FAZ 12.05.2026
11:21 Uhr

Druck auf Premierminister: Starmer lehnt Rücktritt ab


Der britische Premierminister will trotz wachsenden Drucks auf seinem Posten bleiben. Schließlich sei das Verfahren zu seiner Absetzung nicht eingeleitet worden.

Druck auf Premierminister: Starmer lehnt Rücktritt ab

Der britische Premierminister Keir Starmer will trotz Rücktrittsforderungen im Amt bleiben. Seine Partei habe ein Verfahren zur Absetzung des Vorsitzenden, dieses sei aber nicht eingeleitet worden, sagte Starmer Regierungsangaben zufolge während einer Kabinettssitzung am Morgen. „Das Land erwartet von uns, dass wir weiterregieren. Genau das tue ich, und genau das müssen wir als Kabinett tun“, sagte Starmer demnach. Er übernehme die Verantwortung für die desaströsen Ergebnisse bei den Kommunal- und Parlamentswahlen am vergangenen Donnerstag. „Und ich übernehme die Verantwortung dafür, den Wandel umzusetzen, den wir versprochen haben.“ Bei der Kabinettssitzung habe niemand am Tisch den Premierminister herausgefordert, sagte Arbeitsminister Pat McFadden am Mittag bei Sky News. Damit habe er den Rückhalt seiner Minister erhalten. Kurz vorher hatte ein erstes Regierungsmitglied seinen Rücktritt erklärt. Die Unterstaatssekretärin Miatta Fahnbulleh schrieb am Dienstag auf X, sie habe den Premierminister über ihren Rücktritt informiert. Gleichzeitig rief sie Keir Starmer auf, einen Zeitplan für einen geordneten Übergang an der Parteispitze aufzustellen. Bis Montagabend haben mehr als 70 Labour-Abgeordnete Starmers Rücktritt gefordert. Außenministerin Yvette Cooper und Innenministerin Shabana Mahmood riefen Starmer britischen Medien zufolge auf, für einen geordneten Machtwechsel zu sorgen. Starmer will sich weiter beweisen Auch vier Regierungsmitarbeiter verkündeten aus Protest gegen den Premierminister ihren Rücktritt. Starmer habe die Partei reformiert, sagte eine von ihnen, die frühere Außenamts-Mitarbeiterin Melanie Ward. Doch die Botschaft der Wahlen sei klar: „Der Premierminister hat das Vertrauen der Öffentlichkeit, diesen Wandel anzuführen, verloren.“ Für eine parteiinterne Abstimmung über eine Ablösung Starmers müssten 81 der insgesamt 403 Labour-Abgeordneten dem Premier das Misstrauen aussprechen. In britischen Medien werden die frühere Vize-Regierungschefin Angela Rayner oder Gesundheitsminister Wes Streeting als mögliche Kandidaten gehandelt. Bei den Wahlen am Donnerstag in England, Schottland und Wales hatten sowohl die rechtspopulistische Partei Reform UK als auch die Grünen zugelegt, während Labour auch in Hochburgen hunderte Sitze verlor. Starmer steht deswegen massiv unter Druck. „Ich weiß, dass die Menschen frustriert sind über den Zustand Großbritanniens, frustriert sind über die Politik, und manche Menschen auch frustriert sind über mich“, sagte Starmer am Montag. „Ich weiß, dass es Menschen gibt, die an mir zweifeln, und ich weiß, dass ich ihnen das Gegenteil beweisen muss – und das werde ich“, kündigte der Premier an. „Schrittweise Veränderungen“ seien angesichts der massiven Unzufriedenheit in der Bevölkerung nicht mehr ausreichend. Seine Regierung wolle daher eine „umfassendere Antwort“ geben. Starmer stellte Verbesserungen durch engere Beziehungen zur EU in Aussicht und kündigte Maßnahmen in der Energie- und Wirtschaftspolitik an, darunter ein Gesetz zur vollständigen Verstaatlichung des Stahlkonzerns British Steel.