FAZ 22.09.2026
07:30 Uhr

F.A.S. EXKLUSIV: Frankfurter Gründer will dem Nius-Finanzier Frank Gotthardt Beine machen


Jede Arztpraxis braucht Software. Doch mit dem vorherrschenden Produkt der Gotthardt-Firma Compugroup Medical sind viele unzufrieden. Jetzt bekommt sie neue Konkurrenz.

F.A.S. EXKLUSIV: Frankfurter Gründer will dem Nius-Finanzier Frank Gotthardt Beine machen

Angriffslustiger Gründer mit zahlungskräftigem Geldgeber trifft auf Platzhirsch mit vielen unzufriedenen Kunden: So lässt sich die aktuelle Lage auf dem deutschen Markt für Praxissoftwaresysteme zusammenfassen. Jede Arztpraxis im Land braucht so eine Software. Was für ein lukratives Geschäft darin steckt, hat Frank Gotthardt vorgemacht, der 1987 in Koblenz sein Unternehmen Compugroup Medical (CGM) gründete und damit reich wurde, bevor er sich als Finanzier des rechtspopulistischen Nachrichtenportals Nius und seines Chefredakteurs Julian Reichelt in die Schlagzeilen brachte. Die Kundschaft ist notorisch unzufrieden mit den CGM-Produkten, das zeigt sich regelmäßig in Befragungen des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung. Die Ärzte bemängeln vor allem hohe Kosten und intransparente Preise. Von Quartal zu Quartal entschieden sich zuletzt jeweils mehrere Hundert Praxen dafür, zu einem anderen Anbieter zu wechseln. Wie die F.A.S. vorab erfahren hat, mischt das Frankfurter Start-up Eterno künftig kräftig mit in dieser Umsortierung. Das Unternehmen, dem das Private-Equity-Haus Verdane im Sommer eine Kapitalspritze von mehr als 100 Millionen Euro verabreicht hat, übernimmt die Berliner IT-Firma Doc Cirrus. Damit steigt Eterno, dessen bekanntester Investor der Fußballer Mario Götze ist, in die Gruppe der großen Praxissoftwareanbieter auf. Und Max Waldmann, der Eterno 2019 gegründet und der F.A.S. seine Ambitionen im Januar noch aus viel schwächerer Position geschildert hat, lässt seinen Worten eine beachtliche Tat folgen. Bisher läuft die Doc-Cirrus-Software namens Insuite nach Unternehmensangaben in rund 8000 Praxen. Compugroup versorgt mit seinen verschiedenen Programmen nach eigener Zählung rund 30.000 von insgesamt etwas mehr als 100.000 Praxen in der Bundesrepublik. „Wir wollen in den kommenden zwei Jahren in die Top 3 kommen“, sagt Eterno-Chef Waldmann nun. Er sieht die technologische Entwicklung auf seiner Seite. Ging es einst vor allem darum, die Abrechnungen mit der Krankenkasse abzuwickeln, sei die Software heute ein regelrechtes Betriebssystem für die Praxis. Dazu müssten weitreichende digitale Hilfestellungen für die Diagnose und die Möglichkeit zur Einbindung vieler weiterer Programme gehören. Waldmann verspricht, die Vorteile von Künstlicher Intelligenz (KI), Datenwolke („Cloud“) und offener Systemarchitektur auszuschöpfen. „Es geht viel günstiger als bisher üblich.“ Dass indes nicht jeder Angreifer auf diesem Feld zum Erfolg verdammt ist, hat zuletzt der französische Anbieter Doctolib bewiesen. Das Unternehmen, das als Terminvermittler auch in Deutschland kaum mehr wegzudenken ist, kommt mit seiner neuen Praxissoftware hierzulande bisher nur schleppend voran. Womöglich liegt das an der berüchtigten deutschen Gesundheitsbürokratie, die auch Softwareanbietern viel abverlangt.