Hitze und Trockenheit hinterlassen Spuren in den Erträgen der Landwirte. Die Getreideernte wird in Deutschland in diesem Jahr besonders gering ausfallen, warnt der Deutsche Bauernverband (DBV) in seiner am Dienstag vorgestellten Erntebilanz. Der Verband rechnet mit einem unterdurchschnittlichen Ertrag von 41,9 Millionen Tonnen. Das sind sieben Prozent weniger als im Vorjahr, als 45,2 Millionen Tonnen Getreide geerntet wurden. Allerdings fällt der Ertrag damit besser aus als im Dürrejahr 2018 (37,9 Tonnen) und im regnerischen Jahr 2024 (39 Tonnen). Grund für die diesjährigen Einbußen waren ein zu trockenes Frühjahr und die Hitzewelle von Mitte Juni an. Besonders hart traf die Hitze das Getreide demnach während der Kornfüllungsphase, der wichtigen Entwicklungsphase nach der Blüte. Wachstum und Reife seien vielerorts deutlich beeinträchtigt worden. Von den Ertragseinbußen sind alle Getreidearten betroffen: Je Hektar wurden nur knapp 6,9 Tonnen Getreide geerntet, neun Prozent weniger als im Vorjahr. Am stärksten war der Ertragseinbruch beim Winterraps – nur 3,3 Millionen Tonnen waren es. Neben den schwierigen Witterungsbedingungen sorgten hier auch Schädlinge und fehlende Gegenmittel für das schwache Ergebnis. Auch beim Winterweizen, der wichtigsten Anbaukultur, ging die Erntemenge zurück. Mit 20,7 Millionen Tonnen lag sie sieben Prozent unter dem Vorjahreswert. Die Wintergerste hingegen konnte mit 9,5 Millionen Tonnen das Niveau des Vorjahres halten. Sie war schon vor Beginn der Hitzewelle größtenteils ausgereift. Die Ernteergebnisse unterscheiden sich regional deutlich. „Insbesondere in Süd- und Westdeutschland haben fehlende Niederschläge zu schwachen Erträgen bis hin zu Missernten bei einzelnen Kulturen geführt“, sagt Bauernpräsident Joachim Rukwied. Obstbauern und Viehhalter ebenfalls unter Druck Auch bei den Obstbauern fällt die Bilanz teilweise ernüchternd aus. Laut Statistischem Bundesamt wird eine unterdurchschnittliche Apfelernte von rund 934.000 Tausend Tonnen erwartet. Das sind 5,4 Prozent weniger als im Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre. Lediglich die Pflaumen- und Zwetschenernte wird besser ausfallen: Erwartet werden 49.300 Tausend Tonnen, 11,5 Prozent mehr als im Zehnjahresdurchschnitt. Zusätzliche Sorgen bereitet dem Deutschen Bauernverband die Situation der Tierhalter. Wegen der geringen Erträge bei Grünland und Silomais hat sich die Futterversorgung auch hier deutlich verschlechtert. Futtermittel müssten daher teuer zugekauft oder Tierbestände abgebaut werden. Die Politik ist gefordert Die Ernteausfälle treffen die Landwirtschaft in einer ohnehin angespannten Lage. Niedrige Erzeugerpreise, hohe Kosten für Diesel, Düngemittel und Pflanzenschutz sowie die schlechten Ertragsbilanzen der letzten drei Jahre würden den Betrieben finanziell schwer zusetzen. Viele Höfe kämpften mit mangelnder Liquidität. Bauernpräsident Rukwied fordert deshalb Soforthilfen von der Bundesregierung. Neben einer nochmaligen zeitlich begrenzten Steuersenkung auf Agrardiesel verlangte er, die Düngemittelhilfen auf 180 Millionen Euro aufzustocken. Zudem sollten EU-Direktzahlungen zu 80 Prozent schon im Oktober ausgezahlt werden. Die verbleibenden 20 Prozent könnten dann im Dezember folgen. Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer (CSU) signalisierte im „ZDF-Morgenmagazin“ Unterstützung für die Landwirte. Allerdings könnten konkrete Hilfen erst bei belastbaren Daten geleistet werden. Ein 200 Millionen Euro umfassendes Sofortprogramm sei bereits von der Landwirtschaftlichen Rentenbank aufgelegt worden. Den Landwirten genügt das offenbar nicht. Landwirtschaftsminister Rainer will zudem die EU für Hilfen in der aktuellen Situation einspannen. Der „Rheinischen Post“ sagte Rainer: „Auch dem EU-Agrarkommissar habe ich die besorgniserregende Situation auf unseren Äckern und Weiden geschildert und deutlich gemacht, dass im Ernstfall auch Europa gefordert ist.“ Dass die Preise für Verbraucher unmittelbar steigen werden, glaube der Minister hingegen nicht.
