FAZ 15.05.2026
14:19 Uhr

Double der Bayern-Frauen: Die Machtdemonstration des FC Bayern


Mit dem 4:0-Sieg über Wolfsburg im Pokalfinale sichern sich die Bayern-Frauen nicht nur das Double, sondern zeigen einmal mehr, wie sehr sie der heimischen Konkurrenz entrückt sind. Für die Liga ist das ein heikles Signal.

Double der Bayern-Frauen: Die Machtdemonstration des FC Bayern

Das letzte Kunststück, zu dem Georgia Stanway ansetzte, ließ sie dann doch bleiben – aus Sicherheitsgründen. Den Pokal auf dem Kopf zu balancieren, erschien ihr am Ende zu riskant: Der silberne Pott sollte schließlich schrammenfrei bleiben, damit auch ihre Mitspielerinnen auf dem konfettibedeckten Stadionrasen noch ihren Schabernack damit treiben konnten. Zuvor hatte die Mittelfeldstrategin mit dem FC Bayern die letzte Pflichtaufgabe dieser Saison ebenfalls auf spielerisch überzeugende Art gelöst. Mit dem 4:0 im Finale gegen den VfL Wolfsburg sicherte sich der Meister abermals das Double. Der Himmelfahrtstag in Köln war eine Münchner Machtdemonstration. Mit jeder Minute nach der Pause wurde deutlicher, warum diese Auswahl für ihre nationalen Mitbewerber außerhalb der Reichweite spielt: Die Bayern benötigten einige Ballstafetten nach dem Seitenwechsel, um die Kräfteverhältnisse offenzulegen. Sobald sie das Tempo anzogen, kam der einstige Branchenprimus einen Schritt zu spät. „Sie haben uns überholt“ Dass die scheidende VfL-Spielführerin Alexandra Popp die Wachablösung beim bis dahin letzten Showdown der beiden Klubs 2024 noch entschieden zurückgewiesen hatte, verlieh ihrer Einordnung diesmal zusätzliches Gewicht: „Sie haben uns überholt. Wir waren qualitativ nicht ebenbürtig“, urteilte die Wolfsburger Leitfigur. Nachdem Stanway den durch einen VAR-Eingriff verursachten Strafstoß in der Nachspielzeit der ersten Hälfte verwandelt hatte (45.+2 Minute), nahmen die Dinge ihren Lauf: Pernille Harder (59.), Momoko Tanikawa (78.) und Arianna Caruso (84.) schossen die übrigen Treffer. Die Rekordkulisse von 46.064 Zuschauern wartete vergeblich auf eine mitreißende Auseinandersetzung, die Atmosphäre blieb zumeist gedämpft. Die spanischen Einflüsse von Trainer José Barcala auf seinen Kader treten immer deutlicher hervor: kontrollierte Abläufe, klare Staffelungen, geduldige Ballzirkulation – und im richtigen Moment die zielgerichtete Beschleunigung. „Die Bayern haben eine andere Ruhe, und sie sehen die Räume“, sagte Popp. Ein hoch besetztes Kollektiv Die Münchnerinnen verteidigen kompromisslos, nie hektisch. Sie gestalten die Partien nach Belieben, ohne permanent Spektakel erzeugen zu müssen. Acht Gegentore in der Bundesliga, kein einziges im gesamten Pokalwettbewerb – Zahlen, die fast alles über ein Erfolgsensemble sagen, das hierzulande der Konkurrenz entrückt ist. Und Barcala will noch mehr. Der Vierundvierzigjährige mahnte technische und taktische Verbesserungen an, „um ein Topteam zu werden – in Europa“; vor zwei Wochen waren die Bayern im Halbfinale der Champions League an Barcelona gescheitert. Dass der Trainer öffentlich Entwicklungspotential einfordert, passt zum Charakter seines hoch besetzten Kollektivs, das nach der Sommerpause wieder auf Lena Oberdorf und Sarah Zadrazil zurückgreifen kann, die beide aktuell noch Kreuzbandrisse auskurieren. Alle Beteiligten wirken nicht satt, sondern wie von sich selbst überzeugte Teilnehmer an einem spannenden Zukunftsprojekt, das gerade erst beginnt, seine eigentliche Größe zu entfalten. „Momentan ist der FC Bayern die Benchmark im Frauenfußball, das muss man neidlos anerkennen“, bilanzierte Stephan Lerch. Der Wolfsburger Trainer sprach von einem „Qualitätsunterschied, der alle anderen an den Rand drückt“. Es gelte, Lösungen zu finden, zu denen sich jeder Verein „für den Frauenfußball bekennen muss“. Niemand könne vom FC Bayern verlangen, dass er es bei seinem Engagement „langsamer“ angehen lassen sollte, sondern die anderen Mannschaften seien gefragt, „schnellstmöglich an Strategien zu arbeiten, damit die Dominanz nicht mehr so klar ist“. Der Abstand an der Spitze ist mittlerweile groß genug, um selbst ein Pokalfinale zu entdramatisieren. Für die Liga ist das heikel: Wo Gegnerinnen auf Augenhöhe fehlen, fehlt ein Teil der Anziehungskraft.