Wenn man dir auf Social Media folgt, sieht man schnell: Zum Essen einladen und Hosting sind dein Leben – beruflich wie privat. Was bedeutet Hosting für dich? Für mich bedeutet Hosting vor allem, Menschen willkommen zu heißen und einen Raum zu schaffen, in dem sich alle wohlfühlen. Ich glaube, das ist die eigentliche Kunst. Oft kommen ganz unterschiedliche Menschen zusammen – in großen oder kleinen Gruppen. Allen das Gefühl zu geben, dass sie richtig sind und einen Platz am Tisch haben, das ist für mich das Schönste am Hosting. Darum sollte es im Kern gehen. Mit „Herrlich Hosting“ hast du dieser Haltung nun sogar ein ganzes Buch gewidmet. Was kann man von deinem ersten Kochbuch erwarten? Als wir angefangen haben, über ein Kochbuch nachzudenken, ist mir aufgefallen, dass es unzählige Bücher gibt, die sich bestimmten Küchen, Jahreszeiten oder Gerichten widmen. Was ich vermisst habe, war ein Buch, das vom Gastgeben erzählt. Ein Buch für Situationen wie: Ich möchte eine bestimmte Gruppe zu mir nach Hause einladen, ich will meine Hochzeit selbst catern, Weihnachten besonders gestalten oder ein besonderes Date hosten – und brauche dafür eine Art Handbuch. „Herrlich Hosting“ ist deshalb mehr als ein klassisches Kochbuch. Es enthält zwar genauso viele Rezepte, aber auch sehr viel Bild- und Editorialmaterial, das inspirieren und Geschichten erzählen soll. In den Kapiteln teile ich persönliche Anekdoten darüber, wie es sich anfühlt, in unterschiedliche Hosting-Situationen geworfen zu werden. Der Untertitel „anywhere, anyone, anytime“ spiegelt die Struktur des Buches wider: Es geht ums Hosten an unterschiedlichen Orten, zu verschiedenen Tageszeiten, für große und gemischte Gruppen – und am Ende darum, sich selbst dabei nicht zu verlieren und die eigene Herkunft, Ideen und Persönlichkeit mit an den Tisch zu bringen. Ein Highlight sind komplette Menüvorschläge inklusive Rezepten, Einkaufslisten und Checklisten: Was mache ich am Vortag, was am selben Tag? Ergänzt wird das durch Dos and Don’ts, Hosting-Hacks und kleine Hilfen, die dafür sorgen sollen, dass Einladende entspannt bleiben. Du hast schon unzählige Essen gehostet – was war für dich bislang die größte Herausforderung? Eigentlich war jedes einzelne Event eine Herausforderung. Daher kommt wahrscheinlich auch meine Grundentspannung. Gestern hatte ich zum Beispiel 15 Freunde und Freundinnen zu Gast und habe erst anderthalb Stunden vor ihrer Ankunft angefangen zu kochen. Mein Mitbewohner meinte, das sei viel zu knapp – für mich war klar: Das ist genau richtig so. Wenn man oft in ganz unterschiedlichen Kontexten hostet – in Fußballstadien, Gewächshäusern, für Content Creators, CEOs oder Hochzeiten –, stellt sich mit der Zeit eine gewisse Gelassenheit ein. Gerade Hochzeiten sind ein gutes Lernfeld, weil dort klar wird: Man kann es nie allen recht machen. Wenn man das akzeptiert, merkt man, dass eigentlich nichts wirklich dramatisch ist. Am Ende geht es darum, den Menschen ein gutes Gefühl zu geben. Als gastgebende Person zu sagen: Ich habe das im Griff, ihr könnt euch entspannen. Ich bin die Kapitänin, und das Boot fährt genau dahin, wo es hinsoll. Wahrscheinlich habe ich auf Hochzeiten am meisten gelernt. Vor allem, dass das Soziale beim Hosten oft unterschätzt wird. Alle sprechen über Essen und Tischdeko – aber was ist mit der Stimmung? Niemand erinnert sich daran, wie die Serviette lag. Entscheidend ist, ob alle einen guten Abend hatten. Drei knackige Tipps für alle, die gerade erst mit dem Hosten anfangen – worauf sollte man achten? Meine Mutter hat immer gesagt: Die Kirche im Dorf lassen. Das heißt: nicht übertreiben. Auch wenn mein Instagram-Profil etwas anderes vermuten lässt – nicht zu übertreiben bedeutet, nur das zu machen, was man wirklich kann und womit man sich wohlfühlt. Wenn man einladen möchte, aber nicht gerne kocht, dann bestellt man eben Pizza. Das ist auch Hosting. Es ist völlig okay, bei den eigenen Möglichkeiten zu bleiben und zu sagen: Ich decke gerne den Tisch, aber Kochen macht mir keinen Spaß. Diese Ehrlichkeit bringt Entspannung. Ganz konkret würde ich daher sagen: Erstens, übernehmt euch nicht. Kocht das, was ihr schon einmal gut gemacht habt. Wenn eure Lasagne funktioniert, dann macht genau diese Lasagne noch einmal. Zweitens: Findet einen roten Faden. Wie im Theater hilft ein klares Gefühl dafür, worum es an diesem Abend geht. Das kann ein Thema sein, ein Stil, saisonale Gerichte oder ein Happening wie ein Raclette-Abend. Drittens: Ein gedeckter Tisch ist die halbe Miete. Menschen kommen rein und sehen ihre kleine Bühne – einen Tisch, an dem alle ihren Platz haben. Über das Visuelle lässt sich viel auffangen, was an anderer Stelle vielleicht wackelt. Herrlich steht genau dafür: Essen als Kunst zu verstehen und ihm die Bühne zu geben – mit einer schönen Tischdecke, alten Tellern oder Gläsern aus dem Familienfundus. Welchen Stellenwert hat die passende Tischdekoration für dich beim Hosting? Für mich hat Tischdekoration einen hohen Stellenwert, auch wenn das nicht alle so sehen. Natürlich ist das Essen wichtig, aber ich habe immer wieder erlebt, dass Menschen ein fast kindliches Strahlen im Gesicht haben, wenn sie sich an einen schön gedeckten Tisch setzen. Das kann genauso gut ein Picknick sein wie ein Dinner zu Hause. Es geht dabei um Kleinigkeiten: echte Gläser, eine spannende Blumenidee, viele Kerzen. Ich glaube, wir dürfen nicht vergessen, dass wir alle ein ästhetisches Empfinden haben und uns in Räumen wohler fühlen, die durchdacht sind und ein Konzept haben. Das macht einen Moment besonderer und sorgt dafür, dass Menschen präsenter sind. Wenn wir an einem gedeckten Tisch sitzen, fühlen wir uns wacher, aufmerksamer, mehr da. Deshalb denke ich das immer mit. Ich sage auch oft: Das Essen muss nicht perfekt aussehen – aber der Tisch darf es gern sein. Ein zentraler Teil deiner Hosting-Philosophie ist der Abschied von Perfektion. Wie geht man damit um, wenn trotz viel Planung dann doch etwas schiefgeht? Das lernt man leider oft auf die harte Tour, deshalb gebe ich diese Erfahrung auch gerne weiter. Gerade am Anfang meiner Hosting-Arbeit ist sehr viel schiefgegangen. Ich kann gar nicht zählen, wie oft Teller gefehlt haben, ein Dessert misslungen ist oder sich eine Tarte Tatin beim Stürzen komplett verabschiedet hat – und damit ein ganzer Gang verloren war. Mit der Zeit lernt man, dass es weniger darauf ankommt, was genau auf dem Tisch steht, sondern darauf, wie man beim Hosten ist. Es kann unglaublich souverän sein, zu einer Runde zu gehen und zu sagen: „Lustige Geschichte – wir bestellen jetzt Eis beim Lieferservice.“ Man unterschätzt oft, wie freundlich und dankbar Menschen sind – allein schon dafür, dass sie eingeladen wurden und sich jemand die Mühe gemacht hat, den Tisch zu decken. Als einladende Person bedeutet das auch, Kontrolle abzugeben und sich verletzlich zu machen. Zu sagen: „Ich mache hier nichts Perfektes, aber ich meine es gut.“ Diese Haltung funktioniert eigentlich immer. Und ja, wenn man zwischendurch mal auf der Toilette weinen muss, weil alles zu viel wird, ist das auch okay. Wichtig ist nur, sich nicht zu lange an dem aufzuhalten, was nicht geklappt hat – vor allem dann nicht, wenn man eigentlich etwas Schönes für andere schaffen wollte. Um das Buch zu produzieren, seid ihr viel gereist – Griechenland, Albanien, Schottland. Wie kam es zu dieser Auswahl? Gemeinsam mit meiner Freundin und Kollegin Hannah Aschenbrenner habe ich mich gefragt: Welche Hosting-Situationen wollen wir erzählen? Wir wollten unbedingt diese Mamma-Mia-Ästhetik – Weiß, Spitze, wunderschöne Landschaften. Griechenland, genauer gesagt die Insel Naxos, war für uns der perfekte Ort, um eine Hochzeit für das Kapitel „anyone“ zu inszenieren. Danach wollten wir ein Gefühl von Roadtrip, das Spontane und Wilde transportieren. So sind wir nach Albanien gekommen, in ein winziges Bergdorf im Süden. Dort ging es um das Kapitel „anywhere“: Egal ob auf einem Fischerboot, einem Felsen oder mit einer Luftmatratze – überall kann man hosten. Schottland war eine sehr persönliche Entscheidung. Meine Eltern haben dort ihre Flitterwochen verbracht und seit meiner Kindheit von der besonderen Gastfreundschaft erzählt: von B&Bs, von riesigen Frühstücksbuffets. Daher war für mich von Anfang an klar: Um Daytime- und Teatime-Hosting zu erzählen, ist Schottland der perfekte Ort. Am Ende ging es nach NRW – meine Heimat. Dieses Kapitel, in dem es um Desserts geht, steht dafür, sich selbst beim Hosten nicht zu verlieren. Ich habe gemerkt, wie schnell man versucht, jemand anderes zu sein: die perfekte Köchin, die Weinexpertin. Dabei bin ich jemand aus dem Ruhrpott, dem es um Witz, Wärme und Einfachheit geht. Diese Erkenntnis musste Teil des Buches sein. Wie wichtig ist es fürs Hosting, Persönlichkeit einzubringen? Ich glaube, jede Art zu hosten ist legitim. Es gibt Menschen, die lieben das Kochen, aber nicht die Aufmerksamkeit – die bleiben lieber in der Küche. Auch das ist eine Form von Persönlichkeit. Trotzdem zeigt Hosting immer etwas sehr Persönliches: den Wunsch nach Zusammensein. Sich an einen Tisch zu setzen, miteinander zu essen und zu sprechen – das ist verletzlich. Viele verbinden gemeinsames Essen aus der Kindheit mit Druck. Umso schöner ist es, sich das im Erwachsenenalter neu anzueignen, im Kontext von Wahlfamilien. Man darf sich seine Rolle selbst bauen. Wer nicht erklären möchte, was auf dem Teller liegt, stellt es einfach hin. Oder bittet eine vertraute Person, an dem Abend ein bisschen zu moderieren. Hosting muss nicht laut sein. Es darf auch ganz leise funktionieren. Wie hast du die Produktionszeit erlebt – welche Momente sind dir besonders geblieben? Es war eine der schönsten Zeiten meines Lebens. Besonders Albanien hat sich eingebrannt. Wir haben dort auf dem Wasser produziert, mit einem kleinen Ruderboot, das wir zufällig in einer Bucht entdeckt haben – es war perfekt. Also haben wir das Essen und das mehrere Tausend Euro teure Fotoequipment auf einer Luftmatratze zum Boot transportiert. Dabei wurde ich etwas seekrank. Ich legte mich an den Strand, und eine Frau aus einem nahe gelegenen Restaurant holte mir spontan Limo und Snacks von zu Hause. Abends haben wir immer bei einer Familie gegrillt, auf ihrer Terrasse mit Panoramablick. Der Vater stand am Grill, die Mutter kümmerte sich um Salate und Dips, und der Sohn hat gekellnert, uns das selbst gemachte Olivenöl und den selbst gemachten Wein gezeigt und erzählt, dass sie das jedes Jahr so machen und er extra aus der Stadt kommt, um mit seinen Eltern zu grillen. An einem anderen Tag waren wir in einem Restaurant, und die Inhaberin hat mitbekommen, dass wir auf der Suche nach bestimmten Kräutern waren. Daraufhin hat sie uns in ihren Kräutergarten eingeladen. Dieses Dorf hat uns für eine Woche seine Welt geöffnet. Wir haben nach Plastikstühlen gefragt, kiloweise Tomaten gekauft und sie am Ende an die Dorfbewohner verteilt. Die Zeit dort steht stellvertretend für genau den Hosting-Geist, den wir mit dem Buch einfangen wollten. Obwohl es dein Beruf ist, lädst du auch privat oft Menschen zum Essen ein. Woher kommt diese Leidenschaft fürs Einladen? Ich habe mir selbst das Versprechen gegeben, als ich meine größte Leidenschaft – Menschen zum Essen einzuladen – zum Beruf gemacht habe, dass ich privat nicht damit aufhöre. Das fühlt sich auch ganz anders an und ist mir extrem wichtig. Mit meinem Freundeskreis habe ich zum Beispiel eine Sunday-Roast-Gruppe: Sonntags können alle zu mir kommen, und ich koche etwas. Einfach, weil ich nicht vergessen möchte, worum es mir im Kern geht. An diesen Tagen ist es ganz bewusst so, dass keine Fotos gemacht werden und der Tisch nicht extrem inszeniert ist. Schon in der Schulzeit habe ich gemerkt, wie sehr ich das liebe. Wir wohnten nah an der Schule, und in der Mittagspause habe ich oft vorgeschlagen, zu mir zu gehen statt in die Mensa. Häufig hatte ich das Essen schon am Vorabend dafür vorbereitet. Dieses Organisieren, Einladen und Versorgen ist ein ganz natürlicher Impuls für mich. Und ich glaube, viele Menschen haben das in sich – es ist schön, wenn man es im Alltag ausleben kann. Gerade in der heutigen Zeit, in der modernen Großstadt, wo alle weit auseinander wohnen und wenig Zeit haben, ist Hosting – also mit Menschen aus dem eigenen Umfeld im eigenen Zuhause zusammenzukommen – selten geworden. Total. Eine Freundin von mir hat in ihrem Freundeskreis die sogenannten Casual Tuesdays etabliert. Sie treffen sich jeden Dienstagabend, alle sind berufstätig, Zeit ist knapp, und es gibt immer etwas ganz Einfaches – Spaghetti mit irgendeiner Soße. Aber es ist trotzdem Hosting, weil eingeladen und füreinander gekocht wird. Ich finde, das ist eine der schönsten Love Languages: andere zu versorgen und zu sagen, ich habe euch Essen gekocht. Gerade in Großstädten würde es uns guttun, wieder öfter zusammen an Tischen zu sitzen – nicht nur in Bars, so wichtig sie auch sind –, sondern uns gegenseitig in unseren privaten Raum einzuladen. Denn das erzählt immer auch eine wichtige Geschichte über den Menschen. Wie sieht für dich das perfekte Weihnachtsdinner aus? Lehnst du dich da mal zurück? Weihnachten war bei uns immer besonders. Mein Vater ist Pfarrer, für ihn ist es also die anstrengendste Zeit im Jahr. Essen musste schnell gehen – meist gab es bei uns daher Raclette. Ich finde das nach wie vor charmant. Ich liebe Mehrgangmenüs, genauso cool finde ich aber auch ein unkompliziertes Raclette zu Hause. Ich glaube, es tut gut, an Weihnachten von Traditionen loszulassen und auf die Bedürfnisse aller zu achten – sei es eine vegetarische Essgewohnheit oder die Erkenntnis, dass sich niemand damit quälen muss, einen halben Tag lang einen Gänsebraten zu machen. Genauso schön finde ich es aber auch, wenn man das möchte. Dafür habe ich große Hochachtung. Ich persönlich freue mich allerdings, an diesen Tagen mal nicht zu kochen. Ich freue mich auf eine entspannte Zeit im Schlafanzug und über jedes Essen, das mir jemand auf den Tisch stellt.
