Die Europäische Kommission will sich von der amerikanischen Regierung nicht unter Druck setzen lassen, einen Teil ihrer Dieselvorräte aufzulösen, um einem drohenden Exportverbot entgegenzuwirken. Entscheidungen über die Entnahme strategischer Reserven fielen ausschließlich im Rahmen der Internationalen Energieagentur, sagte eine Sprecherin am Freitag. Sie verwies allerdings auch auf ein „möglicherweise“ kurzfristig virtuelles Treffen der G-7-Staaten. Das vom amerikanischen Präsidenten Donald Trump schon im vergangenen Monat angedrohte Exportverbot für Dieselkraftstoff würde „niemandem nutzen“. Einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters zufolge hatten sich die Mitgliedstaaten der Europäischen Union auf Initiative Frankreichs schon darauf verständigt, strategische Reserven an Dieselkraftstoff freizugeben. Demnach sollen zusätzliche 50 Millionen Barrel in den Verkehr kommen und die aktuell hohen Marktpreise dämpfen. Zusammen mit weiteren 50 Millionen Barrel aus aufzulösenden Reserven von Mitgliedstaaten der Internationalen Energieagentur entspräche die Menge in etwa dem monatlichen Durchschnittsverbrauch in den EU-Staaten. Nachdem der amerikanische Präsident Donald Trump auf seine Idee eines Exportverbots zunächst Widerspruch seines eigenen Energieministers geerntet hatte, nahm zuletzt Finanzminister Scott Bessent auf der Plattform X Stellung: „Unsere europäischen Partner sollten sich beeilen, ihre bestehenden Zusagen einzuhalten und zusätzliche Lieferungen umgehend verfügbar zu machen, um die anhaltenden Störungen zu beheben.“ Amerikanische Bauern, Lastwagenfahrer und Geschäftsleute sollten Bessent zufolge nicht mit der Last einer weltweiten Dieselknappheit alleingelassen werden. Die Dieselpreise an der Börse reagieren bereits Der Preis für Kontrakte auf verarbeiteten Diesel reagierte bereits auf die vermeintliche Einigung in der Europäischen Union. Eine Stunde nach der ersten Agenturmeldung war er an der Frankfurter Börse um fast sechs Prozent im Minus. Mit fast 1400 amerikanischen Dollar je Tonne lag der Kurs aber noch immer mehr als doppelt so hoch wie zu Jahresanfang. Die Mitgliedstaaten der Europäischen Union sind dazu verpflichtet, so viel Rohöl oder Ölprodukte vorzuhalten, wie sie entweder innerhalb von 90 Tagen importieren oder binnen 61 Tagen verbrauchen, je nachdem, welcher Wert höher ausfällt. Eine Freigabe der Reserve darf nach geltendem Recht allerdings lediglich aufgrund tatsächlich drohenden Mangels erfolgen. Zuständiges Gremium ist eigentlich die Ölkoordinierungsgruppe, die erst am 15. Oktober wieder tagt. Dieses Gremium stimmt sich normalerweise eng mit der Internationalen Energieagentur ab. Deren 32 Mitglieder sind dazu verpflichtet, Vorräte in Höhe von mindestens 90 Tagen ihrer Nettoölimporte des Vorjahres zu halten. Zudem müssen sie bereit sein, gemeinsam auf „schwerwiegende Versorgungsunterbrechungen“ auf dem Ölmarkt zu reagieren. Großer Freiraum der Mitgliedstaaten Jedes Mitgliedsland kann allerdings selbst bestimmen, wie es seine IEA-Vorratsverpflichtung erfüllt. Die Vorräte können ausschließlich für Notfälle bestimmt sein. Sie können aber auch für kommerzielle Zwecke in Form von Rohöl oder Raffinerieprodukten oder im Rahmen bilateraler Abkommen in anderen Ländern gehalten werden. Die Bestände können sowohl bei staatlichen Stellen als auch bei der Industrie oder speziellen Agenturen liegen. Im Falle einer schwerwiegenden Unterbrechung der Ölversorgung können die IEA-Mitglieder beschließen, die Vorräte im Rahmen einer gemeinsamen Maßnahme auf den Markt zu bringen. Selbst verfügt die IEA über keine eigenen Reserven. Als Koordinations- und Informationsstelle fallen ihr und ihrem Gouverneursrat aber eine wichtige Rolle zu. Sobald die Notwendigkeit einer gemeinsamen Maßnahme der IEA-Staaten vereinbart wurde, richtet sich der Beitrag jedes Mitgliedslandes nach seinem Anteil am gesamten Ölverbrauch der Mitgliedsländer. Eine Freigabe von Reserven gab es zuletzt im März dieses Jahres nach Ausbruch des Irankriegs, als die Rekordmenge von 400 Millionen Barrel (je 159 Liter) auf den Markt geschmissen wurde. In Deutschland droht der Diesel nicht knapp zu werden Eine physische Dieselknappheit würde in Deutschland auch ohne Freigabe der Reserven nicht drohen. Die amtliche Mineralölstatistik zeigt für die ersten sieben Monate des Jahres 2026 eine inländische Produktion von 19 Millionen Tonnen Diesel, eine Steigerung von rund sieben Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum, während die Importe gleichzeitig um zwei Millionen Tonnen zurückgingen. Der Export liegt wiederum rund eine Million Tonnen höher als der Import. Allerdings zeigt die Statistik auch, dass die höhere Dieselproduktion zulasten der Herstellung des chemisch eng verwandten Heizöls ging. Dessen Produktion war per Ende Juli um zwölf Prozent rückläufig.
