„Das Glücksgefühl“, sagt David Corell, „ist immer das gleiche.“ Egal ob Hessenmeisterschaften, nationale Titelkämpfe oder Olympische Spiele, „die erste Medaille bei einem Ereignis fühlt sich immer ähnlich an“. Als Athlet nur mit begrenzten Perspektiven ausgestattet, war der Dreiunddreißigjährige als Trainer bereits auf unterschiedlichsten Ebenen an Edelmetall beteiligt. Allein fünf dieser Plaketten umweht der olympische Spirit, live dabei bei diesen Erfolgen seiner Sportler war der Wiesbadener allerdings nur einmal. Im Februar stand er an der Bobbahn im italienischen Cortina, als Laura Nolte und Deborah Levi im Zweier zu Gold rasten. Dafür hatte sich der Bundestrainer Kurzsprint extra beim Deutschen Leichtathletik-Verband „freigeschaufelt“. Als sich wiederum die 4-mal-100-Meter-Staffel der Frauen bei den Sommerspielen 2024 in Paris Bronze schnappte, verfolgte Corell das lediglich auf einer Leinwand auf dem Warm-up-Platz. Die Vorbereitung auf ein solches Rennen, bei dem so viel schiefgehen könne, sei so „stressig“, erklärt er, da wolle er den entscheidenden Moment lieber nur mit einem nahen Kollegen an der Seite als auf der trubeligen Tribüne genießen. Corell: „Das war ein verrückter Coup“ Aus seiner damaligen Frankfurter Trainingsgruppe waren zwei Sportlerinnen an dem „verrückten Coup“ beteiligt: Lisa Mayer, die seit ihrem Karriereende 2025 jetzt als Athletenbetreuerin am Olympiastützpunkt arbeitet, und Sophia Junk, die zusammen mit Neuzugang Chelsea Kadiri und den schnellen Männern um den Europameisterschaftsmedaillengewinner Kevin Kranz den Spielen in Los Angeles 2028 entgegenstrebt. Das mit einem ganzen Medaillensatz aus den Dolomiten zurückgekehrte Bobtrio Nolte, Levi und Adam Ammour ergänzt mit Genehmigung des DLV die Auswahl. „Sie tun den Leichtathleten gut“, betont Corell. Menschlich wie sportlich, denn beide Parteien trainierten ähnlich, stehen aber nicht in direkter Konkurrenz miteinander. „Die Bobfahrer challengen die anderen im Kurzsprint“, wo sie durch das Gefälle am Start sogar schneller seien als die Kollegen auf der Tartanbahn, und beeindruckten im Kraftraum. Ihre Körper müssten hohen Belastungen standhalten, erklärt Corell. Resilienz und Robustheit spielten das Jahr über eine große Rolle, nicht nur weil in den Kurven hohe Kräfte wirkten und die Athleten selbst ihr schweres Fahrzeug schleppen müssten. Nach einem Rennen warteten oft noch lange Autofahrten, und am nächsten Tag gehe es gleich wieder zum Üben. Läufer brauchen nach längeren Reisen erst mal einen Tag Ruhe „Bei den Läufern wäre das nicht vorstellbar“, sagt Corell. Die brauchten nach längeren Reisen erst mal einen Tag Ruhe und Pflege, bevor sie sich wieder bewegen könnten. Auch seinen Wintersportlern schreibt der Fachmann für das ganze Jahr die Trainingspläne, „nur aus dem Lenken halte ich mich heraus“, sagt Corell. Levi war schuld, dass sich der akribische Arbeiter von 2018 an auch in dieses Metier „hineinfuchste“. Der Dillenburgerin war bei einem Leichtathletikwettkampf der Sportartenwechsel vorgeschlagen worden, und es hieß, er müsse als ihr Trainer erst mal nichts anderes als vorher mit ihr machen. Längst hat Corell seine Kenntnisse auf diesem Gebiet vertieft. Das Engagement im Wintersport dürfe aber nie zulasten seiner eigentlichen Aufgabe gehen, betont der DLV-Angestellte. Mit 19 Jahren war Corell von seinem eigenen Trainer Georg Schmidt zum Seitenwechsel überredet worden und machte sich bald einen Namen in der Szene. Corell stieg vom Landes- zum Bundesnachwuchs- und -stützpunkttrainer auf und konnte an der Seite seines Chefs beim DLV, Ronald Stein, „sehr viel experimentieren, während er den Kopf hinhielt“. Doch 2023 fiel der verantwortliche Bundestrainer krankheitsbedingt dauerhaft aus, und es wurde ein Team gebildet, das seine Arbeit fortführen sollte. Corell ist in diesem aufgrund seiner Expertise für die Männer und die Staffeln zuständig, von denen es in Zukunft bei allen Großereignissen auch eine gemischte gibt. Sprinter werden mit Geparden verglichen Schon früh hatte sich der studierte Sportwissenschaftler, der mit der Weitspringerin Maryse Luzolo verheiratet ist, mit Trainingsmethoden in den USA auseinandergesetzt und gerne einen College-Coach zitiert, der Sprinter mit Geparden verglich, die nur einmal am Tag, auf Beutejagd, Vollgas geben und sonst faul in der Sonne herumliegen. Für seine Athleten hieß das, weniger Einheiten und Umfänge, aber diese in sehr hoher Qualität zu absolvieren. Nach zwei Olympiazyklen ist Corell von diesem Weg etwas abgewichen, auch „weil bei mir niemand 200 Meter laufen konnte“. Der DLV finanziert ihm als Mentor den Italiener Marco Airale, der die Britin Amy Hunt zu Silber bei den Weltmeisterschaften 2025 in Tokio führte. Die beiden Kollegen tauschen sich überwiegend online aus. Beim neuen Modell würden auch Best-Practice-Beispiele berücksichtigt, die sich nicht wissenschaftlich belegen ließen, erklärt Corell, dem es früher sehr wichtig war, alles auf diese Art begründen zu können. „Aber der Körper ist hoch kompliziert“, und es wäre „naiv, die Augen davor zu verschließen“. Auf diese etwas andere Art hatten alle seine Athleten 2025 ihre Bestleistungen gesteigert. Nicht nur die auf der Bahn. Bob-Olympiasiegerin Laura Nolte hat selbst mehrfach betont, sie sei noch nie so fit wie in diesem Winter gewesen.
