FAZ 25.03.2026
16:15 Uhr

Deutschland-Liveblog: Merz beklagt „explodierende Gewalt“ im analogen und digitalen Raum


Merz in Regierungsbefragung: Deutschland muss verteidigungsfähig werden +++ SPD-Ko-Chef Klingbeil: Ehegattensplitting in heutiger Form für zukünftige Ehen abschaffen +++ alle Entwicklungen im Liveblog

Deutschland-Liveblog: Merz beklagt „explodierende Gewalt“ im analogen und digitalen Raum

Im Amt bestätigter Bürgermeister gesteht WahlfälschungDer kürzlich im Amt bestätigte Bürgermeister im bayerischen Wülfershausen an der Saale hat nach Angaben von Ermittlern Wahlfälschung eingeräumt. Der CSU-Politiker soll Briefwahlunterlagen geöffnet und jeweils mehrere Stimmzettel zur Gemeinderatswahl, zur Wahl zum Ersten Bürgermeister und zur Kreistagswahl verfälscht haben, teilte die Staatsanwaltschaft Schweinfurt mit.Anschließend habe er die Wahlumschläge wieder verschlossen oder durch von der Gemeinde vorgehaltene Ersatzumschläge ausgetauscht. „Die Anzahl der jeweils verfälschten Stimmzettel ist Gegenstand der laufenden Ermittlungen“, hieß es von der Staatsanwaltschaft. Stimmberechtigt waren laut Gemeinde 1.278 Bürgerinnen und Bürger. 472 gültige Stimmen entfielen auf den nun beschuldigten Amtsinhaber. 449 Wähler schrieben einen anderen Namen auf den Stimmzettel.Auf mehrmalige Anfragen der Deutschen Presse-Agentur äußerte sich der Verdächtige nicht zu den Vorwürfen. Für den Beschuldigten gilt bis zu einem rechtskräftigen Urteil die Unschuldsvermutung. Der Bürgermeister war bei der Kommunalwahl am 8. März im Amt bestätigt worden, das er seit 2018 innehat.Bei seiner Vernehmung am Dienstag sagte der Verdächtige nach Angaben eines Sprechers der Staatsanwaltschaft, er habe unter anderem seine Frau unterstützen wollen, die für den Gemeinderat kandidiert habe. Aber auch sich selbst soll der Mann nach Angaben der Ermittler mit zusätzlichen Stimmen versorgt haben. Es habe die Gelegenheit gegeben, die Wahlunterlagen zu manipulieren, und der Politiker habe diese Gelegenheit dann auch genutzt, hieß es.

CDU und SPD beginnen in Rheinland-Pfalz am Donnerstag mit SondierungsgesprächenVier Tage nach der Landtagswahl in Rheinland-Pfalz beginnen am Donnerstag die Sondierungsgespräche zwischen der siegreichen CDU und der zweitplatzierten SPD für eine neue Landesregierung. Der Start ist für den Nachmittag angekündigt, Ort und Zeit nannten beide Parteien aber nicht. Das Verhandlungsteam der CDU wird von Spitzenkandidat Gordon Schnieder angeführt. Für die SPD nimmt unter anderem der scheidende Ministerpräsident Alexander Schweitzer teil.Die CDU gewann die Landtagswahl am Sonntag mit 31,0 Prozent der Stimmen vor der SPD, die auf 25,9 Prozent kam. Ansonsten sind nur die AfD und die Grünen im Landesparlament vertreten. Da alle anderen Parteien eine Koalition mit der AfD ausschließen, kommt nur ein Bündnis aus CDU und SPD unter Schnieders Führung infrage.

Schwesig stellt sich hinter SPD-SpitzeNach der Wahlniederlage der SPD in Rheinland-Pfalz hat sich Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig hinter die Parteispitze gestellt. „Ich unterstütze Bärbel Bas und Lars Klingbeil. Sie haben anfangen, wichtige Weichen zu stellen, aber es ist offensichtlich nicht genug“, sagte die SPD-Politikerin bei einer Veranstaltung des Redaktionsnetzwerks Deutschland in Berlin.Die Menschen wollten, dass die SPD inhaltlich vorangehe und nicht über ihr Personal diskutiere, sagte Schwesig. Als Beispiele für Errungenschaften der Sozialdemokraten nannte sie das von Union und SPD beschlossene Sondervermögen für Infrastruktur und die Reform des Bürgergelds. Schwesig sagte, sie gehöre nicht zu denjenigen, die sagten, dass alles schlecht sei, was die Bundesregierung mache.

Merz verteidigt geplanten Umbau des Förderprogramms „Demokratie leben“Die Linken-Abgeordnete Mandy Eißing kritisiert den Kanzler für den Umbau des Förderprogramms „Demokratie leben“, den Familienministerin Karin Prien (CDU) am Wochenende angekündigt hatte. Merz erwidert, die Mittel „werden jetzt konzentriert auf diejenigen, die sich wirklich für unsere Demokratie einsetzen“. Dass dabei die ein oder andere Organisation nicht mehr bedacht werde, „die ihnen vielleicht nahesteht“, sagt Merz mit Blick auf die Linksfraktion, sei gewünscht und nötig.

Kanzler kündigt Gesetzentwurf zu IP-Adressen noch im April anZum Schutz von Frauen vor sexualisierter Gewalt im Internet hat Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) baldige Gesetzesänderungen in Aussicht gestellt. Der Gesetzentwurf zur Speicherung von IP-Adressen sei bereits in der Ressortabstimmung, sagte der CDU-Politiker bei der Regierungsbefragung im Bundestag. Er gehe davon aus, dass er noch im April vom Kabinett auf den Weg gebracht werde. Durch die Speicherung der Daten sollen Menschen, die verbotene Inhalte posten oder verschicken, leichter gefunden und bestraft werden können.Auf die Frage, ob das ausreiche, gab Merz zu: „Ziemlich sicher nicht.“ Dabei beklagte er auch „explodierende Gewalt“ – im analogen wie im digitalen Raum. Als er die vermeintlichen Ursachen für diese Entwicklung aufzählte, erntete er im Plenum allerdings lautstarken Widerspruch, als er sagte: „Dann müssen wir auch ansprechen, dass ein beachtlicher Teil dieser Gewalt aus den Gruppen der Zuwanderer in die Bundesrepublik Deutschland kommt.“

Merz: Stillgelegte deutsche Atomkraftwerke nicht „zurückholbar“Der AfD-Abgeordnete Paul Schmidt fordert den Kanzler auf, den deutschen Atomausstieg zu stoppen und die zuletzt abgeschalteten Kernkraftwerke wieder in Betrieb nehmen zu lassen. „Die Kernkraftwerke, die in Deutschland zurückgebaut wurden, sind aus heutiger Sicht nicht mehr zurückholbar“, sagt der Kanzler. Deshalb komme ein Reaktivieren der stillgelegten deutschen Atomkraftwerke nicht in Frage. „Diesen Weg können wir nicht gehen – und wir gehen ihn auch nicht“, sagt Merz. Er beruft sich auf Aussagen der Betreiber, wonach das technisch nicht mehr gehe und deshalb für die Regierung politisch „leider“ nicht möglich sei.

Merz: „Wir schließen nichts aus.“Im Bundestag fragt Linken-Fraktionschefin Heidi Reichinnek den Bundeskanzler, ob er eine Erhöhung der Mehrwertsteuer wegen der finanziellen Lage Deutschlands ausschließen könne. Merz spricht über Reformideen und sagt: „Wir schließen nichts aus“. Auf Nachfrage Reichinneks erklärt Merz: Aus dem, was er gesagt habe, könne man nicht herleiten, dass die Regierung die Mehrwertsteuer erhöhen wolle. Genau so wenig habe er etwa ausgeschlossen, die reduzierte Mehrwertsteuer auf Lebensmittel weiter abzusenken, sagt der Kanzler.

Merz in Regierungsbefragung: Deutschland muss verteidigungsfähig werdenIm Bundestag stellt sich Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) im Rahmen einer Regierungsbefragung den Fragen der Abgeordneten. Doch zunächst steht dem Kanzler Redezeit für eine Erklärung zu. „Wir leben in außergewöhnlich herausfordernden Zeiten“, setzt der Kanzler an. Merz nennt den Krieg in Iran, den Krieg in der Ukraine, aber auch größere und kleinere Auseinandersetzungen weltweit. Er spricht über die Mitgliedschaften in der EU und der NATO als Errungenschaften, die Entscheidungen von vor Jahrzehnten zu verdanken seien. „Dieses Erbe dürfen wir nicht verspielen“, sagt Merz.Dann geht der Kanzler auf die Lage Deutschlands ein. „Stark zu sein in diesen Zeiten heißt: eine prosperierende Volkswirtschaft zu sein (...) und gleichzeitig verteidigungsfähig zu werden“, erklärt der Kanzler. Er sage bewusst „werden“, denn man sei nicht mehr verteidigungsfähig – deshalb müsse man alle Anstrengungen darauf verwenden, das zu ändern.

Finanzminister Klingbeil wirbt für Reform der Einkommensteuer und will das ⁠Ehegattensplitting abschaffenBundesfinanzminister Lars Klingbeil schwört seine SPD auf weitreichende Reformen ein. Alte Gewohnheiten müssten aufgegeben und Blockaden aufgelöst werden, sagte der Vizekanzler ​am Mittwoch laut Redeauszügen bei einer Veranstaltung der Bertelsmann-Stiftung in Berlin. „2026 wird uns Mut abverlangen. Deutschland braucht grundlegende Reformen.“ Klingbeil deutete in seiner Grundsatzrede zur Modernisierung Deutschlands Kompromissbereitschaft in den anstehenden Verhandlungen mit der Union an. Die Koalition will sich bis zur Sommerpause auf ein Reformpaket verständigt ‌haben. „Wir können nicht jede Krise und jedes Problem mit noch mehr Geld beantworten“, so der Finanzminister. 

AfD-Spitzenkandidat Bollinger in Rheinland-Pfalz überraschend nicht zum Fraktionschef gewähltWenige Tage nach dem Wahlerfolg der AfD in Rheinland-Pfalz gibt es eine Überraschung an der Spitze der nun stärksten Oppositionsfraktion. Zum neuen Vorsitzenden wurde Michael Büge gewählt. Der Sechzigjährige löst damit Jan Bollinger ab, der bisher der Fraktion vorstand und der die AfD als Spitzenkandidat in die Landtagswahl geführt hatte.Die AfD hatte bei der Wahl am Sonntag ihren Stimmenanteil mehr als verdoppelt, sie konnte mit 19,5 Prozent das beste Ergebnis in einem westdeutschen Bundesland einfahren. Angesichts der sich abzeichnenden Koalition aus CDU und SPD kommt der AfD-Fraktion demnächst die Rolle der Oppositionsführerschaft zu.Für Bollinger, der auch Landeschef der AfD ist, ist die fraktionsinterne Wahl eine herbe Schlappe. Am Sonntagabend hatte der Neunundvierzigjährige aus Neuwied im Mainzer Abgeordnetenhaus noch ausgelassen mit dem AfD-Spitzenduo Alice Weidel und Tino Chrupalla gefeiert. Bei der Wahl zum Spitzenkandidaten für die Landtagswahl hatte Bollinger im vergangenen Sommer trotz zweier überraschender Gegenkandidaten 71,33 Prozent der Stimmen erreicht.

Niedersachsen verbietet Tiertransporte in den Nahen Osten Niedersachsen hat den Transport von lebenden Tieren in die Kriegsgebiete im Nahen Osten verboten. Das Landwirtschaftsministerium habe bereits einen Erlass an die kommunalen Veterinärämter gesandt, teilte das Ministerium am Mittwoch in Hannover mit.Konkret geht es um den Transport von Rindern, Schafen, Ziegen und Hausschweinen nach Iran, Israel, Libanon, in den Irak, die palästinensischen Gebiete sowie in alle Länder der Arabischen Halbinsel. Niedersachsen gilt als Agrarland Nummer eins in Deutschland und ist führend in der Viehzucht. Staatssekretärin Frauke Patzke sagte, angesichts der kriegerischen Handlungen in den Regionen sei die Sicherheit der transportierten Tiere nicht mehr ausreichend gewährleistet. Nachdem bereits seit 2022 Tiertransporte nach Belarus, Russland und in die Ukraine aufgrund des Angriffskriegs Russlands gegen die Ukraine verboten sind, sei dies aus Tierschutzgründen „ein weiterer unverzichtbarer Schritt“.Die EU verbietet Tiertransporte, wenn den Tieren dabei Verletzungen oder unnötige Leiden zugefügt werden könnten. Außerdem müssen Vorkehrungen getroffen werden, um die Reisezeiten kurz zu halten und den Bedürfnissen der Tiere  während des Transports Rechnung zu tragen. Dies könne für den Nahen Osten derzeit nicht sichergestellt werden. 

Kabinett beschließt Lärmschutz-Ausnahmen für Public Viewing bei Fußball-WMFußballfans können sich auch während der diesjährigen Weltmeisterschaft auf Public-Viewing-Veranstaltungen freuen. Das Bundeskabinett hat in Berlin die nötigen Ausnahmen von den normalerweise geltenden Lärmschutzregeln beschlossen. Damit werden öffentliche Übertragungen von Spielen auch nach 22 Uhr möglich – falls die Länder im Bundesrat auch noch zustimmen. Davon ist aber auszugehen.„Städte und Gemeinden haben damit die Möglichkeit, dass Public-Viewing-Veranstaltungen trotz Zeitverschiebung genehmigt werden können – hoffentlich sogar bei einem Finale am 19. Juli mit deutscher Beteiligung“, erklärte der für Lärmschutz zuständige Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD).

Heftige Kritik aus der SPD am Umbau des Förderprogramms „Demokratie leben“ Aus der SPD kommt abermals scharfe Kritik an den Plänen aus dem Familienministerium zum Umbau des Förderprogramms „Demokratie leben“. Er halte es „für inakzeptabel“ und ein „Riesenproblem“, was gerade rund um das Programm passiere, sagte SPD-Parlamentsgeschäftsführer Dirk Wiese am Mittwoch. Mit dem geplanten Umbau würden demokratische Initiativen vor Ort „faktisch zum Verstummen“ gebracht. Wiese zufolge war dazu am Mittwoch auch ein Gespräch im CDU-geführten Familienministerium geplant.Das 2015 gestartete Bundesprogramm „Demokratie leben“ verfolgt das Ziel, zivilgesellschaftliches Engagement zu stärken und für ein vielfältiges und demokratisches Miteinander zu sorgen. Bundesfamilienministerin Karin Prien (CDU) hatte am Wochenende angekündigt, sie wolle „Demokratie leben“ neu aufstellen, um eine höhere Effizienz beim Einsatz der Fördersumme von derzeit 191 Millionen Euro im Jahr zu erreichen.Wiese sagte, es gebe bereits „die ersten Rückmeldungen aus gewissen Kreisen, dass Demokratieprojekte eingestellt werden“. Das werde gerade gesammelt. Beim Gespräch von Fachleuten der Fraktion in Priens Ministerium werde es darum gehen, „hoffentlich“ zu Einsicht beim Koalitionspartner zu kommen.

Studie: Zahl der Cannabis-Straftaten zurückgegangen Zwei Jahre nach der Teil-Legalisierung ist die Zahl der in der Polizeilichen Kriminalstatistik erfassten Cannabisdelikte laut einer Studie auf rund ein Drittel zurückgegangen. Von fast 174.000 Fällen im Jahr 2023 sei die Zahl im Jahr 2024 knapp unter 62.000 Fälle gesunken, teilt das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) mit, das die Studie selbst vornahm.Auf anderen Drogenmärkten, insbesondere für Kokain, Crack und Methamphetamin, seien dagegen seit Jahren deutliche Anstiege zu verzeichnen, heißt es weiter. Diese Entwicklung verlaufe unabhängig von der Cannabisreform und stelle eine zentrale Herausforderung für die Politik dar, sagte Andreea-Maria Stoica, eine der Studienautorinnen. „Anders als auf legalen Märkten wie etwa bei Alkohol oder Tabak gibt es keine Steuerungsinstrumente wie Altersbeschränkungen und Steuern.“ Langfristig könnten aber Suchtberatung, Prävention und Aufklärung eine nachhaltige Lösung darstellen.Die Analysen zum Konsum von Cannabis und weiteren psychoaktiven Substanzen basieren auf den Daten des Epidemiologischen Suchtsurvey (ESA), einer seit 1980 regelmäßig stattfindenden Umfrage. Die Auswertungen beschränken sich auf Personen im Alter von 18 bis 64 Jahren. Der Anstieg des Konsums harter Drogen lässt sich den Angaben zufolge auch an Abwasserdaten ablesen.Seit April 2024 ist unter anderem der Besitz begrenzter Mengen Cannabis für Erwachsene in Deutschland nicht mehr strafbar. Nach Einschätzung der Studienautorinnen erklärt die gesetzliche Neuregelung den deutlichen Rückgang der registrierten Delikte, weil viele der zuvor polizeilich erfassten Fälle wie etwa der Besitz und Anbau begrenzter Mengen nicht mehr strafrechtlich relevant sind.