FAZ 05.06.2026
08:59 Uhr

Der Wandertipp: Ein Wald, der einen nicht loslässt


Selbst die Schlingnatter ist zurück. Die seltene Schlangenart gilt als Symbol für den Erfolg von Schutzgebieten im ­Hochtaunuskreis. Neben Biotopen schließen sie reiche Wälder wie im Silberbachtal ein.

Der Wandertipp: Ein Wald, der einen nicht loslässt

Den Taunus mag vieles charakterisieren: Berge, Wälder, Felsen und eine weite, vorwiegend agrarisch genutzte Hochebene. Weniger Beachtung findet, dass die Topographie der steilen Hänge und flachen Zonen das Entstehen einer Reihe bedeutender Biotope und Feuchtwiesen begünstigte. Sie sind meist etwas abseits am Oberlauf der Gewässer angesiedelt, wie im Dattenbachtal, in dem ein kleines „Moor“ liegt, und am Nebenfluss Silberbach südlich von Glashütten. Dieser wurde auf 40 Hektar ebenso geschützt wie der zwölf Kilometer lange Dattenbach zwischen Idstein-Kröftel und Eppstein-Vockenhausen. Beide sind eingebunden in ein größeres FFH-Gebiet, um das Vegetationsbild des Taunus zu bewahren: Den wasserreichen Tälern stehen Wälder aus Fichten und Buchen sowie den von Ahorn, Linden oder Ulmen geprägten Montanstufen gegenüber. Ist die Flora intakt, stellt sich die Fauna von selbst ein. Als großer Erfolg des Schutzes der Talungen, mit dem in den frühen Neunzigerjahren begonnen wurde, gelten die Rückkehr von Steinkrebs, Lachs oder Neunauge in den Dattenbach und im Silberbach der Einzug einer reichen Amphibien- und Reptiliengesellschaft, darunter die äußerst seltene, nicht giftige Schlingnatter. Undurchdringliche Wälder und morastige Niederungen konnten die Römer nicht am Limesbau hindern. Allein vom Feldberg-Kastell in den Dattenbachgrund waren 400 Höhenmeter zu überwinden. Warum die römischen Strategen das schwierige Terrain nicht umgingen, indem sie das flachwellige Gebiet weiter nördlich einbezogen, ist weniger rätselhaft, schaut man in den „Limes-Informationspavillon“ am Rande von Glashütten. Großformatige Karten und Fotos verdeutlichen die Kriterien für den Grenzverlauf. Trotz aller Beschwernisse ließ sich eine gradlinige Trasse einfacher gestalten und bewachen, wobei man überlegt die Strecke vor dem Hauptkamm des Taunus führte. Das Hinterland war zunächst noch unbefriedet und der Wall entsprechend stärker ausgebaut. Viel blieb nicht von den Kastellen und Türmen am nordwestlichen Taunushang. Seit einigen Jahren erleben diese jedoch eine Wiederauferstehung. Das Feldberg-Kastell wurde für die Anerkennung des Limes als UNESCO-Welterbe in Grundzügen erneuert, nahe Idstein entstand in authentischer Ausführung – mit weißer Scheinmauerung – ein Wachturm. Zuletzt durfte sich Glashütten in den Kreis einreihen. Für den im vergangenen Jahr am Kleinkastell Maisel errichteten 16 Meter hohen Turm wählte man allerdings die heute aus Effizienz- und Kostengründen gern bevorzugte Leichtmetallbauweise, hier versehen mit einer luftigen Holztäfelung. Das ist im Sinne wissenschaftlicher Erkenntnis vielleicht nicht die reine Lehre, genügt aber der Anschaulichkeit bei jederzeit freiem Zugang. Wegbeschreibung Der Startpunkt ist die Bushaltestelle „Dornsweg“ am westlichen Ortsausgang Glashüttens an der Limburger Straße (B 8). Etwas oberhalb gegenüber vom Friedhof – und sonntags vor den Großmärkten – sind zahlreiche Parkplätze zu finden. Der Limes-Informationspavillon steht etwas versteckt hinter dem linksseitigen Laden. Das am Getränkemarkt auf der anderen Seite aufzunehmende Zeichen schwarzes Limestürmchen verläuft vor der noch als bewachsene Geländestufe erkennbaren Grenzlinie, nur unterbrochen von einem Bach in der Senke. Das zwingt die Markierung zum Ausweichen nach rechts, bevor sie nach 300 Meter links spitzwinklig zurückweist. Das Gefälle kann – insbesondere bei Nässe – recht rutschig sein. Besser zu laufen ist die etwas ausholende Variante im Wald mit dem Zeichen schwarzer Punkt bis zu besagtem Gewässer, wo dann das Limestürmchen die Führung am Anstieg übernimmt. Oben, vor den Relikten des Kleinkastells Maisel, ragt der neue Limesturm auf und gibt den Blick frei über Glashütten zu Großem und Kleinem Feldberg. Weiter geht es zwischen Obstbäumen und dichter Vegetation dem Forst entgegen. Begleitet von kniehohen Limesresten entpuppt sich dieser als veritabler Naturwald. Pfad und Steg in einer Talsohle sind vom Mikado umgestürzter Stämme unberührt, ebenso der Wiederanstieg. Mit dem bald von rechts einmündenden Weg kommt das Naturpark-Zeichen blauer Schmetterling hinzu. Wenige Meter weiter biegt man damit nach links ab. Der Weg schlägt die Richtung Schloßborn ein, das nach dem Waldesaustritt in ganzer Breite unter einem liegt. Das Geradeaus findet talwärts durch ein gehobenes Wohnviertel bis zum Freibad am Caromber Platz seine Fortsetzung. Stark verkürzend könnte man schon von hier zurückkehren. Dafür geht es rechts am Schwimmbad und an einer Teichkette vorbei, unter baldiger Mitnahme des Taunussteigs, hinauf nach Glashütten. Dort kann, hinter der barocken Heilig-Geist-Kirche, auf der Limburger Straße quer hindurch oder mit dem Steig am Bebauungsrand entlanggegangen werden. Abkürzend lässt sich auch der Weg oberhalb im Wald nutzen, so in Schloßborn der Ringmauerweg einbezogen wird. Vom Caromber Platz erblickt man an einer Hauswand das stilisierte Ortsbild der umwehrten Gemeinde des 15. Jahrhunderts. Von den sieben Türmen steht noch ein runder, sanierter am oberen Treppenabsatz eines durch große Schautafeln gekennzeichneten Lehrpfades; die Burgstraße heraufkommend, rechts und links in die Pfarrgasse. Zur Fortsetzung geht es schräg gegenüber auf einen schmalen Fußweg, der nahe einer funktionslosen Trafostation endet. Bei Wahl der zweiten Abkürzungsvariante hält man sich davor links und läuft mit blauem und weißem X hinauf nach Glashütten; doch auch hier verläuft der Taunussteig. Für den Hauptweg geht es dagegen rechts abwärts (Auf dem Quacken) und unten links auf der Königsteiner Straße zum schwarzen Zeiger. Ihm obliegt durchgehend die Begleitung im Naturschutzgebiet Silberbachtal, nachdem er die Straße ausgangs der Bebauung gequert hat. Sogleich umfängt den Wanderer dichter Wald, so als wollte er ihn nicht eher wieder loslassen, bis er sämtliche Baumarten aller Wachstumsstufen gesehen hat. Zum Auftakt überwältigt ein grüner Dom an Buchen und Eichen, der nur gelegentlich Blicke zu wogenden Wiesen erlaubt. Auch der Silberbach macht sich rar. Nach 1500 Metern kreuzt man erstmals seinen rechten Strang, den linken noch später. Anschließend verjüngt sich der Weg in einer Passage sturmbedingten Niederwaldes. Typische Pionierpflanzen wie Birken oder Ebereschen haben die Brachen längst geschlossen. Verbliebene Fichten rücken bald zu einem geschlossenen Ganzen zusammen. Ein weiterer Pfad lässt mit Blick auf Wurzelstümpfe und hohe Grasbüschel Zweifel an der Wegführung aufkommen. Im Prinzip geht es aber stets geradeaus. Erst gut eine Stunde später steht hinter einer Kreuzung ein Zeichenwechsel zum grünen Punkt links an. Damit beginnt der über die gesamte Strecke angenehm zu laufende Rückweg. Die Markierung weist nach 500 Metern rechts ab, berührt eine blumenreiche Waldwiese und kreuzt die viel befahrene B 8 (in der Mitte eine ausgesparte Stelle). Auf der anderen Seite bleibt es rechts der Feldbergstraße noch beim Punkt, bevor ihn nach 250 Metern links der schwarze Strich ablöst. Die Waldpartie setzt sich fort Jenseits der Straße setzt eine knorrige Hainbuchenallee ein. Sie stimmt gleichsam als Ouvertüre auf den selbst hier, außerhalb des Schutzgebietes, reichen Baumbestand ein. Später läuft das Naturpark-Emblem Widdergehörn mit. Wenn sich die beiden nach etwa 700 Metern trennen, lotst der Strich verkürzend links hinab gen Glashütten. Ansonsten setzt das Gehörn die endlose Waldpartie fort – zur Abwechslung jetzt unterhalb eines offenen, teils von Jungpflanzen bewachsenen Steilhangs. Wieder von Hochwald umfangen, wird in einem weiten Rechtsbogen der Glaskopf umrundet, bis man auf einen Querweg trifft. Jetzt ist links zu den bekannten Zeichen X, blau und weiß zu wechseln. Auch dieser Weg führt „Glas“ im Namen zur Erinnerung an die spätmittelalterliche Glashütte im Emsbachtal. Begleitet von künstlerisch gestalteten Elementen wie einer gläsernen Bank, liegt der Ausgangspunkt nicht mehr fern. Anfahrt Glashütten liegt an der Bundesstraße B 8 westlich von Königstein. Parkmöglichkeiten finden sich am nördlichen Ortsausgang.Dort, an der Haltestelle Dornsweg, hält auch der wahlweise aus Königstein (Linie 60), Kronberg (Linie 223 Richtung Idstein) oder Idstein (Linie 223 Richtung Kronberg) kommende Bus. Sehenswert Glashütten besitzt abgesehen von historischen Glasöfen und Limesresten – zuletzt durch einen 16 Meter hohen Wachturm visualisiert – sowie der barocken Heilig-Geist-Kirche keine nennenswerten Baulichkeiten. Anders das 1972 eingemeindete Schloßborn. Da ist nicht nur die Saalkirche St. Philipp und Jakob ungleich größer und die Ausstattung mit einer spätgotischen Mutter Gottes bedeutsamer. Hier signalisiert auch ein Mauerring die frühere Stellung. In Grundzügen wurde die trapezförmige Anlage aus dem 15. Jahrhundert restauriert und der letzte Turm von ursprünglich sieben gesichert. Ein mit Schautafeln versehener Rundweg zeichnet die Befestigung nach. Im Umland sind mehrere bedeutende Naturschutzgebiete ausgewiesen, so das zwölf Kilometer lange Dattenbachtal oder das 40 Hektar große Silberbachtal. Es ist flächenhaft angelegt, um die reichen Bestände aller Baumarten in ihrem Charakter als Montanwald zu erhalten.