FAZ 26.03.2026
15:14 Uhr

Eintracht-Frauen verlieren: „Das darf uns in einem Halbfinale nicht passieren“


Zwei Ausrutscher, eine Lehrstunde: Die Eintracht-Frauen verlieren im Europapokal 0:3. Im Halbfinalrückspiel benötigen die Frankfurterinnen nun ein „kleines Wunder“. Immerhin kehren zwei Spielerinnen zurück.

Eintracht-Frauen verlieren: „Das darf uns in einem Halbfinale nicht passieren“

Frankfurter Fußballfrauen haben in vielerlei Hinsicht Pionierarbeit geleistet. So gehörte die SG Praunheim zu den treibenden Kräften, die 1990 zur Gründung der Bundesliga beitrugen. Erfolge gingen zudem in hinreichender Zahl auf das Konto des 1. FFC, der es lange unter der Ägide Siggi Dietrichs verstand, sich national und über die heimischen Grenzen hinaus bietende Chancen gewinnbringend zu nutzen. In der Saison 2001/2002, als die Europäische Fußballunion (UEFA) den Women’s Cup ins Leben rief, der acht Jahre darauf im Gleichklang mit dem Wettbewerb der Männer zur Champions League umbenannt wurde, griff die Elf, die ihre Partien im Stadion am Brentanobad austrug, beherzt zu. Sie gewann damals den Wettbewerb. Am Mittwochabend schlug an gleicher Stelle der Versuch der Nachfolgergeneration fehl, auf dem Weg ins Finale einer Premierenveranstaltung mit ähnlicher Konsequenz aufzutrumpfen: Die 0:3 verloren gegangene Begegnung mit BK Häcken geriet zu einer desillusionierenden Vorstellung. Das Team müsse nun „ein kleines Wunder vollbringen“, bilanzierte Géraldine Reuteler. Fehler werden „eiskalt“ bestraft Vor nunmehr sechs Spielzeiten ist das Team des 1. FFC mit dem der Eintracht fusioniert worden. Die Annahme, dass daraus eine Fußballverbindung entstehen könnte, die für große Titel infrage kommen könnte, hat sich schon wiederholt als nicht tragfähige These entpuppt. Gegen den schwedischen Meister erlebte die Auswahl von Niko Arnautis eine Lehrstunde im Halbfinale des im vorigen Sommer ins Leben gerufenen Women’s Europa Cups – eines Spielfelds, auf dem sich alle Klubs im internationalen Scheinwerferschein bewähren können, die den Sprung in den illustren Kreis der Königsklasse verpasst haben. Niemand aus dem Kreis der SGE war nach der Niederlage bereit, verbal die weiße Fahne zu hissen. Doch in den Worten der Enttäuschung klangen unverhohlen Durchhalteparolen an. Arnautis sprach davon, dass sie „eiskalt bestraft“ worden seien. Am Engagement und an der taktischen Ausrichtung, die vorsah, den Gegner früh in dessen eigener Hälfte zu attackieren, gab es aus seiner Sicht nichts zu kritisieren. Anyomi und Freigang bleiben ohne Einfluss Die Eintracht kontrollierte zu großen Teilen das Geschehen, versäumte es aber, aus ihren langen Ballbesitzphasen Aktionen zu kreieren, mit denen sich die geordnete Defensive Häckens aus dem Gleichgewicht bringen ließ. Zu nennenswerten Abschlüssen im Strafraum kam es zu selten, stattdessen wies später der Statistikbogen eine Schussbilanz von 17 Frankfurter Versuchen aus, die nur zweimal ein energisches Eingreifen von Keeperin Fanney Inga Birkisdóttir erforderten. Der Qualität der Zuspiele fehlte es an entscheidenden Nuancen, nicht aufeinander abgestimmte Laufwege vermasselten in Umschaltmomenten den Vorstoß. Laura Freigang und Nicole Anyomi schöpften – wie schon öfter, wenn sie auf clevere und körperlich robuste Verteidigerinnen treffen – ihr Potential nur ansatzweise aus. Arnautis sprach von „zu wenig Boxpräsenz“, was seinen Teil dazu beitrug, dass sie, obwohl sie in allen Kategorien von der Laufleistung über die Zweikampfbilanz bis zum Eckenverhältnis vorne lagen, am Ende mit leeren Händen und hängenden Köpfen von dannen zogen. Die Schwedinnen seien in puncto Durchschlagskraft „einfach besser“ gewesen: „Häcken hat es vorgemacht.“ Verhängnisvolle „Fehler“, wie sie der Coach nannte, trugen ihr Übriges bei. Zwei Offensivoptionen kommen fürs Rückspiel hinzu Sara Doorsoun, bis dahin eine aufmerksame Hüterin des eigenen Terrains, leistete ungewollt einen Beitrag dazu, dass die Schwedinnen frohlockten. „Das darf uns in einem Halbfinale nicht passieren“, sagte Arnautis. Alva Selerud brachte Häcken in der 16. Minute in Führung. Felicia Schröder (70., 84. Minute) legte nach. Dabei profitierte sie bei ihrem ersten Treffer von einem Fehlpass Doorsouns an der Mittellinie. Schröder reagierte mit einem Weitschuss gedankenschnell: Eintracht-Keeperin Lina Altenburg stand weit vor dem Tor, bekam noch die Finger an die Kugel, doch sie rollte über die Linie. Vor dem 0:3 war wiederum ein Missgeschick der wegrutschenden Doorsoun Ausgangspunkt für den endgültigen Stimmungsabbruch im Nieselregen, der viele Besucher unter den 4100 Zuschauern zum vorzeitigen Abmarsch bewegte. Am 2. April (18.30 Uhr) wartet in Göteborg das Rückspiel und mit ihm ein „haushoher Favorit“, wie Arnautis sagte. „Wer uns kennt, weiß, dass wir nicht aufgeben“, fügte er an. Aber ohne deutlich mehr „Konsequenz“ bleibt selbst die minimale Möglichkeit Theorie. Dass mit der Australierin Hayley Raso und der Japanerin Remina Chiba, die sich beim Sieg der Asiatinnen am vergangenen Wochenende beim Asian Cup noch als Gegenspielrinnen beharkten, nach der Rückkehr aus Sydney dann wieder „Optionen für den Offensivbereich“ bereitstehen könnten, ist immerhin ein praktischer Trost – auch im Kampf um Platz 3 in der Bundesliga, der auswärts in Köln an diesem Samstag weitergeht (17:55 Uhr). Den höchsten Ansprüchen, die das Projekt Eintracht seit der Vereinigung beider Teams begleiten, dürften sie aber so oder so – gemessen an Ausgangslage und Entwicklung – auch in diesem Frühling kaum noch näher kommen.