FAZ 14.09.2026
13:20 Uhr

Englisches Schulessen: Pommes Frites sind künftig verboten


Die englische Regierung reformiert das Schulessen: Nicht nur Kartoffelchips, sondern auch frittierte Kartoffeln sollen von den Tellern verschwinden. Und auch Spiegeleier sind gestrichen.

Englisches Schulessen: Pommes Frites sind künftig verboten

Englische Schulkinder müssen künftig auf eines ihrer Lieblingsessen verzichten: Das Erziehungsministerium verbietet den Schulküchen die Zubereitung und Ausgabe von Pommes Frites. Kartoffelschnitze dürfen künftig nur noch serviert werden, wenn sie im Backofen gegart wurden; frittierte Speisen sind generell nicht mehr zulässig. Stattdessen sollen frische Früchte und Gemüse, Vollkornprodukte und ballaststoffreiche Speisen einen höheren Anteil erhalten. Die Zahl englischer Schüler, die nicht zu Hause, sondern mittags, aber auch morgens, in Schulmensen essen, steigt ständig. Die Regierung hat den Kreis der Kinder, die ein Anrecht auf eine kostenlose Speisung haben, zum Schuljahresbeginn auf alle Familien mit sozialer Unterstützung ausgeweitet, überdies werden an immer mehr Schulen „Frühstücks-Clubs“ eingerichtet, die vor dem Unterrichtsbeginn eine erste Mahlzeit anbieten. Schoko-Pops und Nutella stehen auch auf dem Index Diese Mahlzeit darf nach den neuen Vorschriften jedoch keine Spiegeleier mehr enthalten – gebratener Speck steht ohnehin nicht auf dem Speisezettel. Auch süßes Gebäck ist jetzt gestrichen; für Cornflakes und Müsli gelten fortan Obergrenzen im Zuckergehalt. Schoko-Pops und Nutella stehen fortan gleichfalls auf dem Index. Das Londoner Erziehungsministerium teilte mit, die neuen Vorschriften sollten Übergewicht bei Kindern reduzieren, ihre Ernährung verbessern und dazu dienen, ihre Konzentrationsfähigkeit und ihr Wohlbefinden zu steigern. „Turkey Twizzlers“ bekamen viel Aufmerksamkeit Vor rund 20 Jahren startete der Fernsehkoch Jamie Oliver einen ersten Kreuzzug gegen ungesunde Mahlzeiten für Schulkinder, vor allem gegen hochverarbeitete frittierte Produkte wie frittierte panierte Geflügelbällchen oder Kartoffelchips. Oliver waren damals die „Turkey Twizzlers“ ein besonderer Dorn im Auge – in Öl ausgebackene Stäbchen aus Truthahnfleisch, die mindestens zu einem Fünftel aus Bratfett bestanden. Als Ergebnis seiner Kampagne, das Produkt von den Tellern der Schulküchen zu verbannen, stieg der Gesamtabsatz der „Turkey Twizzlers“ allerdings, statt zu sinken, offenbar dank der Aufmerksamkeit, die dem Produkt zuteilwurde. Kartoffelchips wurden in einer ersten Richtlinie schon vor vielen Jahren vom Speiseplan genommen. Die neuen Vorschriften lösen nun Regeln ab, die mittlerweile älter als ein Jahrzehnt sind. Sie sehen vor, dass gebratene stärkehaltige Lebensmittel, etwa Bratkartoffeln, höchstens noch zweimal wöchentlich serviert werden dürfen; Nudeln sollen mindestens einmal wöchentlich zur Hälfte aus Vollkornmehl bestehen. Alle Gerichte müssen täglich mindestens einen Anteil von Obst oder Gemüse aufweisen; gesüßte Nachtische sollen in Grundschulen nur einmal, in höheren Schulen höchstens zweimal angeboten werden dürfen. Da Erziehung im Vereinigten Königreich zu den Kompetenzen gehört, die von den einzelnen Nationen zu regeln sind, werden den Schulkindern in Schottland, Wales und Nordirland jeweils andere Speisen vorgesetzt. In Nordirland gilt beispielsweise die Vorschrift, dass Dicke Bohnen allein nicht zur Erfüllung der Gemüse-Kategorie genügen. In Schottland wiederum muss mindestens einmal in drei Wochen öliger Fisch auf dem Mensa-Tisch stehen.