Wer erinnert sich noch an G8, die auf acht Jahre verkürzte Schulzeit von der fünften Klasse bis zum Abitur? Paul-Gerhard Weiß ganz sicher, denn die dafür nötigen Umbauten wie zum Beispiel Cafeterien an den drei Gymnasien gaben den Anstoß für umfangreiche Ausbau- und Sanierungsprogramme: Fast 750 Millionen Euro sind seit 2006 in die Offenbacher Schulen und Kindergärten geflossen, ein Kraftakt für die Stadt. Denn nicht einmal zehn Prozent dieser Summe haben Bund und Land für die Frankfurter Nachbarstadt bereitgestellt. Dennoch sei der größte Teil der Arbeiten erledigt, sagt der Baudezernent, der jetzt eine Bilanz zum Schulbau vorgelegt hat. Seine langjährige Dienstzeit neigt sich dem Ende entgegen: Wegen neuer Mehrheiten in der Stadtverordnetenversammlung wird der FDP-Politiker sein Amt aller Voraussicht nach verlieren. G8 als Anstoß für Sanierungsprogramm Als die Offenbacher Stadtpolitik vor 20 Jahren den Blick auf ihre Schulen und Kindertagesstätten richtete, fiel die Analyse verheerend aus: „Sehr schlecht“ sei der Zustand vieler Gebäude gewesen, erinnert sich Weiß. Die Stadt musste reagieren und tat das mit einem Grundsatzbeschluss zu einem auf zehn Jahre angelegten Programm für die Modernisierung und Erweiterung der Schulen. Knapp 150 Millionen Euro wurden in einer ersten Tranche verplant, unter anderem für die Sanierung der damals drei städtischen Gymnasien und das Berufsschulzentrum Buchhügel. 223,3 Millionen Euro wurden im zweiten Schritt ausgegeben, etwa für den Neubau der Hafenschule und eines Kindergartens. Mehr Plätze und ein neues Gymnasium Zur nächsten Herausforderung für die Planer wurde das Wachstum der Stadt: Von 2012 an beschleunigte sich der Zuzug. Laut Weiß verschob sich als Konsequenz der Fokus von der Sanierung darauf, dem Bedarf an Plätzen gerecht zu werden. Auch in Offenbach mussten Schüler zeitweilig in Containern lernen, aber auch vier neue Schulstandorte wurden auf den Weg gebracht, und es wurde beschlossen, vier weitere Schulen zu vergrößern. Daraus ergab sich ein Investitionsvolumen von mehr als 200 Millionen Euro mit dem Neubau des Emmy-Noether-Gymnasiums für fast 130 Millionen Euro als Schwerpunkt. Verglichen damit nehmen sich die 14,3 Millionen Euro, die Offenbach wegen des Fluglärms für Schallschutz an den Schulen ausgegeben hat, bescheiden aus. Immerhin wurden diese Projekte knapp zur Hälfte mit Fördergeld bestritten. Aus Sicht von Weiß ist es eine Daueraufgabe, die bauliche Entwicklung der Schulen und den Bedarf in Einklang zu bringen. Bis Ende des Jahrzehnts werde es nun zum Beispiel darum gehen, die Ausstattung für die Ganztagsbetreuung an Grundschulen auszubauen. Immerhin zeigten die Statistiken, dass die Schülerzahlen in Offenbach nicht mehr stiegen: Bis auf Weiteres reiche das Platzangebot der Stadt. Alles in allem sei ein guter Teil der Aufgaben erledigt, sagt Anna Heep, Amtsleiterin des Hochbaumanagements. Von den 18.800 Schülern in Offenbach werden mittlerweile 61 Prozent in modernen Gebäuden unterrichtet, 15 Prozent der Schulen sind teilsaniert. Für 13 Prozent der Plätze sind Neubauten in Planung, fünf Prozent werden aktuell umgebaut und erweitert. Gerade noch sechs Prozent der Schüler besuchen alte Schulgebäude. „Es gibt keinen Sanierungsstau in Offenbach mehr“, sagt Weiß. Im Schulbau habe die Stadt ihre Entscheidungen immer rechtzeitig getroffen. Fast jeder Schüler könne nicht nur die Schulform seiner Wahl, sondern auch die bevorzugte Schule besuchen, gelost werden müsse nur selten. Alles in allem sei Offenbach „gut im Fahrplan, vielleicht besser als andere“, sagt Weiß – und meint, ohne den Namen zu nennen, den großen Nachbarn Frankfurt.
