Wenn Clueso nicht gerade singt und performt, dann spricht der 45 Jahre alte Singer-Songwriter und Produzent zu seinem Publikum in der Frankfurter Festhalle. Dabei wechselt Thomas Hübner, so sein bürgerlicher Name, von sehr persönlichen Geschichten wie etwa über seinen Vater Roland „Rolli“ blitzschnell zu Motivationsspritzen: „Wo ist euer Maximum?“, feuert er die Fans an. Da kitzelt und triezt er das Publikum, ob es noch mehr aus sich herauszugehen vermag. Und das tut es. Jeder Künstler würde wohl gerne die Hingabe der Fans auf diese Art genießen. Mit seinem feinen Gespür dafür, größere Menschengruppen verbal für sich zu gewinnen, gelingt es dem in Erfurt geborenen Clueso mehr als zwei Stunden lang zu faszinieren. Und nicht nur damit. Seine Musik, ein zeitloser Singer-Songwriter-Stil mit diversen Genreüberbrückungen und in den Texten stets fokussiert, ist wohl das, was am meisten zur Bewunderung beiträgt. Musikalisch begleitet von seinem engagierten Ensemble, textlich von den Besuchern. Kaum zu glauben, dass Clueso, dessen Pseudonym von Inspektor Clouseau aus Blake Edwards’ Kinofilmreihe „Der rosarote Panther“ stammt, seinen ersten offiziellen Tonträger schon 2000 veröffentlichte. Erster Höreindruck vom neuen Album Erste Versuche mit der Musik hat der auch heute noch jungenhafte Künstler 1995 mit gerade mal 15 Jahren gemacht. Schon den Auftakt, „Chicago“, aus dem dritten Album „Weit weg“ (2006), singt das Publikum euphorisch mit. In weißen Sportklamotten, unscheinbarer Kurzhaarfrisur und ausgeglichener Stimme bringt Clueso dieses unaufdringlich Burschikose mit Hang zur sensiblen Poesie und weltoffener Selbstreflexion nahezu perfekt über den Bühnenrand. Eine Rolle, falls es denn überhaupt eine Rolle ist, die er bis zum Finale konsequent aufrechterhält. Immer wieder kommt Clueso auf sein im vergangenen Februar veröffentlichtes 10. Studioalbum „Deja Vu 1/2“ zu sprechen. Der erste von zwei Teilen eines Doppel-LP-Werks. Einige dieser Tracks finden sich auch im aktuellen Live-Repertoire. Mit „Gib mir was Echtes“ gibt es den ersten Höreindruck. Es folgen das Papa Roland gewidmete „Ballon“, der wunderschöne Titelsong „Deja Vu“ und das gar nicht so geringe „Minimum“. Auch „Verrückter Sommer“ und „Liebe auf den letzten Blick“ präsentieren einen reiferen, bedächtigeren Clueso. Für „Fanpost“ und „Herz Boom Boom“ begibt sich Clueso in den 1. Rang direkt vor die Tür der Rotunde. Zurück im Rampenlicht kommen „Still D.R.E. “, „Freidrehen“, „37 Grad im Paradies“ und „Heimatstadt“ in einem erstaunlichen Medley unter. „Cello“, Cluesos Coverversion eines frühen Klassikers von Udo Lindenberg und seinem Panikorchester fehlt ebenso wenig, wie „Wenn Du liebst“ im Duett mit dem Vorprogramm, der künstlerisch gesegneten Lotte. Danach bricht mit „Flugmodus“ das letzte, übermütige Konzertdrittel an. In „Zusammen“ und „Tanzen“ schwenkt der Reigen energisch in Richtung Club. Auch „Achterbahn“ triggert noch massiv. Noch einmal in die euphorische Menge im Innenraum zieht es Clueso mit „Gewinner“. Mit der Ballade „Barfuß“ gelingt der ideale Ausklang. Wie sagte Clueso doch zum Abschied, als zum letzten Mal die Konfettischwaden verschossen sind: „Denkt daran, wie es momentan draußen in der Welt abgeht und wie friedlich wir hier in der Festhalle gefeiert haben.“
