FAZ 01.10.2026
16:48 Uhr

Exportstopp angedroht: USA sollen Deutschland zur Freigabe von Dieselreserven gedrängt haben


US-Präsident Trump verfolgt das Kalkül, die hohen Preise für Kraftstoffe vor den Zwischenwahlen zu senken. Er fordert offenbar die Freigabe von 120 Millionen Diesel-Fässern. Die EU-Kommission ist alarmiert.

Exportstopp angedroht: USA sollen Deutschland zur Freigabe von Dieselreserven gedrängt haben

Die US-Regierung drängt Deutschland und Frankreich nach Angaben von Insidern zur ⁠Freigabe ihrer Dieselreserven und droht andernfalls mit einem Exportstopp. US-Präsident Donald Trump will damit vor den Zwischenwahlen im November die hohen Kraftstoffpreise senken, wie die Nachrichtenagentur Reuters am Donnerstag unter Berufung auf drei mit den Vorgängen Vertraute berichtete. „Es ist ‌im besten Interesse Europas, mit den Vereinigten Staaten zusammenzuarbeiten“, sagte einer der Insider, ein US-Regierungsvertreter, zu Reuters. Einer zweiten Quelle aus einer europäischen Hauptstadt zufolge haben die USA die EU aufgefordert, in den nächsten sechs Monaten ‌120 Millionen Fässer Diesel freizugeben. Dem Magazin „Der ‌Spiegel“ zufolge handelt es sich um eine zusätzliche Forderung, die über im März getroffene Vereinbarungen hinausgeht. Sie sei unter anderem Gegenstand eines Schreibens des US-Energieministeriums an das von Katherina Reiche (CDU) geleitete Bundeswirtschaftsministerium in Berlin gewesen. In Brüssel sei die Drohung mit Besorgnis registriert worden, ​hieß es aus der EU-Kommission. Große europäische Staaten, darunter ⁠auch Großbritannien, würden sich in einer Schalte abstimmen. Deutschland bezieht fünf Prozent seines Diesel-Bedarfs aus den USA Eine Sprecherin des Bundeswirtschaftsministeriums sagte, entscheidend seien koordinierte Lösungen mit dem Ziel, die Märkte zu stabilisieren. „Eventuelle Maßnahmen müssen auf einer sorgfältigen gemeinsamen Lagebewertung im Rahmen der dafür vorgesehenen internationalen Verfahren beruhen. Grundsätzlich gilt: Der Markt darf nicht verunsichert werden.“ Zur Stabilisierung der ⁠Märkte sei ‌Deutschland Anfang März an einer historischen Freigabe strategischer Ölreserven beteiligt gewesen. Derzeit gebe es keine neuen Anforderungen seitens der Internationalen Energieagentur (IEA). „Wir spekulieren nicht über eventuell künftige Ereignisse.“ Der „Spiegel“ zitierte den Chefvolkswirt der Commerzbank, Jörg Krämer, mit der Einschätzung, Diesel könne sich um 20 ⁠bis 25 Prozent verteuern. ⁠Europa ist nach dem Einfuhrverbot für russische Produkte wegen des Ukraine-Krieges und Lieferunterbrechungen aus dem Nahen Osten infolge des Krieges gegen ⁠den Iran stärker ​auf US-Treibstoff ⁠angewiesen. Deutschlands Abhängigkeit von US-Diesel liegt dem Bericht zufolge ​bei etwa fünf Prozent des Bedarfs. Die US-Regierung ist den Insidern zufolge ‌verärgert, weil Deutschland und Frankreich frühere Zusagen zur Freigabe von Notreserven nicht vollständig umgesetzt hätten. Aus dem Bundeswirtschaftsministerium hieß es dem „Spiegel“ ​zufolge dagegen, von den im Frühjahr zugesagten Mengen sei ​nur ein Bruchteil abgerufen worden.