FAZ 30.05.2026
15:34 Uhr

Deutschland-Liveblog: Strack-Zimmermann kandidiert als Parteivorsitzende der FDP


Kampfkandidatur auf Berliner Parteitag gegen Kubicki +++ Bewerbungsreden um den FDP-Vorsitz +++ Wüst sichert Merz volle Unterstützung zu +++ alle Entwicklungen im Liveblog

Deutschland-Liveblog: Strack-Zimmermann kandidiert als Parteivorsitzende der FDP

Bei der FDP beginnt nun die Wahl, von der heute Morgen noch gar nicht klar war, dass es sie geben würde: Wolfgang Kubicki oder Marie-Agnes Strack-Zimmermann? In einer App sehen die Delegierten diese beiden Namen nun auf ihrem digitalen Stimmzettel. 

Ausdrücklich an Kubicki wurde nur eine Frage gestellt: Was er zu den Buh-Rufen während der Rede seiner Konkurrentin sage? Er habe während ihrer Rede aufmerksam zugehört, das Buhen halte er für „wenig intelligent“. Dann geht er zu einem kleinen Angriff über: Wer in der FDP irgendwelche Beiträge in Sozialen Medien like, wisse er nicht. Das wolle er auch nicht wissen. Strack-Zimmermann hatte Kubickis Wunschkandidaten für das Amt des Generalsekretärs dafür kritisiert, dass er einen Text mit einem Like verbreitet hatte. In diesem wurde der FDP-Politiker Henning Höne kritisiert.

Fragen an die Bewerber um den FDP-VorsitzDie meisten Fragen der FDP-Delegierten gehen an Strack-Zimmermann. Wen würde sie als Generalsekretär vorschlagen, sollte sie gewählt werden? Helmer Krane aus dem „wunderschönen Schleswig-Holstein,“ sagt Strack-Zimmermann. Das ist das Bundesland, aus dem auch Kubicki kommt. Warum habe sie ihre Kandidatur nicht schon vor Tagen erklärt? Weil sie bisher Henning Höne unterstützt habe (der hatte allerdings schon vor zwei Wochen in einem Interview mit der F.A.Z. zurückgezogen). Warum stelle sie so viele Anzeigen wegen Politikerbeleidigung? Das würde sie heute nicht mehr tun, sagt die FDP-Politikerin. Aber  Politiker seien kein Freiwild und die FDP die Rechtsstaatspartei. 

Gegen Ende ihrer Rede skizziert Strack-Zimmermann die FDP als eine Partei, die ein „Bollwerk der Mitte“ schaffen soll. „Wir wollen nicht die spannendste Partei in der Opposition sein wir wollen die wichtigste Kraft für die Zukunft dieses Landes werden“, ruft sie. Am Ende ihrer Rede sagt sie zu den Delegierten in Berlin: „Jetzt haben Sie die Wahl.“ Aber bevor sie das tun, dürfen die FDP-Mitglieder erst einmal Fragen an Kubicki und Strack-Zimmermann stellen.

Strack-Zimmermann hält eine Rede, in der es auch ausführlicher als bei Kubicki um politische Inhalte geht. Allerdings spricht sie auch deutlich länger als ihr Konkurrent um das Spitzenamt in der FDP. Gerade spricht sie über marktwirtschaftlichen Klimaschutz, plädiert für erneuerbare Energien und alle fossilfreien Energieträger. Kubicki schaut mittlerweile auf sein Smartphone. Er hatte vor dem Parteitag gesagt, die FDP brauche auf dem Parteitag keine „inhaltliche Neuaufstellung“. 

Strack-Zimmermann teilt in ihrer Rede auch gegen andere Parteien aus. Wie viel besser würde es Deutschland gehen, wenn unter CDU-Kanzlerin Angela Merkel nicht so viel liegen geblieben wäre, ruft sie. Um dann auf eigene Leistungen zu sprechen zu kommen: in der Ampelregierung, in der sie für das Sondervermögen der Bundeswehr gekämpft habe, und in Brüssel. Es folgt ein Seitenhieb gegen Kubicki, der die Öffnung von Nord Stream 2 befürwortet hatte: Sie habe keine 180-Grad-Wende hinlegen müssen. Wer einen liberalen Kompass habe, könne gar nicht anders, als an der Seite der Ukraine zu stehen.Es nütze der FDP nichts, wenn Kulturkämpfe solche essentiellen Fragen überlagerten, sagt Strack-Zimmermann. Man müsse nicht aus jeder gesellschaftlichen Veränderung „eine Bedrohung basteln“. Immer wieder bekommt Strack-Zimmermann Applaus; wenig allerdings aus den Ost-Verbänden.

Die meisten Kameras richten sich gerade auf die Rednerin Strack-Zimmermann. Aber ein Kameramann filmt weiter die erste Reihe der Zuhörer. Dort sitzt Wolfgang Kubicki. Ab und an sagt er ein paar Worte zu seiner Sitznachbarin. Die meiste Zeit bleibt er regungslos, aber manchmal klatscht er ein, zwei Mal für seine Konkurrentin um den FDP-Vorsitz. Zum Beispiel als sie sagt, dass sie die „unsägliche Brandmauer-Debatte“ in der FDP nicht verstehe. Ihr sei nämlich keine Konstellation bekannt, in der die FDP ernsthaft darüber diskutieren müsste, wie sie es mit der AfD hält. 

Strack-Zimmermann hat einige Unterstützer, aber nicht den Saal hinter sich. Als sie sagt, sie stehe „hier nicht, um jemanden anzugreifen“, geht ein höhnisches Raunen durch die Reihen des Berliner Hotelsaals, in dem die FDP tagt. „Wir predigen Meinungsfreiheit, fordern aber intern Meinungsgleichheit“, kritisiert Strack-Zimmermann, im Hintergrund Lacher – eher keine freundlichen. Und doch: Auch dafür gibt es von einem Teil der Delegierten Applaus für die Europa-Abgeordnete.

Strack-Zimmermann erklärt ihre KandidaturAuch Strack-Zimmermann erntet großen Applaus, als sie auf die Bühne kommt. Aber auch einige laute Buh-Rufe. Kandidaten würden bei der FDP nicht ausgebuht, mahnt die Tagungsleitung. Trotzdem nochmal Buhs, dann übertönt von Applaus. Sie beginnt scherzend in Richtung Kubicki: „Wir sind laut, man kennt uns. Es gibt einen Unterschied: Ich bin definitiv besser rasiert als du.“ Doch dann kommt sie zur Sache. Sie attackiert den designierten Generalsekretär Martin Hagen. Der habe neulich einen Text auf der Plattform X geteilt, in dem der Vize-Vorsitzende der Partei Henning Höne als No-Name verspottet worden sei. Jungliberale seien vom Aussehen mit „Fertiggerichten“ verglichen worden. Mit solchen Posts setze man ein Zeichen. Und es sei kein Zeichen der Einigkeit. Liberalismus bedeute Respekt vor dem anderen.

„In voller Demut“ kandidiere er um den Vorsitz „der stolzen liberalen Partei“, so beendet Wolfgang Kubicki seine Rede vor den Delegierten auf dem FDP-Parteitag in Berlin. Es folgt, ebenfalls von Jubel auf die Bühne begleitet, Marie-Agnes Strack-Zimmermann.

Kubicki wirbt um SkeptikerWolfgang Kubicki weiß, dass auch Leute im Saal sind, die ihm und seinem designierten Generalsekretär unterstellen, nach rechts offen zu sein. Um sie wirbt er in seiner Rede – auch mit Humor. Dass es ausgerechnet der SPD-Politiker Ralf Stegner gewesen sei, der ihn gegenüber Journalisten als des Rechtspopulismus unverdächtig beschrieben habe, sei das Schlimmste gewesen, was man ihm hätte antun können. Lachen, Applaus im Saal.Man solle Parteifreunden nicht von vornherein das Schlechteste unterstellen, sagt Kubicki. Man sei doch eine „liberale Familie“. Dass Kubicki in seiner Rede versuchen würde, Kritiker zu beruhigen, hatten manche vermutet. Strack-Zimmermann wird in ihrer Rede darauf reagieren müssen. Nach Informationen der F.A.Z. soll diese recht grundsätzlich ausfallen.

Jubel für KubickiEr hat noch kein Wort gesagt, aber viele FDP-Anhänger feiern Wolfgang Kubicki bereits vor seiner Bewerbungsrede. Er beginnt mit einer „Danksagung“ an Marie-Agnes Strack-Zimmermann. Er sei froh, dass die „beiden alten Schlachtrösser“ der FDP nun gegeneinander antreten könnten. Außerdem dankt er seinen Unterstützern, von denen es viele gebe, und allen, die sich an ihm „abgearbeitet“ hätten.Kubicki spricht auch über das Verhältnis zur AfD. Die sei eine Partei, die man bekämpfen müsse. „Es wird mit dieser Partei niemals eine Zusammenarbeit geben. Niemals.“ Da gebe es auch keine unterschiedlichen Auffassungen zwischen ihm, dem designierten Generalsekretär Martin Hagen und Henning Höne, der von manchen auch auf dem Parteitag anders verstanden worden war. Kubicki kritisiert die Medien, die die gleiche Aussage von allen dreien unterschiedlich interpretieren würden. 

Die Kandidatur von Marie-Agnes Strack-Zimmermann kommt für das Tagungspräsidium überraschend. Das sind die FDP-Mitglieder, die den Parteitag moderieren. Sie mussten die Unterschriften der Delegierten, die Strack-Zimmermanns Kandidatur unterstützen, gerade erst einmal prüfen. Nach ein paar Augenblichen ist klar: Es kommt zur Kampfkandidatur in der FDP. Für die überraschende Ankündigung gab es Jubel – und einige Buhrufe. Nun werden beide zu den Delegierten sprechen. Weitere Kandidaten gibt es nicht. 

FDP diskutiert neues LogoFür Diskussionsstoff sorgt auf dem FDP-Parteitag auch die neue Gestaltung des Logos. Vor blauem Grund stehen die Buchstaben FDP in gelb – die lange charakteristische Farbe Magenta fehlt. Auf der Parteitagsbühne kommt das Blau im Farbverlauf eines Himmels vor, mutmaßlich bei Sonnenaufgang aufgenommen. Am Horizont leuchtet ein Lichtstreif.Die Meinungen dazu fallen unterschiedlich aus. „Schreckliches Design“, meint einer gegenüber der F.A.Z., andere fühlen sich an die Zeit unter Philipp Rösler erinnert, vor allem an den Wahlkampf mit Rainer Brüderle als Spitzenkandidat 2013. Damals flog die Partei erstmals aus dem Bundestag. Tatsächlich ähnelt die neue Gestaltung der damaligen. Manchen gefällt es aber auch. „Oldschool“, lobt ein Liberaler. Auf der Bühne kritisiert Petra Teufel aus Thüringen die Ästhetik. Wenn die Partei nun wieder blau-gelb sei, müsse sie sich wenigstens im Stil von ihrer damaligen Form unterscheiden, also zuhören, Lösungen anbieten, Demut zeigen. Andere äußern – im Gespräch neben der Bühne – die Vermutung, vielleicht solle das etwas bieder scheinende Design die umso schillerndere Persönlichkeit des designierten neuen Vorsitzenden Wolfgang Kubicki begleiten. Die FDP hatte für ihr Re-Branding eine neue Agentur beauftragt statt der, die solche Aufträge lange für sie ausgeführt hatte.