FAZ 16.05.2026
13:08 Uhr

Familie in Kalifornien: Kein Handy bis 14, keine sozialen Medien bis 18


Philipp Depiereux ist Digitalunternehmer in Kalifornien – und erzieht seine vier Kinder weitgehend bildschirmfrei. Seine Tochter Lotta hat mit 18 Jahren nun das erste Mal Leben freien Zugriff auf Instagram und Whatsapp. Auszüge des Aufwachsens ohne soziale Medien.

Familie in Kalifornien: Kein Handy bis 14, keine sozialen Medien bis 18

In der Aufzählung von Philipp Depiereux fehlen einige ganz elementare Bestandteile des Lebens eines durchschnittlichen 16-Jährigen: Instagram, Netflix, Playstation. Jugendliche zwischen 12 und 19 Jahren verbringen in Deutschland durchschnittlich 231 Minuten am Handy. Die vier Kinder des Ehepaars Katja und Philipp Depiereux bekommen hingegen frühstens mit 14 Jahren ein Handy, soziale Medien sind bis 18 tabu. Sie wachsen mit wenigen Ausnahmen ohne digitale Medien auf – und zwar ausgerechnet in Kalifornien, dem Geburtsort der Digitalisierung. Und ausgerechnet mit einem Vater, der seine berufliche Existenz ebenjener Digitalisierung zu verdanken hat. Philipp Depiereux ist Digitalunternehmer, galt mit seiner Agentur mal als einer der großen Digitalisierer des deutschen Mittelstands. Er selbst beschreibt sich so: Mit dieser Meinung ist Depiereux längst nicht mehr allein. Viele Länder erwägen Social-Media-Verbote für Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren, in Australien ist schon eines in Kraft getreten. Dahinter steckt die Sorge, dass sich das stundenlange Scrollen durch meist schnell geschnittene Kurzvideos negativ auf die Entwicklung junger Menschen auswirkt. Es geht um suchtartiges Nutzungsverhalten und damit korrelierende Befunde wie Depressionen, Schlafprobleme oder Essstörungen. Lotta ist im vergangenen Jahr ausgezogen und studiert inzwischen Psychologie in London. Auch Lottas jüngerer Bruder bekommt mit 14 Jahren das erste Mal Zugriff auf ein eigenes Handy – muss dafür aber einen speziellen „Nutzungsvertrag“ mit seinem Vater unterschreiben. Handy Nutzungsvertrag zwischen L. Depiereux und Katja & Philipp Depiereux In der zwölften Klasse fertigt Lotta eine große Projektarbeit samt eigener Website an. Der Titel: „The Mindful Generation Journal“. Inspiriert ist es unter anderem von den Arbeiten des Psychologen Jonathan Haidt, der wahrscheinlich prominenteste Verfechter eines Social-Media-Verbots für Unter-16-Jährige. Im Vorwort heißt es übersetzt: