FAZ 26.03.2026
06:30 Uhr

Entsiegelung von Flächen: Frankfurt reißt das Pflaster raus


Frankfurt hat im vergangenen Jahr als erste Großstadt den Wettbewerb „Abpflastern“ gewonnen. Jetzt geht es weiter mit dem Entsiegeln von Flächen.

Entsiegelung von Flächen: Frankfurt reißt das Pflaster raus

Einen gerade aus dem Boden entfernten Pflasterstein zur Erinnerung: Mit diesem Souvenir in der Hand durften sich jetzt Mitglieder des Frankfurter Klimaentscheids und der Klimaschutz-Initiative Riedberg belohnen. Beide Initiativen kämpfen seit Jahren für mehr Begrünung und die Entsiegelung von Flächen in der im Sommer stark aufgeheizten Stadt. Frankfurt erreicht regelmäßig Spitzenwerte bei den Temperaturen. In diesem Fall hat das Grünflächenamt auf Anregung der Bürger damit begonnen, einen gepflasterten und von Bäumen gesäumten Streifen am Rand des Bonifatiusparks im Stadtteil Riedberg aufzureißen. Auf einer Fläche von 90 Quadratmetern sollen dort Steine, Splitt und Schotter – Letzteren gibt es dort bis in sechzig Zentimeter Tiefe – abgeräumt werden. Rund 9000 Pflastersteine sind es, die das Grünflächenamt allein in diesem westlichen Teil des Bonifatiusparks am Ende entfernt haben wird. Pflastersteinen folgen Staudenbeete Ziel ist es, die sich aufheizenden, versiegelten Flächen zu verringern und den in Reih und Glied stehenden Bäumen, die bisher nur im Umfang stark begrenzte Einzelstandorte hatten, künftig ausreichend Raum für ihre Wurzeln in den durchgängigen Baumbeeten zu bieten. Auf den neu entstehenden Flächen sind zudem Beete mit Stauden geplant, die besonders widerstandsfähig gegen Hitze und Trockenheit sind, wie Königskerzen, Margeriten, Wegwarte oder Kamille. Das Grünflächenamt will die Beete nach Ostern bepflanzen. „Bei Regen strömte das Wasser bisher über die kleinen Pflanzinseln der Bäume einfach hinweg, lief über das Pflaster in die Kanalisation“, sagt Grünflächenamtsleiterin Heike Appel. Künftig werde das Regenwasser in den Beeten gehalten. Appel wie auch Umweltdezernentin Tina Zapf-Rodríguez (Die Grünen) wissen, dass die Entsiegelung einer Fläche von 90 Quadratmetern auf den ersten Blick sehr überschaubar wirkt. Doch sie sind überzeugt, dass jede noch so kleine Fläche im Zusammenspiel mit weiteren im Stadtgebiet Wirkung zeigen werde. „Jede entsiegelte Fläche verbessert das Stadtklima, fördert die Biodiversität und hilft, Hitzeinseln zu reduzieren“, sagt Zapf-Rodríguez. Die rund 9000 Pflastersteine sind die ersten in diesem Jahr, die entfernt werden. Im vergangenen Jahr waren schon im östlichen Teil des Bonifatiusparks die Baumscheiben in Baumbeete verwandelt worden. Und auch andernorts in Frankfurt haben Bürger Entsiegelungen angestoßen, etwa in Eschersheim, wo auf dem im Volksmund „Bäckerplatz“ genannten Areal an der Straße Im Geeren kleine begrünte Flächen geschaffen wurden. Im Mai plant die Klimainitiative Eschersheim ein Pflanzfest und will weitere 50 Quadratmeter entsiegeln. Aber auch andernorts, wie etwa an der Textorschule in Sachsenhausen und einer Verkehrsinsel an der Walter-Leiske-Straße im Stadtteil Dornbusch, wird gegen Steinwüsten vorgegangen. Frankfurt gewinnt 2025 den „Abpflastern“-Wettbewerb Das alles hat die AG Stadtgrün des Klimaentscheids mit Bettina Metzler an der Spitze ermutigt, Frankfurt im vergangenen Jahr für die erste Runde eines neuen Wettbewerbs, der in Deutschland ausgetragen wird, anzumelden. Er heißt „Abpflastern“ und wurde von Studenten des Masterstudiengangs Ökonomie der Hochschule für Gesellschaftsgestaltung in Koblenz ins Leben gerufen. Dabei sollen Städte und Gemeinden „in einem freundschaftlichen Wettbewerb“ darum konkurrieren, möglichst viele Flächen zu begrünen. Die Initiative zur Teilnahme kann, so heißt es, von der Stadt selbst, aber auch von Vereinen, Organisationen oder den Bürgern selbst kommen. Die Idee dazu stammt aus den Niederlanden. Dort wurde ein solcher Wettbewerb zum ersten Mal im Jahr 2020 ausgetragen, zunächst nur zwischen den Großstädten Amsterdam und Rotterdam. Inzwischen nimmt das ganze Land teil am „Tegelwippen“, am Pflastersteine entfernen. Wobei in den Niederlanden die Bürger inzwischen auch aufgefordert sind, ihre privaten Flächen zu entsiegeln und so am Wettbewerb teilzunehmen. Während in Frankfurt die Stadtverwaltung auf Wunsch der bisherigen Römerkoalition 2025 noch dabei war zu prüfen, ob sich die Stadt für den Wettbewerb „Abpflastern“ bewerben solle, ist der Klimaentscheid nach eigenen Angaben eingesprungen und hat die Stadt mit den genannten Entsiegelungen angemeldet. Prompt hat Frankfurt in der Kategorie der Großstädte vor Darmstadt und Hamburg gewonnen. Und die Mainmetropole will auch in diesem Jahr wieder dabei sein. Die Pflastersteine vom westlichen Teil des Bonifatiusparks bilden den Auftakt für die Teilnahme am „Abpflastern“ 2026.  Der Wettbewerb hat am 21. März begonnen.