FAZ 24.09.2026
18:43 Uhr

Crowne Plaza Frankfurt: Betriebsrat kann Hotelschließung nicht verhindern


Für Gäste wie Mitarbeiter überraschend ist am Montag das Crowne Plaza Hotel in Frankfurt wegen Brandschutzmängeln geräumt. Der Versuch der Arbeitnehmer, die Schließung juristisch aufzuhalten, scheitert.

Crowne Plaza Frankfurt: Betriebsrat kann Hotelschließung nicht verhindern

Es sollte schnell gehen: Nur eine Stunde Zeit gab das Arbeitsgericht Frankfurt am Mittwoch dem Betreiber des Crowne Plaza Hotels sowie dem Betriebsrat, um vor Gericht zu erscheinen. Hintergrund der Vorladung war die überraschende Räumung des in Niederrad gelegenen Hotels am Montag. Wegen einer ausgefallenen Sprinkleranlage wurde der Betrieb eingestellt, Beschäftigte und Hotelgäste mussten das Hotel verlassen. Laut Betreiber ist eine Wiederaufnahme des Betriebs aus Sicherheitsgründen nicht möglich. Der Betriebsrat wollte die Schließung mit juristischen Mitteln verhindern und beantragte mit Unterstützung der Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten (NGG) beim Arbeitsgericht Frankfurt eine einstweilige Verfügung. Die Stilllegung des Betriebs solle so lange unterbleiben, bis ein Interessenausgleich mit den Beschäftigten abgeschlossen oder in der Einigungsstelle gescheitert ist. „Die Arbeitgeberin hatte einen mit dem Gesamtbetriebsrat geschlossenen Interessenausgleich vorgelegt, der die Schließung des Hotelbetriebs in Frankfurt am Main spätestens zum 30. September 2026 vorsieht“, teilte das Arbeitsgericht auf Anfrage mit. Daher sei der Antrag des Betriebsrats zurückgewiesen worden. Ob gegen die Entscheidung Beschwerde vor dem Landesarbeitsgericht eingelegt wird, sei nicht bekannt. Der F.A.Z. liegt der Sozialplan vor, der auf Basis des Interessenausgleichs vereinbart wurde. Ein Sozialplan ist eine Vereinbarung zwischen Arbeitgeber und Betriebsrat, die wirtschaftliche Nachteile etwa durch eine Verkleinerung des Unternehmens ausgleichen soll. In diesem Fall wurde der Sozialplan vom Gesamtbetriebsrat ausgehandelt, der laut dem Dokument den örtlichen Betriebsrat vertreten hat. Fraglich ist, warum der örtliche Betriebsrat dies vor dem Arbeitsgericht in Frankfurt augenscheinlich nicht gewusst hatte. Irritationen um einen Sozialplan Auf Anfrage teilen der Gesamtbetriebsrat und die Hotelgruppe Novum Hospitality , die das Haus betreibt,  mit, dass der örtliche Betriebsrat mehrere Gesprächsangebote nicht wahrgenommen habe. In den nächsten Wochen werde nun der Sozialplan abgewickelt. NGG und Betriebsrat seien weiterhin eingeladen, an den Gesprächen teilzunehmen. Am Montag hatte die NGG bekannt gemacht, dass der Vorsitzende des örtlichen Betriebsrats und seine Stellvertreterin fristlos entlassen wurden. Unklar ist weiterhin, wie es zu der plötzlichen Schließung des Gebäudes gekommen ist. Betreiber Novum Hospitality wirft dem Eigentümer des Gebäudes vor, sich seit Jahren nicht um Mängel gekümmert zu haben. Dabei geht es um mehr als die defekte Sprinkleranlage: Das Gebäude weist augenscheinlich Wasserschäden auf, außerdem gibt es Schäden bei Aufzügen, Lüftungen und Pool. Die Novum hat den noch mehrere Jahre laufenden Mietvertrag vorzeitig gekündigt, da der Vermieter seiner vertraglichen Pflicht zur Mängelbeseitigung ihrer Ansicht nach nicht nachgekommen ist. Der Vermieter Praemia, ein französisches Anlageunternehmen, weist den Vorwurf zurück, das Gebäude nicht instand gehalten zu haben. „Die Entscheidung zur Schließung des Hotels wurde einseitig vom Betreiber getroffen“, teilte Praemia in einer Stellungnahme mit. Zudem sei nicht bekannt, dass eine Schließung durch eine Behörde vorgeschrieben worden sei. Es habe regelmäßige Kontrollen und Gespräche zum Zustand des Gebäudes gegeben. Weitere Gespräche seien für den 23. und 30. September geplant gewesen. Novum hat bestätigt, dass diese Gespräche angesetzt wurden. Allerdings sei die vertraglich festgelegte Frist zur Behebung der Mängel bereits verstrichen. Bei den Gesprächen sollte aufgearbeitet werden, wie es zu den Mängeln kommen konnte.