technikern bei ihrer Aufholjagd. Der Kampf ums Podium wird auf den letzten zehn Runden neu koloriert. Russell geht einmal kurz die Energie aus, und schwups ist auch Leclerc vorbei. Die beiden Ferrari liefern sich die härtesten Manöver untereinander, Teamchef Fred Vasseur schweigt zu den risikobehafteten Vorgängen, vielleicht weil er Schnappatmung bekommen hat. Leclerc ist Dritter, auch hier geht es um die Hackordnung. Russell gibt immer noch nicht auf, gegen Ende nimmt der eher langweilige Grand Prix doch noch etwas an Fahrt auf, es wird wieder Jo-Jo gespielt. Antonelli ist da längst über alle Hügel.