Die Deutsche Bahn schafft es seit Jahren, ihre Kunden im Alltag zu enttäuschen: Verspätungen, Ausfälle, eine Infrastruktur am Limit. Wer das ändern will, braucht neben Geld vor allem eines: Stabilität an der Spitze. Ausgerechnet daran mangelt es dem Konzern gerade. Denn kaum ist DB‑Chefin Evelyn Palla im Herbst angetreten und hat den Vorstand verkleinert und runderneuert, verliert die Bahn eine Schlüsselperson: Finanzchefin Karin Dohm geht nach kurzer Zeit. Offiziell natürlich „einvernehmlich“. Zuvor war über ein „nachhaltig, tiefgreifend und unwiederbringlich gestörtes“ Vertrauensverhältnis geredet worden. In der offiziellen Version klingt das harmloser. Es bestünden „unterschiedliche Vorstellungen über die zukünftige Ausgestaltung der Funktion sowie zentrale Fragen der Unternehmensentwicklung“. Gerade diese Begründung ist entlarvend. Wenn es um solche zentralen Fragen geht – warum klärt man dies nicht vor der Berufung? Auf Vorstandsebene sollte die Personalauswahl nicht schlechter laufen als in einem Verfahren für einen ganz normalen Job. „Neuer Realismus“ ersetzt keine Handlungsfähigkeit Das alles ist umso ärgerlicher, als es vom Kern ablenkt: Wie wird aus einem desolaten Konzern wieder ein funktionsfähiger Konzern? Der Eigentümer Bund, vertreten durch Verkehrsminister Patrick Schnieder, will „zufriedene Kunden“ sehen. Palla selbst wirbt für Transparenz und einen „neuen Realismus“: Deutschland müsse sich auf einen langen Weg einstellen. Das klingt wohltuend ehrlich. Nur: Realismus ist kein Ersatz für Handlungsfähigkeit. Pallas Rezept heißt Konzernumbau und „bauen, bauen, bauen“ – mit einem Sanierungsjahrzehnt, das zwangsläufig weiter Baustellen und Zumutungen bedeutet. Gleichzeitig weiß sie, dass die Kunden nicht erst in zehn Jahren eine bessere Bahn erleben wollen. Genau in diesem Spannungsfeld entscheidet sich, ob der versprochene Neustart mehr ist als eine Kommunikationswende. Es braucht spürbare Verbesserungen heute, ohne das Morgen zu verspielen. Dafür muss die Spitze funktionieren. Wer Vertrauen zurückgewinnen will, muss es zuerst im eigenen Vorstand organisieren. Die Bahn kann sich keine weiteren „einvernehmlichen“ Brüche leisten, die nach Führungskrise aussehen. Die Baustellen im Netz sind groß. Die im Vorstand sollten es nicht sein.
