FAZ 15.09.2026
17:56 Uhr

„Das Boot“-Schauspieler gestorben: Er verkörperte die raue und schöne Seele des Ruhrgebiets


Der Schauspieler Ralf Richter wurde mit  „Das Boot“ bekannt. Der beliebte deutsche Film- und Fernsehstar erlangte in der Rolle des sympathischen Proleten Kalle Grabowski Kultstatus. Nun ist er mit 69 Jahren gestorben.

„Das Boot“-Schauspieler gestorben: Er verkörperte die raue und schöne Seele des Ruhrgebiets

Seinen Durchbruch erlebte Ralf Richter 1981 mit seiner Rolle in „Das Boot“, viele erinnern ihn aber auch als „Kalle“ aus der Krimi-Komödie „Bang Boom Bang“.  Ralf Richter, 1957 geboren in eine Künstlerfamilie als eines von acht Kindern des Bochumer Architekten Otto Richter, war ein Multitalent – Fernseh- und Bühnenschauspieler, aber auch Musiker wie sein jüngerer Bruder Frank-Martin Strauß, der bekannt ist als „FM Einheit“ und als Mitglied der „Einstürzenden Neubauten“. Bevor Ralf Richter sich dem Schauspiel zuwandte, absolvierte er eine Schreinerlehre. Er gab dem rauen, aber herzlichen Ruhrpottler ein Gesicht Parallel besuchte er die Schauspielschule in Bochum, von der er aber bald als „nicht ausbildbar“ verwiesen wurde. Frühe Erfolge hatte er dennoch. Er spielte an der Berliner Volksbühne und am Hamburger Schauspielhaus, bevor er 1980 mit dem Tatort „Hetzjagd“ für das Fernsehen entdeckt wurde. Ein Jahr später besetzte ihn Wolfgang Petersen als herumproletenden Maat Frenssen in seinem Welterfolg „Das Boot“. Richter spielte trotz seiner künstlerisch-akademischen Herkunft oft wilde Typen, Bösewichte und, sehr überzeugend, den rauen, aber sympathischen Ruhrpottler, der das Publikum mit seiner schnodderigen Art („Was wollt ihr Tröten denn schon wieder“) erfreut. Als „Kalle Grabowski“ in der Krimikomödie „Bang Boom Bang – ein todsicheres Ding“ gab er 1991 einen Gangster, der im Knast einen Erotikfilm anschaut und, als er darin seine Frau als Schauspielerin entdeckt, ausrastet, ausbricht und auf einen turbulenten Rachefeldzug geht. Kleinbürgerglück und Gangster-Träume vor rauchenden Schloten Spätestens diese Rolle in einer der erfolgreichsten Komödien der Wiedervereinigungsjahre machte ihn zu einer viel geliebten Kultfigur des Ruhrgebiets. In dem Film „Superstau – ich ramm die Sau“ gibt er den trotz allem liebenswürdigen und ums Wohl seiner Familie besorgten deutschen Proleten aus Gelsenkirchen, der in einem Megastau feststeckt; in der Bergbau-Saga „Rote Erde“ spielte er den Bergmann Otto Schablowski. Richter setzte mit seinen Rollen den Malochern des Ruhrgebiets, dessen Geschichte und ihren Geschichten, ein oft amüsantes und berührendes Denkmal. Als viel gefragter Schauspieler in Serien wie „Ein Fall für Zwei“, „Tatort“ oder „Großstadtrevier“ prägte er nicht nur das deutsche Fernsehen, sondern auch die Wahrnehmung einer ganzen Region. Im Laufe seiner Karriere hat Richter mit bekannten Regisseuren des deutschen Films wie Dominik Graf zusammengearbeitet. Neben der Tätigkeit als Schauspieler war er auch immer wieder als Sänger tätig. Nach längerer Krankheit ist Ralf Richter nun, wie sein Sohn bestätigte, im Alter von 69 Jahren gestorben.